Öko-Modell-Regionen

Projekte / Biomilch

Bauern warten auf neue Abnahmeverträge – Hofbesuche des Forums Ökologie in der Ökomodellregion
Waging am See.

 

Eine Motivation für konventionell wirtschaftende Bauern, sich zumindest mit dem Thema biologischer Landbau zu befassen, und eine Information für die Verbraucher, dass die Produktion biologisch erzeugter Lebensmittel einen deutlichen Mehraufwand erfordert und daher die Preise dafür entsprechend höher sein müssen: Darum ging es unter anderem bei einer vom Forum Ökologie organisierten Begehung in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel unter Führung von Sylvester Dufter, Susanne Seidl und Martin Ober. Ziel waren zwei Bio-Höfe: der Milchviehbetrieb von Franz und Rosi Gröll in Unterstefling und der Weidefleischbetrieb von Heini und Alice Thaler in Hochreit, beide in der Marktgemeinde Waging am See gelegen.

 

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Mit 19 Kühen und 13,5 Hektar ist der Betrieb Gröll vergleichsweise klein und wird vom Inhaber als Vollerwerbsbetrieb bezeichnet, auch wenn es nebenbei weitere Einkommensquellen gibt. Seit acht Jahren wird hier biologisch gewirtschaftet, wobei die Umstellung keine großen Veränderungen mit sich gebracht habe, wie Gröll sagte, weil schon zuvor auf flächendeckenden chemischen Pflanzenschutz und mineralische Düngung verzichtet worden war. Nicht ganz unproblematisch sei es damals aber gewesen, eine Molkerei zu finden. An diese Aussage schloss sich eine rege Diskussion über die aktuelle Situation im Biomilchmarkt an. Wie Marlene Berger-Stöckl, die Managerin der Ökomodellregion, informierte, hätten seit 2016 nur wenige umstellungswillige Betriebe aus der Region einen Abnahmevertrag für Biomilch bekommen. Die zusätzlichen Biomilchmengen müssten erst wieder vom Handel im Markt untergebracht werden, war die Begründung. Doch lege der Biomilchmarkt weiterhin um einige Prozent jährlich zu. Betriebe, die schon längere Zeit auf einen Abnahmevertrag warteten, seien in dieser Situation verunsichert; dies habe die Bemühungen um einen Ausbau biologischer Erzeugung in der Region etwas zurückgeworfen. Allerdings zeichne sich laut Marlene Berger-Stöckl nun langsam eine Besserung der Situation ab, und es bestehe Hoffnung, dass Betriebe, die seit längerer Zeit warten, bald einen Abnahmevertrag bekommen.

 

Umstellungswillige Betriebe sollten berücksichtigen, dass für 2019/2020 eine Besserung im Biomilchmarkt erwartet wird, so dass zu einer Umstellung mit zwei Jahren Vorlaufzeit bei passenden betrieblichen Voraussetzungen wieder geraten werden könne. Die Kühe auf dem Kroißn-Hof bekommen keinen Mais, sondern vor allem Gras – sie sind den größten Teil des Jahres auf der Weide – und Heu, sowie ein wenig Zuckerschnitzel, Futtergetreidemischung und Körnermais, dazu im Winter oder wenn die Wiesen zu feucht zum Austreiben sind, Grassilage. Ein kleiner Teil der Milch geht – das ist noch eine Besonderheit auf diesem Hof – in die Käseproduktion: Drei Sorten Bioweichkäse werden daraus im Käsereibetrieb von Maria Frisch in Töfenreut, Gemeinde Wonneberg, hergestellt und ab Hof sowie in ausgewählten Läden verkauft, zum Beispiel in der Bäckerei in Otting. Von dem guten Geschmack dieser Käsesorten konnten sich die Besucher nach dem Rundgang am Hof überzeugen.

