Öko-Modell-Regionen
Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg

Klaus Hofmann – Jurahof

Soziale Landwirtschaft

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Am Jurahof in Schmidtstadt stand lange die Gastwirtschaft mitsamt der Pension im Mittelpunkt. Das große Gebäude und die Garagenzeile zeugen von lebhaften Zeiten. Doch mit der Hofübernahme beendet der Landwirtschafts- und Metzgermeister Klaus Hofmann den Gastbetrieb sofort. Ihm geht es um die Landwirtschaft. Er stellt den Betrieb auf ökologischen Landbau um und wirtschaftet auf mittlerweile 110 Hektar nach Demeter-Richtlinien. Der gesunde Kreislauf aus Ackerbau und Viehwirtschaft wird durch eine hofeigene Metzgerei mit Schlachtung sinnvoll ergänzt Hier werden auch die Tiere der Kollegen geschlachtet. Dadurch ist Klaus Hofmann mit seinen Bio-Kollegen gut vernetzt. Die 60-70 eigenen Rinder, darunter 24 Muttertiere, leben, solange es die Witterung erlaubt, auf der Weide.  Das hochwertige Bio-Rindfleisch kommt gut an. Es wird gut abgehangen und sorgsam zugeschnitten. Die Kunden schätzen die Qualität. Eine besondere Delikatesse ist der Rinderschinken, unvorstellbar lecker. Auch seine reine Rindersalami, die über ein Naturreifeverfahren 5 Wochen im Naturdarm reift, ist weithin beliebt und bekannt. Verkauft wird ab Hof an Privatkunden und Gaststätten.
 

Dass die Tochter den Hof übernehmen will, ist ein Glücksfall. Es macht auch ein solides Konzept für die Zukunft und damit kalkulierbare Einnahmen für zwei Generationen notwendig. Weiter in die Direktvermarktung zu investieren und die überwiegend leerstehende Pension und Gastwirtschaft zu nutzen, scheint Klaus Hofmann die beste Lösung. Einige Jahre wurden in den Zimmern chronisch Alkoholkranke beherbergt und betreut. Nun steht das Gebäude überwiegend leer. Klaus Hofmann sammelt seit 2013 Erfahrungen mit der Betreuung Jugendlicher und sieht darin eine gute Möglichkeit, bedürftige Menschen teilhaben zu lassen am gesunden Umfeld eines Bauernhofes: „Beeinträchtigten bietet der Hof einen ruhigen, überschaubaren Lebensmittelpunkt.  Ihnen eine Heimat und ein gesundes, sicheres Umfeld zu bieten, ist mir ein wichtiges Herzensanliegen. Es bedeutet für mich auch, meine gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, etwas zurückzugeben und andere teilhaben zu lassen.“
 
„Die Arbeit auf einem Hof ist konkret und überschaubar. Im Vergleich zum Großstadttempo ist das Leben hier beschaulich. Alle Tätigkeiten haben einen festen Rhythmus: tägliche Aufgaben wie Tiere füttern und Stall misten, saisonale Arbeiten wie pflügen, säen, mähen, dreschen. Die Arbeit folgt dem Rhythmus der Tiere und der Natur. Das gibt Menschen Halt und Orientierung“ so Klaus Hofmann weiter. Am Jurahof sollen es junge Menschen sein, die durch die Landwirtschaft wieder einen geregelten Tagesablauf erhalten und damit Struktur finden.
 
Bei der sogenannten sozialen Landwirtschaft geht es weniger um das, was am Hof produziert wird, sondern darum, für geistig, körperlich oder seelisch Benachteiligte einen Ort zu schaffen, an dem sie Linderung und Integration erfahren können. Der Jurahof mit den vielen Zimmern und Räumlichkeiten bietet optimale Voraussetzungen für die soziale Landwirtschaft. Nach langer Suche und vielen Gesprächen wird das Vorhaben, auf dem Hof Betreute und Betreuer willkommen zu heißen, konkreter. Eine junge Pädagogin will mit einsteigen und den Bereich leitend betreuen.
 
Damit diese Menschen beschäftigt werden können, leben nun auch Hühner am Hof, darunter auch eine Zweinutzungsrasse namens Bielefelder Kennhuhn.  Für die 60 Hennen und ein paar Stolze Hähne hat der sympathische Landwirt ein wahres Hühner-Kleinod geschaffen. Die Kosten für die Haltung trägt die Solidarische Landwirtschaft Vorderhaslach. Diese Erntegemeinschaft erhält dafür die Eier der Hennen. Damit wagt sich der Hof auch an zukunftsweisende und kreative Formen einer direkten Kundenbeziehung.