Öko-Modell-Regionen

Rosi Kuhn

Das gute Leben auf dem Lande

Foto: Daniel Delang

Dass es in Bayern überhaupt noch so viele Landwirte gibt, das ist vor allem dem hohen Anteil an Landwirten zu verdanken, die ihren Betrieb als Nebenerwerbsbetrieb führen. Also jenen Menschen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen und nach Feierabend dann in der Landwirtschaft arbeiten.

 

In der Elterngeneration hatte der Hof noch zwei Familien ernährt, heute ist es für eine Familie eine Herausforderung. Wie kommt es, dass so viele Menschen trotz dieser erschwerten Bedingungen die Landwirtschaft nicht aufgeben? „Die einen haben eine Porsche in der Garage, ich habe die Tiere auf der Weide. Das freut mich jeden Tag, ich empfinde es nicht als Arbeit. Es ist für mich eine Lebensphilosophie, die einzige Art, wie ich leben will.“, hört man öfter. Auch Stefan und Rosi Kuhn aus Oerlenbach sind solche Idealisten und Bauern aus Leidenschaft. Der Betrieb wird behutsam und mit viel Geduld von beiden an die sich verändernden Bedingungen in der Landwirtschaft angepasst. Auf das Einkommen dürfen die beiden dabei derzeit aber nicht schauen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir durch den Verkauf ab Hof innerhalb der nächsten Jahre ein stabiles Zusatzeinkommen in Höhe eines Minijobs haben – zusätzlich zur Verpflegung durch den Hof.“ Das sind bescheidene Erwartungen, dafür erreichbar und realistisch.

 

Mit viel Liebe ist über die Jahre einen Bilderbuchhof entstanden: mit Schweinen, Ziegen, Hühnern, Bienen, Pferden, Hunden und Katzen. Aufgrund von Allergien der Kinder fand ein Umdenken hin zum Ökolandbau und der Wechsel von Kühen zu Ziegen statt. Das war anfangs nur zur Versorgung der Familie gedacht. Eine klassische Subsistenzwirtschaft also: Menschen versorgen sich auf ihrem Land selbst und verkaufen die eher geringen Überschüsse. Das Gemüse reicht grad mal für die Familie, aber Milch, Honig und Kartoffeln werden auch ab Hof verkauft.

 

 

Jahrelange Erfahrung in der Verarbeitung der überschüssigen Milch sorgt für eine solide Erfahrung im Buttern und Käsen. Verwandte werden mitversorgt. Die ersten Käsekurse werden erst besucht – dann selbst angeboten. Nun soll eine kleine Käserei entstehen. Dann könnte der Käse auch verkauft werden. Eine kleine Kundschaft für Kartoffeln und Honig entwickelte sich zusammen mit dem Hof – das sind mittlerweile ein paar Dutzend Menschen, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen hierherkommen, den Hof genießen und Lebensmittel kaufen.

 

Daneben ist der Ort ein Lernort – hier können die Kleinen und Kleinsten Landwirtschaft hautnah erleben. Tiere pflegen, in der Erde wühlen, Bienen beobachten, Melken und Käse machen. Das Angebot reicht vom Lernort Bauernhof bis zu Geburtstagen und regelmäßigen Besuchen.