 

Betriebsleiter Franz Gröll stellte zu der ganzen Bio-Problematik abschließend nüchtern fest:„Der Kunde hat es in der Hand.“ Wenn mehr Bioprodukte gekauft werden, werden sich Molkereien und damit weitere Bauern entsprechend um orientieren. Von Mutter-Kuh-Haltung zur Ochsenmast Die zweite Station war der Pimperl-Hof von Heinrich und Alice Thaler in Hochreit. Hier handelt es sich um einen Nebenerwerbsbetrieb, der seit 1989 biologisch wirtschaftet wird. Damals waren die Thalers Biopioniere – was einen Hof in der damaligen Zeit eher zu einem Außenseiter werden ließ, wie Heinrich Thaler im Rückblick schilderte. Lange Zeit wurde auf dem 22-Hektar-Betrieb Mutter-Kuh-Haltung betrieben, inzwischen werden Kälber eingekauft und gemästet.
Alice Thaler verdeutlichte gerade an diesem Beispiel die Preisunterschiede zwischen konventionell und biologisch wirtschaftenden Mastbetrieben. Bei biologischen Betrieben werden die Kälber drei Monate lang ausschließlich mit Biovollmilch gefüttert und dürfen danach auf dem Pimperl-Hof rund zweieinhalb Jahre lang rund zehn Monate im Jahr auf der Weide zubringen. Die Mast in intensiv geführten konventionellen Betrieben sieht dagegen so aus, dass die Kälber einige Wochen mit Milchpulver aufgezogen werden und dann mit viel Kraftfutter und Maiseinsatz in kurzer Zeit auf ihr Maximalgewicht gemästet werden – wobei sie meistens in ihren Boxen dicht an dicht stehen; denn die hohe Stückzahl verhindere einen Austrieb auf die Weide. Nur wenn der viel höhere Aufwand für Bioweidefleisch vom Kunden als Mehrpreis akzeptiert werde, so dass Landwirte mit diesem Betriebszweig ein Einkommen erwirtschaften, werde es künftig auch mehr Bioweidemast geben. Die Familie Thaler hat auf ihren Weiden drei Sorten Kühe: Pinzgauer, Fleckvieh und seit heuer versuchsweise Weißblaue Belgier. Das Fleisch der Ochsen geht an den Oberwirt in Otting, den die Töchter der Familie betreiben, an Chiemgauer Naturfleisch und an den Metzgereibetrieb Heilmaier in Waging. Dabei sei es, wie Heinrich Thaler erläuterte, ziemlich schwierig, gerade bei der Pinzgauer-Rasse ausreichend Kälber zur Mast zu bekommen, weil es nur wenig Betriebe gibt, die diese Rasse züchten. Zum Einkauf müsse man deshalb meist nach Österreich fahren.

 

