Öko-Modell-Regionen
Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg

Roland und Katrin Heldrich

Mit Vielfalt und alten Schätzen zur Vollerwerbslandwirtschaft

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Roland Heldrich liebt die Landwirtschaft – so, wie er sie in seiner Kindheit am Hof der Großeltern erlebte. Einer ungenutzten Streuobstwiese ist es zu verdanken, dass der gelernte Zimmermann 1994 wieder in die Landwirtschaft einsteigt: mit Rindern, um die Streuobstwiese zu beweiden. Die Wiesen und Weiden des Betriebes ernähren seither eine kleine Mutterkuhherde aus fränkischem Gelbvieh und Fleckvieh. Der Bioland-Betrieb wächst um viele kleine, weil nicht flurbereinigte Pachtflächen. Das Denken in Kreisläufen und in Partnerschaft mit der Natur ist Familie Heldrich wichtig. Sie freut sich über Fledermäuse und andere seltene Tiere und Pflanzen, die sich durch die sanfte und ökologische Wirtschaftsweise auf ihren Wiesen und Äckern wohlfühlen und jedes Jahr mehr werden. Es werden jährlich 10 Tiere geschlachtet und an Gastronomen und private Kunden verkauft. Das Getreide, vor allem der Dinkel, wird teilweise selbst verbacken und ab Hof verkauft.

 

Damit die alten Bäume erhalten bleiben und die Streuobstwiesen verjüngt werden können, müssen diese auch einen Ertrag bringen. Nur wie? Roland Heldrich ist Gründungsmitglied und 2. Vorsitzender der Streuobstinitiative Hersbrucker Alb e.V. und begeistert sich für den Erhalt alter Sorten, deren Geschmacksvielfalt und Kultivierung. Er beginnt mit zwei Kollegen eine mobile Saftpresse zu betreiben. Die Nachfrage nach heimischen Streuobstsaft steigt rasant und die Presse erreicht schon bald ihre Kapazitätsgrenzen. Die Nachfrage der mobilen Presse gibt ihm Zuversicht. Roland Heldrich erkennt das Potential, direkt am Hof zu saften. So wird die Basis geschaffen, vom Verkauf der eigenen Hof-Erzeugnisse und der Saft-Presse zu leben. Die höhere Wertschöpfung macht es möglich, den Hof erfolgreich zu betreiben.

 

Seit Bestehen der Obstpresse 2008 steht diese zwischen September und November kaum still: Neben den eigenen Äpfeln verarbeiten Heldrich‘s die Ernte vieler privater Kunden zu Saft. Die Packpresse macht es möglich, dass die Kunden auch garantiert den Saft der eigenen Äpfel mit nach Hause nehmen. Das kommt gut an und spricht sich schnell herum. Heute erfreut sich die Presse so großer Beliebtheit, dass sie für Tage im Voraus ausgebucht ist. Roland Heldrich bekommt so auch einen hervorragenden Überblick über die Sorten, die es noch gibt. Gespannt begutachtet er bei der Annahme die Äpfel neuer Kunden – immer auf der Suche nach Raritäten. Hinsichtlich der regionalen Sortenvielfalt ist er damit zum wichtigen Netzwerker geworden. Familie Heldrich liebt die Vielfalt. Insgesamt pflegt Roland Heldrich über 100 verschiedene Streuobstsorten auf seinem Hof. Seit einiger Zeit wächst auch der Streuobstbestand wieder: rund 320 Bäume haben die Heldrichs in den letzten Jahren gepflanzt. Sie bleiben den alten Sorten treu, die vielerorts noch das Landschaftsbild der Region prägen. Die Vielfalt schützt vor heftigen Ernteschwankungen und es werden dadurch seltene Apfelsorten erhalten und wieder vermehrt.

 

Neben reinem Streuobstsaft mischen Heldrich’s den Saft mit Birne oder Quitte oder auch mit Steinobst- und Beerensaft. Die Literflaschen gibt es beim Biofachhandel in der Region, in Gasthäusern und Metzgereien. Die sortenreinen Spezialitäten werden überwiegend ab Hof verkauft. Dabei sind fremd klingende Sorten wie Sousbirn oder Berner Rose. So erfahren vom Aussterben bedrohte Raritäten eine Wertschätzung und Aufwertung. Roland Heldrich liebt es, die verschiedenen Sorten und ihre jeweils besonderen Eigenschaften kennen zu lernen und andere dafür zu begeistern. Er fährt dafür eigens zum Bio-Erleben-Markt nach Nürnberg. Einfach, weil er so dankbar für diese Vielfalt ist. Denn auch die Nürnberger Kunden wissen die besondere Qualität seiner Säfte zu schätzen.