Öko-Modell-Regionen
Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg

Demeter-Bäckerei der Familie Kraus

Feinschmeckerprämierte Handwerkskunst

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Industriell produzierte Ware ist auf dem Vormarsch. Entgegen den Versprechen der Werbestrategen von der frischen, handwerklichen Semmel industrialisiert sich die Branche rasant. Das Bäckerhandwerk erlebt einen weitreichenden Strukturwandel. Zwischen 2003 und 2013 steigen die Umsätze der Branche um über 55%, im selben Zeitraum nimmt die Zahl der Betriebe um rund ein Drittel ab. Als Ergebnis gibt es heute von den rund 20.000 Bäckerbetrieben in 1999 jeden zweiten nicht mehr.
Umso erfreulicher ist, dass im beschaulichen Weigendorf in der Oberpfalz noch ein Familienbetrieb mit Leidenschaft dem Bäckerhandwerk nachgeht. Hier wird handwerklich gearbeitet, bis heute ohne Konservierungsstoffe oder fertige Backmischungen.  Neben einer konventionellen Schiene wird hier auch nach Demeter-Richtlinien gebacken. Wie das? Anfang der 90er Jahre informiert sich Walter Kraus über den Ökolandbau. Er besucht ein paar der Hersbrucker Demeter-Bauern und ist von ihrer Einstellung und Arbeitsweise sofort überzeugt. Den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern wollte er gleich nach der Übernahme ökologisch bewirtschaften.  Gekommen ist es dann anders als geplant: Die Biokollegen suchten Abnehmer für ihr Getreide und waren froh um den aufgeschlossenen Bäcker. Das motivierte Walter Kraus neben der konventionellen Schiene mit Bio-Brot zu experimentieren. Erste Versuche sind ihm ohne große Mühe gelungen und so wurde aus der Dorfbäckerei Kraus zusätzlich die erste Demeter-Bäckerei der Region. Das Getreide stammt bis heute von den Demeter-Landwirten aus dem nahen Umkreis, vermahlen wird es im Haus – kurz bevor es zu Brot wird.  Die Landwirtschaft hat Walter Kraus ganz aufgegeben.
 
Das Brot verkauft anfangs der Hutzelhof, der Anfang der 90er zur gleichen Zeit mit dem Ausfahren einer Öko-Kiste beginnt. Es entsteht eine Partnerschaft, die über 20 Jahre hält. Die ganze Familie hilft mit, das Auftragsvolumen zu bewältigen. Bis heute kann sich Walter Kraus auf die tatkräftige Unterstützung seiner Frau verlassen. Als Walter Kraus erkrankt, baut der Hutzelhof schließlich seine eigene Bäckerei. Ohne die Produktion für den Hutzelhof ist der Aufwand überschaubar geworden. Sorgen macht sich die Familie Kraus dennoch keine – ein paar Reformhäuser aus der Region und der Verkauf im Laden reichen dem Betrieb aus.
 
Die Zukunft bleibt dennoch ungewiss und die Entwicklung des Absatzes wird letztlich mitentscheiden, ob es für Sohn Peter weitergeht. Ein Ende wäre jammerschade, denn wegen ihres hervorragenden Geschmacks sind neben dem Brot auch die Lebkuchen, das biologische Süßgebäck sowie die Brezen und Semmeln weithin bekannt und beliebt. Weshalb die Bäckerei auch wiederholt vom Feinschmecker als eine der besten Bäckereien Deutschlands ausgezeichnet wurde.