Öko-Modell-Regionen
Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg

Projekte / Öffentlichkeitsarbeit

Auftakt BioErleben auf dem Biohof Walz in Amberg

 

Die Stadt Amberg und der Landkreis Amberg-Sulzbach haben sich zum Ziel gesetzt  die Erzeugung und Vermarktung von Lebensmitteln aus der Region für die Region zu fördern. Im Rahmen der Öko-Modellregion geht es angesichts steigender Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln vor allem um die Förderung der ökologischen Lebensmittelerzeugung in der Region.

 

Zum Auftakt BioErleben der Öko-Modellregion (ÖMR) lud der Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach (LPV) Multiplikatoren aus Politik und Verwaltung mit Bio-Akteuren aus der Region zum Hofbesuch bei Familie Walz in Amberg-Schäflohe ein. Landrat Richard Reisinger, 1. Vorstand des LPV, und Brigitte Netta, 3. Bürgermeisterin der Stadt Amberg, begrüßten die 25 Teilnehmer. Netta erklärte erfreut, dass das Konzept der Öko-Modellregion hervorragend zum Konzept der Fairtrade-Stadt Amberg passe.

 

„Ein Ziel der ÖMR-Aktivitäten ist es Biobauern und Verbraucher zusammen zu bringen. Das soll im Rahmen einer Veranstaltungsreihe „BioErleben“ geschehen,“ so Barbara Ströll, Projektmanagerin der ÖMR.  Amberg selbst ist Standort für den Ökologischen Landbau: Insgesamt acht Bauern wirtschaften im Stadtgebiet nach Bio-Richtlinien. Der Milchhof Amberg ist vor Ort der größte Verarbeiter von regionalen Bio-Erzeugnissen. Zwei KiTa-Küchen kochen mit regionalen Produkten, möglichst in Bio-Qualität. Ein Amberger Brauer braut ausschließlich mit Bio-Malz und aus der Region. Einzelne Amberger Gastronomen arbeiten gelegentlich mit Bio-Lebensmitteln von hiesigen Bauern. Darüber hinaus gibt es einen Biobäcker und fünf Bioläden in Amberg. Im Hofladen von Familie Walz werden auch Produkte von anderen Biobauern aus Amberg-Sulzbach angeboten.

 

Andreas Walz stellte den Besuchern seinen vielseitigen Betrieb mit Mutterkuhhaltung, Brudergockel- und Schwesterneier-Erzeugung sowie Getreide- und Hülsenfruchtanbau vor.
Durch den Anbau alter Getreidesorten ist Walz überregional bekannt geworden. Beeindruckende 2,20 m hoch steht sie da, die in Kunstharz konservierte Pflanze des Landroggens, die Walz den staunenden Gästen präsentiert. Er schwärmt von Getreidebeständen, in denen der Bauer samt Hut verschwindet und von Kindern, die es genießen in ein Getreidefeld einzutauchen, um es mit allen Sinnen zu erleben. Landroggen, Kreuzritterweizen, Schwarzes Einkorn und Weißer Urdinkel wachsen mannshoch in Schäflohe. Aus diesen Sorten stellt die Familie u.a. Getreidereis her, ein Produkt, das von Gemeinschaftsverpflegern ebenso wie von Sterneköchen geschätzt wird.

 

Michaela & Andreas Walz vermarkten Ihre Produkte ausschließlich direkt an Verarbeiter, Einzelhandel und Verbraucher. Landrat Richard Reisinger erkundigte sich nach dem Konzept der „Solidarischen Landwirtschaft“, bei dem Verbraucher und Bauer eng zusammen arbeiten. „Prinzipiell geht es darum, dass die Bauern für Ihre Arbeit einen gerechten Lohn bekommen,“ so Walz. Das bedeutet z.B., dass die Verbraucher monatlich einen festen Betrag an den Betrieb zahlen. Sie bekommen dafür vom  Hof erzeugte Lebensmittelpakete. Darüber hinaus können interessierte Verbraucher auch auf dem Hof mitarbeiten, so, wie kürzlich bei Familie Walz, beim Aufbau des Weidezauns.

