Öko-Modell-Regionen
Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg

Demeterhof Walz

Gemeinsam für Vielfalt

Foto: Daniel Delang

Im Herzen der Oberpfalz am Hof von Michaela und Andreas Walz herrscht Vielfalt: eine Mutterkuhherde, Hühner und seltene Getreidesorten gehören zur Leidenschaft der Beiden. Landbau im Einklang mit der Natur, Kreislaufwirtschaft und die Kultivierung alter Sorten sind ihre Steckenpferde.

 

ChampagnerRoggen, weißer UrDinkel, Hartweizen, SommerEmmer & Co werden seit Jahren am Hof vermehrt. Von so manchem Saatgut hatte das Paar anfangs lediglich eine Handvoll Körner. Nach Jahren intensiver Zuchtarbeit haben die Zwei sich viel Erfahrung erarbeitet und erhalten durch ihren Anbau etliche alte Sorten. Im Unterschied zu den halmverkürzten Kollegen der Agrarindustrie haben die Getreide andere Eigenschaften: Die langen Halme der alten Getreidearten beispielsweise schützen bei Gewittern und Hagel davor, dass die Ähren am Boden faulen. Das Bett aus Halmen kann nämlich problemlos mit dem Mähdrescher geerntet werden!

 

Doch nicht nur die alten Sorten haben es den Beiden angetan: Der Trend zu glutenfreien Kohlenhydraten wie Amaranth, Hirse, Quinoa, Buchweizen und Süßgras erhöht die Nachfrage nach Alternativen und verspricht auch einen attraktiven Deckungsbeitrag.
Samenfeste Varianten der seltenen Arten sind gefragt. Die Zucht ist jedoch aufwendig: bei wechselhaftem Klima ist es eine Kunst, Saatgut zu vermehren, das stabile Erträge erwarten lässt. Neben dem Risiko beim Anbau stellt auch die Ernte und Weiterverarbeitung eine Herausforderung dar. Weder die Erntemaschinen, noch die Getreidereinigungen sind auf die „Newcomer“ vorbereitet. Doch der neugierige Forschergeist des Landwirtepaares lässt sich davon nicht beirren.

 

Die Zusammenhänge und die Natur der einzelnen Sorten zu verstehen, das erfordert Mut und Ausdauer, Entdeckergeist und Enthusiasmus. Den notwendigen Aufwand bekommt man in der Regel nicht bezahlt. Darum geht es auch den wenigsten. Freilich braucht dennoch jeder sein Auskommen. Biobauern wie die Familie Walz gestalten gemeinsam den Erhalt lebensnotwendiger Diversität unserer Feldfrüchte.  Viel zu selten dringt dieser uneigennützige Einsatz bis zum Bewusstsein des Verbrauchers durch und findet dort die entsprechende Würdigung.

 

Eine Möglichkeit, auch den Verbraucher an diesen Prozessen teilhaben zu lassen, ist die sogenannte Solidarische Landwirtschaft, kurz SoLaWi. Mit dem Angebot, das die Beiden produzieren, können viele Menschen mit Fleisch und Wurst vom Rind, Eier, Bratgockerl und Suppenhühner versorgt werden. Dazu noch Getreidereis, Mehle – insbesondere auch das in Deutschland rare Hartweizenmehl und Nudeln. Eine gute Ergänzung zu den meist als Gärtnerbetrieben wirtschaftenden Solawis. Noch sind sie beim Aufbau ihrer Solawi fernab großer Städte am Anfang. Das soll sich bald ändern – denn die beiden würden gerne mit ihren Erzeugnissen eine feste Gruppe von Menschen versorgen und die Vielfalt gemeinsam erhalten.