Öko-Modell-Regionen

Projekte / Biomilch

Berliner Gesellschaft neuer Abnehmer für Biomilch

Petting/Lks. Traunstein Das 2012 definierte Ziel was ambitioniert: 20% aller bayrischen Landwirte sollten bis 2020 ökologisch wirtschaften. Das war die Idee hinter dem Projekt “Bioregio” von Staatsminister Helmut Brunner. Inzwischen liegt die Zeilmarke nur mehr bei einer Verdopplung des Niveaus von 2013, was im Ergebnis zwölf Prozent Biobetriebe bedeuten würde. Eine der Hürden auf diesem Weg war Thema beim Umstellerstammtisch in Petting: fehlende Verarbeiter für Biomilch.

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Nun hat die Milcherzeugergemeinschaft Traunstein zusammen mit der MEG Rosenheim einen neuen Abnehmer aufgetan: die Berliner Milcheinfurhgesellschaft (B.M.G) “Ein Betrieb wird dann umstellen, wenn er einen Abnehmer hat”, weiß Paul Obermeier. Als Vorsitzender der MEG Traunstein war er auf der Suche nach Abnehmern für Biomilch, deren Preis bislang – anders als für konventionell produzierte – auf höherem Niveau relativ stabil blieb.

 

Im Januar 2016 stoppte die Molkerei Berchtesgadener Land in Piding vorerst die Aufnahme weiterer Anlieferer. Ab Februar unterzeichnete die Molkerei Scheitz in Andechs keien neuen Verträge mehr, weil Umstellerbetriebe neu hinzugekommen waren, aber auch weil bisherige Mitgliedsbetriebe aufgrund der großen Nachfrage in den vergangenen Jahren mehr Biomilch erzeugten.

 

“Auf der Nachfrageseite schaut es bis jetzt gut aus, der Biomilchmarkt wächst”, berichtete Marlene Berger-Stöckl den zahlreich erschienenen Bauern. Die Nachfrage haben binnen eines Jahres um elf Prozent angezogen. Die Geschäftsleiterin der Ökomodellregion (ÖMR) Waginger See-Rupertiwinkel weiß, dass sowohl Fläche als auch Bioproduktion im Nachbarland Österreich etwa auf doppeltem Niveau liegen. “Es ist also Luft nach oben”, so Berger-Stöckl, die hofft, Angebot und Nachfrage hierzulande mögen sich nach österreichischem Vorbild steigern.

 

Dazu brauch es Perspektiven für die Milcherzeuger. Bei der Waginger Bergader-Molkerei beispielsweise liege allerdings “Bio derzeit auf Eis”, so Obermeier, der sich daher für die heimischen Betriebe freut über den Vertrag mit der Berliner Gesellschaft. Die betreibt keine Molkerei, sondern ist eine reine Handelsgesellschaft. Deren Volumen liegt bei über 1 Mrd. kg/Jahr. Laut Obermeier wird der bayerische Durchschnittspreis für Biomilch in Höhe von knapp 50 ct bezahlt, die Sammlung erfolgt zweitägig.

 

Wermutstropfen sind für den Vorsitzenden die.  derzeit lagen Transportwege, die nicht im Sinne eines Bioerzeugers sein könnten. Zudem gibt es Abzüge von 4 ct/kg, wenn die Fracht weiter als 280km gefahren wird, und 6 ct, falls sie mehr als 680 km unterwegs ist. “Wir haben momentan keine andere Möglichkeit”, betont Obermimeier, der einerseits zuversichtlich ist, dass sich die Transportwege bald verkürzen mögen, und andererseits hofft, dass mit diesem Vertrag wieder “Bewegung reinkommt” in den heimischen Biomilchmarkt. Seit Januar besteht nun die Möglichkeit für Chiemgauer und Rupertiwinkler Betriebe mit gültigem Bio-Verbands-Zertifikat sich anzuschließen.

 

Für die konventionell erzeugte Milch erwartet Obermeier im Jahr 2018 wieder rückläufige Preise. Wobei die Landwirte aber durchaus eine Gegensteuererungsmöglichkeit in der Hand hätten: “Würde jeder nur ein paar Prozent weniger Milch produzieren, der zu erzielende Preis wäre deutlich höher.”

