Öko-Modell-Regionen

Franz Obermeyer

Vielfalt gegen Einfalt

Foto: Daniel Delang

Franz Obermeyer versteht sein Handwerk. Sein Hof ist der Vorzeigebetrieb in der Region, er selbst ein wichtiger Gestalter und Vordenker. Der engagierte Demeter-Landwirt produziert Ackerraritäten von denen kaum einer denken würde, dass diese am Voralpenrand überhaupt wachsen können. Schwarze Beluga Linsen, Champagnerroggen, Purpurweizen, Emmer und Einkorn, Buchweizen, Senf, Leinsamen, Kartoffeln, Braunhirse, Gerste, Hafer und Dinkel, um nur einiges zu nennen. Alles sind samenfeste alte Sorten, in biodynamischer Qualität. Damit nicht genug: die Getreide werden weiterverarbeitet zu Bulgur, Dinkel- und Emmerreis, Gries und Mehl. Der Absatz läuft hauptsächlich über Direktvermarktung in der Region, Franz Obermeyer ist der Geschäftsführer der Demeter Getreide Chiemgau GbR, einer Erzeugergemeinschaft aus Bauern, Müllern und Bäckern, die in der Region nach dem Grundsatz der kurzen, nachvollziehbaren Wege wirtschaften. Doch das Handwerk allein reicht ihm nicht.

 

Franz Obermeyer sagt offen, was er denkt und vertritt seine Meinung klar und deutlich. Er ein mutiger Macher, ein Eisbrecher. Klein beigeben, Kompromisse eingehen, das entspricht schlicht nicht seiner Natur. Wahrscheinlich braucht es diese kraftvolle Energie um zu bewältigen, was auf seiner Agenda steht: Er ist Vorsitzender der Landesvereinigung Ökologischer Landbau und engagiert sich im Demeter-Verband. Er setzt sich ein für eine verbandsübergreifende Bioinitiative in der Region. Nachdem bekannt wurde, dass Waging Öko-Modellregion wird, lädt er gemeinsam mit dem Projektmanagement der Region kurzerhand Staatsminister Brunner zu Besuch vor Ort. Der kommt. Der Saal ist voll. Heiß wird diskutiert an jenem Abend, was geschehen muss, damit noch mehr Landwirte noch schneller umstellen. Das ist charakteristisch für diesen Menschen: er ist aktiv und manchmal auch ungeduldig. Wenn es nach ihm ginge, dann sollten eigentlich alle schon gestern umgestellt haben. Zum Ökolandbau gibt es für ihn keine Alternative. Diplomatisch mögen andere sein. Vielleicht braucht es auch Diplomatie, räumt er ein. Aber von ihm kann man die nicht erwarten. Man würde diesem einzigartigen Charakter auch unrecht tun, dies von ihm einzufordern.