 

Während eines Hofrundganges konnten die Besucher die Rinderherde im Stall hautnah erleben und einen Blick in den Hofladen werfen. Bei einem kleinen Imbiss im Anschluss an den Rundgang kamen die Vertreter aus Kreistag und Amberger Stadtrat mit Verarbeitern und Bio-Akteuren ins Gespräch.
„Welche Voraussetzungen braucht es, damit z.B. in der Gemeinschaftsverpflegung mehr Bio-Lebensmittel aus unserer Region eingesetzt werden?“ so die einleitende Frage an Irmgard Schaller-Fromm, Küchenleiterin der Amberger Lebenshilfe. Sie hat mit ihrem Team erfolgreich am BioRegio2020-Coaching teilgenommen, das vom Bayerischen Staat gefördert wird. Ihre Küche kocht saisonal, regional und möglichst bio. „Um Bio-Lebensmittel aus der Region in den Speiseplan integrieren zu können, braucht man begeisterte Mitarbeiter, die wirklich kochen können.“ so Schaller-Fromm. Solche Mitarbeiter hat sie. Darüber hinaus wünscht sie sich mehr Spielraum bei der Finanzierung der Verpflegung.

 

Brigitte Netta engagiert sich als Leiterin zweier Kindertagesstätten für die Verarbeitung von frischen Lebensmitteln aus der Region für die KiTa-Verpflegung. Netta und Schaller-Fromm plädieren dafür, wieder mehr vor Ort zu kochen, statt fertiges Essen aus Großküchen über weite Strecken herzuschaffen. Denn nur, wenn tatsächlich vor Ort gekocht wird, sei eine Zusammenarbeit mit den regionalen Erzeugern überhaupt möglich. Kreisrat Michael Birner wies darauf hin, dass insbesondere bei der Verpflegung in Schulen darüber nachgedacht werden sollte, wie man allen Jugendlichen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern eine Versorgung mit gesunden Lebensmitteln aus der Region ermöglichen kann. Landrat Richard Reisinger regte an, Bio-Qualität aus der Region auf die öffentlichen Feste zu bringen. Dort seien die Menschen auf Genuss eingestellt und bereit gutes Geld für gute Qualität auszugeben.

 

Zum Netzwerk des Biohofes Walz gehören u.a. eine große Kantine im Raum Nürnberg sowie einzelne Gastronomen in Amberg und Landkreis. Während die Kantine hauptsächlich den Getreidereis des Bauern verarbeitet, interessiert sich die Gastronomie vor allem für Rindfleisch, Eier und Salat. Unter den Teilnehmern des BioErleben-Auftaktes waren auch Kristina Roth-Malz vom Hutzelhof und Christa Ottman vom Sulzbacher „Kornkistl“. Beide Betriebe engagieren sich für die Vermarktung von den Produkten hiesiger Biobauern.

 

Sicher ist: Die Biobauern brauchen ein Netzwerk aus Bäckern, Metzgern, Köche und Gastronomen,  die auch Bio-Produkte  aus der Region für die Region weiterverarbeiten und anbieten. Sie brauchen Händler, die regionale Produkte in ihr Sortiment aufnehmen und bewerben. Und sie sind angewiesen auf Verbraucher, die im Wirtshaus, im Bioladen, beim Bäcker und beim Metzger nach den Produkten aus der Region fragen.

 

Die Auftaktveranstaltung hat neue Kontakte in der Öko-Modellregion Amberg-Sulzbach/ Stadt Amberg entstehen lassen. Barbara Ströll dankte abschließend allen Teilnehmern für ihr Engagement. „Ich freue mich auf weitere Begegnungen und Gespräche im Rahmen von BioErleben der Öko-Modellregion Amberg-Sulzbach/ Stadt Amberg!“ so Ströll.

 

PI 170710 Bio kann Jeder

 

Presseinformation Auftakt BioErleben (PDF)

 

TV-Beitrag zur Auftaktveranstaltung

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