Appell: Statt Betriebsaufgabe Flächen extensiv bewirtschaften Die Thalers folgen mit ihrem Betrieb, so arbeitsintensiv dieser neben der Vollzeitarbeit von Heinrich Thaler als Leiter der Gemeindewerke Waging auch sein mag, ihrer Philosophie, die dahin geht, dass sie die Landwirtschaft erhalten und weiterführen wollen – auch wenn sie wohl mit der Verpachtung der Flächen ohne Arbeitsaufwand fast genausoviel Einnahmen hätten. Heinrich Thaler: „Es ist schön, wenn man seine Flächen noch selbst bewirtschaftet und den Duft von frisch gemähtem Gras schmeckt. Das wollen wir erhalten, und das gefällt uns.“ Sein Wunsch wäre es, dass Berufskollegen, die die Milchwirtschaft aufgeben wollen, trotzdem bei der Landwirtschaft bleiben. Ökomodellregions-Managerin Marlene Berger-Stöckl unterstrich dies: Anstatt dass kleinere Bauern ihren Grund an intensiv wirtschaftende Betriebe verpachten, wäre es wünschenswert, dass sie sich eine extensive Betriebsform suchen, die ihnen ein Grundeinkommen bei vertretbarem Arbeitsaufwand sichert, damit es auch weiterhin möglichst viele bäuerliche Familien gibt. Denn sonst, so ergänzte Thaler, würde nicht selten jeder Graben zugefüllt und jede Hecke beseitigt, Heuflächen, die Deckung für Wildtiere wie Rehe bieten, gerieten zur Seltenheit.
Neben der Ochsenmast verkaufen die Thalers auch Heu aus dem ersten Schnitt an Pferdebetriebe: „Das Gras wird dabei etwas später gemäht, und das Heu ist von wirklich guter Qualität.“ Ihre Tiere werden im Winter nur mit Heu und Silo gefüttert. Der Festmist, der in der kalten Jahreszeit im Stall entsteht, sei ein hervorragender Dünger, der zudem weniger leicht abgeschwemmt werde.
600 Obstbäume auf Streuobstwiesen gepflanzt. Auf dem Weg zurück nach Otting wurde noch eine kleine Streuobstwiese besichtigt, die 2015 auf dem Pfarrgrund neu angelegt worden ist. Dabei berichtete Marlene Berger-Stöckl, dass in der Ökomodellregion mit der jetzt anstehenden Herbstpflanzung bereits 600 Obstbäume gepflanzt wurden; das Ziel seien aber 1500. Von daher würden weitere Grundbesitzer gesucht, die sich an dem Projekt beteiligen wollen. Dabei schlug Heinrich Thaler vor, dass die Pflanzung von Obstbäumen durchaus
auch über die Anlage von gemeindlichen Ausgleichsflächen gefördert werden könnte.
Beim abschließenden gemeinsamen Abendessen beim „Oberwirt“ in Otting wurde das heimische Biorindfleisch verköstigt. Ein Kurzvortrag mit Bildern über die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel und deren Projekte rundete den Abend ab. Dabei stellte Marlene Berger-Stöckl nochmals das Ziel heraus: biologischen Landbau voranzutreiben, zum einen weil Bedarf an den Produkten bestehe, zum zweiten weil über eine hohe Produktqualität das Einkommen bäuerlicher Betriebe gestärkt werde, und nicht zuletzt auch deshalb, um einen Beitrag für weniger Phosphat im Waginger See zu leisten. Die Vertreter des Forums Ökologie, die die Exkursion in ihr Programm aufgenommen hatten, waren sich einig, dass es künftig sinnvoll sei, noch mehr Verbraucher durch solche Angebote über eine umweltgerechte Landwirtschaft und die Erzeugung hochwertiger Regionalprodukte zu informieren.

 

Milchviehbetrieb Rosi& Franz Gröll - Franz und Rosi Gröll (6./7. von links) lassen aus einem kleinen Teil der Milch Bioweichkäse von der Käserei Frisch in Wonneberg herstellen. Es gibt ihn ab Hof und beim Bäcker in Otting. Foto: Hans EderDSC03377

 


 

 

Netzwerkbildung am “Umsteller-Stammtisch”

Zum ersten Mal hatte die Projektleitung der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel zum verbandsübergreifenden „Umsteller-Stammtisch“ in den Riedlerwirt z´Petting eingeladen. Rund 30 Teilnehmer, die Interesse an der Umstellung ihres landwirtschaftlichen Betriebes von konventioneller auf eine biologische Bewirtschaftungsweise zeigen, sich aktuell in der Umstellungsphase befinden oder vor kurzem umgestellt haben, trafen sich zum offenen Informations- und Erfahrungsaustausch.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

22.04.2017: Netzwerkbildung am Umstellerstammtisch, aus: Südostbayerische Rundschau, Dorothee Englschallinger (PDF)

 

Netzwerkbildung Umstellerstammtisch - Foto: Dorothee Englschallinger

 


 

Käse ist nicht gleich Käse – Ökomodellregion lädt zu Käseseminar mit Verkostung ein

Verschiedene Landwirte aus der Region bieten aktuell gemeinsam mit ausgewählten biozertifizierten Käsereien ein vielfältiges Käsesortiment an. Zu einem Käseseminar mit Verkostung lud dazu am Donnerstag die Ökomodellregion Waginger See/Rupertiwinkel ins Gasthaus Unterwirt in Fridolfing ein.

