Öko-Modell-Regionen

Byodo

BioSenf vom Waginger See

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Byodo ist ein Unternehmen mit Sitz in Mühldorf, das Bio-Feinkostspezialitäten über den Fachhandel anbietet. Bekannt sind Nudeln, Essige, Öle, Saucen und Dips – und Biosenf in feinsten Sorten. Gleich bei der Bewerbung der Region Waginger See- Rupertiwinkel hat die Geschäftsführung Interesse an einer regionalen Zusammenarbeit signalisiert. Was wäre in Bayern naheliegender als ein Senf von hier? Das dachten sich auch Josef Stellner, kaufmännischer Leiter, und Dr. Karin Huber, Leiterin der Qualitätssicherung, die das Projekt seither engagiert vorantreiben. Byodo begann 2014 damit, mithilfe der Ökomodellregion Waginger See Biolandwirte zu suchen, die Senf anbauen.

 

Bio-Senfanbau ist in der Region ein echtes Novum – abgesehen vom Anbau als Zwischenfrucht im Winterhalbjahr, der für den Erosionsschutz wichtig ist, bei dem die Ausprägung der Senfschoten aber keine Rolle spielt. Der Senf ist  ein naher Verwandter des Raps. Und das bedeutet in der Landwirtschaft: er ist im Sommer vom selben Schädlingsbefall wie z.B. durch den Rapsglanzkäfer oder Kohlschotenrüssler betroffen. Giftige Schädlingsbekämpfungsmittel sind im Biolandbau selbstverständlich tabu, von ganz wenigen Ausnahmen auf natürlicher Basis abgesehen. Raps in Bioqualität ist daher ebenso rar wie Senf, das Unterfangen Senfanbau riskant. Wird der Schädlingsbefall zu groß, kann die gesamte Ernte verloren gehen. Die Qualitätsanforderungen für Biospeisesenf sind hoch. Der Preis für frisch geernteten Biospeisesenf machte bisher kaum einen gewinnbringenden Anbau möglich, sodass Biosenf nur in wenigen deutschen Regionen zu finden ist und viel Senf aus dem Ausland importiert werden muss.

 

Das Risiko für Biosenfanbau war den Bauern bisher zu groß. Wer mag ihnen das verdenken? Doch faire Preiszusagen und das ehrliche Geschäftsgebaren des Unternehmens Byodo machen die Ökolandwirte in der Region kreativ. Die Lösung liegt im Mischfruchtanbau – schon Pioniere des Ökolandbaus haben auf Mischfruchtanbau gesetzt. Wie geht das? Der Senf wird zusammen mit einer zweiten Ackerfrucht wie z.B. einer Leguminose angebaut, die zudem noch Stickstoff im Boden bindet. Die Leguminose sichert die Nährstoffversorgung, der Kreuzblütler Senf wiederum kann als Stützfrucht z.B. für die Erbsen dienen. Der Anbau im Gemenge statt Monokultur ist vielseitig und bodenschonend.  Und er hat einen positiven Nebeneffekt: Fällt die Senfernte aus, gibt es immer noch die Hauptfrucht zu ernten, meistens nur mit kleinen Ertragseinbußen. Das ist wirksame Risikostreuung. Ackerbohnen mit Senf, Buchweizen mit Senf, Linsen mit Senf, Ackerwicken mit Senf – vieles wird seither in der Region erprobt. Die Landwirte tauschen ihre Erfahrungen untereinander aus und lernen voneinander. Mit dabei sind hier vor allem echte Bio-Ackerbauprofis. Nach der Ernte wird das Gemenge durch verschiedene Verfahren getrennt und weiter gereinigt.

 

Die letztjährigen Ernten schwankten zwischen null und 1200 kg pro Hektar. Der Preis ist fair und berücksichtigt das Risiko von Totalausfällen in einer Mischkalkulation. Dem Unternehmen Byodo, welches als verlässlicher Partner in der Branche einen guten Ruf genießt, vertraut man. Ohne die Manager der Ökomodellregion würde es den Senf trotz Interesse von beiden Seiten nicht geben. „Es braucht Menschen mit einer Vision, die anschieben und vor Ort vernetzen. Das hätten wir allein nicht leisten können“, so Stellner. Er freut sich, dass das Projekt gelingt und viel mediale Aufmerksamkeit genießt. Es ist nicht das einzige, was Byodo in der Region anschiebt: diesen Herbst eröffnet die Biokantine nebst kleinem BioSupermarkt auf dem Gelände in Mühldorf. Damit die ansässigen Betriebe ihren Mitarbeitern ein Bioessen anbieten können. Wenn die Biosenfmenge vom Waginger See weiter steigt, wird es bald einen 100% regionalen Biosenf als eigene Sorte geben. Mit der Qualität der ersten Ernte sind Dr. Karin Huber und ihre Kollegen bisher sehr zufrieden.