Öko-Modell-Regionen

Schlossbrauerei Stein

In der Region verwurzelte Braukunst

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Die Schlossbrauerei Stein ist das, was man landläufig als gesundes mittelständisches Unternehmen bezeichnen würde. Wie viele dieser Unternehmen, sind es die gewachsenen, stabilen Beziehungen und die gesunden Proportionen, die solche Unternehmen – allen vermeintlichen Trends zum Trotz – gut wirtschaften lassen.

 

Die Brauerei Stein ist ein Traditionsunternehmen. Schon 1489 wurde hier Bier gebraut. Die Mitarbeiter und insbesondere Braumeister Markus Milkreiter leben die Unternehmensphilosophie. Bayrische Stabilität, Verlässlichkeit, gute Beziehungen und anspruchsvolle Qualität, das sind die Merkmale.

 

Als die Ökomodellregion Waginger See anerkannt wurde, reagierte die Brauerei schnell und nahm Kontakt auf, damit war der Schritt zur gemeinsamen Sache nicht schwer. Die Brauerei, die konventionelles und seit über zehn Jahren auch biologisches Bier produziert, hatte schon immer ein Interesse an regionalen Strukturen und Beziehungen. Deshalb wurde schon vor einigen Jahren damit begonnen, die Gerste für das konventionelle Bier regional zu kaufen. „Das ist einfach, weil wir noch vergleichsweise viele Landwirte haben, die Gerste für uns anbauen können.“ Die Brauerei macht damit gute Erfahrungen. Es geht um die guten Beziehungen vor Ort und um die Sicherstellung der Qualität durch direkten Kontakt zu den Landwirten und Einblick in die Anbauverfahren. Der Antrieb dafür ist nicht im Marketing, sondern in der Einstellung der Geschäftsführung und des Braumeisters zum Thema Regionalität zu suchen.

 

Bei der ökologischen Braugerste schien die Beschaffung schwieriger. Wer ist hier in der Gegend Biobauer? Haben die Biobauern Interesse und würden Braugerste anbauen? Der Anbau von Biogerste ist aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht leicht. Das Risiko, dass Braugerste aufgrund schlechter Witterung nur kleine Körner reifen lässt und damit als Futtergerste endet, ist vorhanden. Dennoch ist es – mit tatkräftiger Unterstützung der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel – gelungen, dass sich ein Dutzend Biobauern aus der Region zusammengefunden haben. Sie produzieren nun im zweiten Jahr Braugerste für die Schlossbrauerei und der Großteil der Ernte weist tatsächlich eine sehr gute Brauqualität auf.

 

So mancher Kollege der Branche würden dieses Unterfangen – von Landwirten in der vor Ort gewachsenen Qualität die Gerste zu beziehen – nicht mit gleicher Begeisterung unterstützen. Denn: Es gibt bessere Bedingungen für Gerste als im Übergang von der Grünland- zur Ackerbauregion. Es verlangt Mut und vor allem brauhandwerkliches Können, mit der regionalen Gerste zurechtzukommen. Und es braucht Erfahrung im Brauen, damit ein Bier gelingt, das dem Vergleich mit anderen Regionen problemlos standhält. In dem Duo aus Geschäftsführung und Braumeister der Schlossbrauerei vereint sich beides: mutige, beherzte Entscheidungen und ambitionierte Braumeisterkunst. So schmeckt das BioBier der Brauerei Stein seit letztem Jahr besonders gut. Dieses Jahr wurde zum zweiten Mal geerntet. Nach wie vor wird die Geschäftsentscheidung zur Regionalität auf ganzer Linie nicht besonders erwähnt. Diese Erwähnung hat sie jedoch verdient, wie wir finden.