 

Den gesamten Artikel können Sie hier herunterladen:

02.11.2016: Käse ist nicht gleich Käse, aus: Südostbayerische Rundschau, Ramona Oswald (PDF)

 

Käseverkostung Käseverkostung Käseverkostung Käseverkostung Käseverkostung Käseverkostung

 


 

Betriebsportraits

Die Milchkrise verdeutlicht: Mehr Produktion ist nicht die Lösung. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner sieht in kreativen bäuerlichen Betrieben das Zukunftsmodell. So einen betreibt Sebastian Lackner. Auf seinem Hof in Tittmoning trifft neueste Technik auf Althergebrachtes.

 

Lesen Sie den ganzen Artikel:

24.09.2016: Premium statt Masse, aus: Bayernkurier, Anja Schuchardt (PDF)

24.09.2016: Beitrag über Sebastian Lackner, Umstellerbetrieb aus Tittmoning/Asten (Link zu YouTube)

 

Weitere Betriebsportraits:

01.09.2016: Hofportrait Bioziegenbetrieb Monika Obermaier, aus: Südostbayerische Rundschau, Lisa Plank (PDF)

11.08.2016: Querfeldein, Betriebsportait Hans Praxenthaler, aus: Südostbayerische Rundschau (PDF)

Hans Praxenthaler

Andreas Remmelberger

Hans Glück

 


 

Bio-Käse

Nach den vier Sorten von der mobilen Käserei Scholz sind nun zwei neue Bio-Weichkäse von der Käserei Frisch in Töfenreut ins Sortiment der Käse aus der Ökomodellregion aufgenommen worden. Die Familie Gröll in Unterstefling, die ihren Betrieb seit 2010 nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet, lässt bei Maria Frisch einen ganz besonderen Weichkäse produzieren. Er wird mit zwei Kräutermischungen verfeinert und in Sonnenblumenöl der Familie Kraller eingelegt. Alle Zutaten sind in Bio-Qualität und wenn möglich aus regionaler Herkunft. Die eingelegten Weichkäse passen besonders gut aufs Brot oder zu frischem Salat, lassen sich aber auch pur herrlich genießen. Bei Maria Frisch ist alles noch liebevolle Handarbeit und das schmeckt man auch! Franz Gröll ist sehr zufrieden mit seinem Käse, dessen Vertrieb gerade erst anläuft. Auf dem Waginger Herbstmarkt fand der eingelegte Weichkäse reißenden Absatz, gemeinsam mit den Schnitt- und Hartkäsesorten der mobilen Käserei Scholz und dem Flaschlbrot von Jessica Linner.

 

Faltblatt Biokäse aus der Ökomodellregion

 


 

Klein aber fein: Milchviehlaufställe wurden besichtigt

Bei einer gemeinsamen Stallbaulehrfahrt der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel und des Fachzentrums Rinderhaltung am Amt für Landwirtschaft und Ernährung (AELF) Traunstein wurden sehenswerte Umbaulösungen dreier Biobetriebe im Raum Inzell – Ruhpolding von der Anbindehaltung in einen Laufstall gezeigt.

 

Den kompletten Bericht können Sie hier herunterladen:

13.04.2016: Bericht zur Stallbauexkursion (PDF)

 

Stallbauexkursion am 9.4. nach Inzell und Ruhpolding - Biobetrieb Richard Senoner, Froschsee Stallbauexkursion am 9.4. nach Inzell und Ruhpolding - Biobetrieb Richard Senoner, Froschsee Stallbauexkursion am 9.4. nach Inzell und Ruhpolding - eingestreute Liegeboxen, Biobetrieb Richard Senoner, Froschsee Stallbauexkursion am 9.4. nach Inzell und Ruhpolding - Biobetrieb Georg Kamml, mit Bundwerk

 


 

Presse

17.03.2016: Ökolandbau wird beliebter, aus: Traunsteiner Tagblatt (PDF)

24.08.2015: Almkäse auf Pellworm

02.07.2015: Biokäse aus der Öko-Modellregion (PDF)

24.03.2015: Umstellung nach Maß – Michaela Aicher, Traunsteiner Tagblatt (PDF)

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