 

von Hannes Höfer erschienen am 09.02.18 im Bayrischen landwirtschaftlichen Wochenblatt

 


 

„Der Hof ist ein Organismus“ 
Demeter-Bauer als zukunftsfähiger Weg – Alois Fersch bei der Ökomodellregion
Hannes Höfer, erschienen in der SOR vom 28.12.2018

 

Chiemgau / Rupertiwinkel. Wenn ein jeder Milchbauer nur ein „bissl“ weniger Milch produzieren würde, der Preis bliebe stabil. Davon ist Demeter-Berater Alois Fersch überzeugt. Relativ stabil hingegen ist der Preis bei Biomilch. Deren erfasste Menge war 2016 in Bayern um 15 Prozent gestiegen, der Verkauf an Biomilch hatte um 11 Prozent zugelegt.

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Einen Weg für Biobauern und umstellungswillige Betriebsleiter bieten der Demeter Erzeugerring und die Demeter Milchbauerngemeinschaft. Fersch stellte den interessierten Bauern im Pettinger Gasthaus Riedlerwirt das „System“ Demeter vor. Eingeladen zu der Veranstaltung hatte die Ökomodellregion (ÖMR) Waginger See / Rupertiwinkel.

 

„Biodynamisch seit 1924“, wirbt Demeter selbst für seinen Weg. Angesichts ausgelaugter Böden habe Rudolf Steiner damals „weiter gedacht“, schilderte Fersch die Anfänge und den Weg hin zu einem Landwirtschaftsverständnis, das „den Betrieb als Ganzes“ sieht, den „Hof als Organismus“ betrachtet. Demeter ist in. 35 Ländern mit 5000 Betrieben aktiv, in Deutschland sind es rund 2000, in Bayern 420. „Ein Drittel davon in Südostbayern“, hob Fersch die starke Präsenz in der Region hervor. Den Anfang gemacht hatte Ende 1973 eine Genossenschaftsmolkerei in Truchtlaching, die später von den Milchwerken Berchtesgadener Land übernommen wurde.

 

„Demeter ist kein Hexenwerk, es ist etwas ganz Normales, das kann jeder Landwirt“, versuchte der Berater Skepsis zu zerstreuen; gleichwohl gebe es einen „Strauß an Aspekten“ zu beachten. So muss ein Rind mindesten vier Quadratmeter Platz zur Verfügung haben, im Auslauf sechs. Der Weidegang erstreckt sich von Mai bis Oktober, im Winter stehen neben der Silage jedem Tier mindestens drei Kilogramm Heu pro Tag zu. Ein wichtiger Aspekt aus Demeter-Sicht ist das Horn. Das Stroh für die Einstreu muss nicht Bio sein, darf aber nicht mit Halmverkürzern oder Roundup behandelt sein.

 

„Am Anfang einer Umstellung steht ein Kontrollvertrag mit einer Kontrollstelle“, erklärte Fersch, klassischerweise geschehe das zum Jahresanfang. Dann gelte es, die Richtlinien zu befolgen. Als „pauschale Umstellungszeit“ nannte er zwei Jahre. Am Ende stehe das Zertifikat des Verbandes und der EU. Sogenannte „Hofgespräche“ dienten dem internen Austausch. Neben einer Erstkontrolle gebe es einmal jährlich eine Hauptinspektion, bei 20 Prozent der Betriebe unangekündigte Stichproben.

 

„Wer diesen Schritt macht, will wissen, wo die Milch hingeht“, so Fersch. 82 Demeter-Betriebe lieferten derzeit an die Molkerei in Piding, die laut Fersch momentan keine zusätzliche Biomilch mehr annimmt – außer Demeter. Elf Millionen Liter seien das jährlich. Die Molkerei in Andechs nehme acht Millionen Liter ab, habe aktuell jedoch einen Aufnahmestopp. Demeter homogenisiert keine Milch und erhitzt sie auch nicht ultrahoch. Fersch sieht in solcher Behandlung eine mögliche Ursache für die zunehmenden Unverträglichkeiten.

 

„Ich mag am Liter Milch was verdienen“, machte Hans Praxenthaler, Sprecher der Arbeitsgruppe Biomilch, deutlich. Der Bauer aus Fridolfing hatte im Jahr 2000 umgestellt und sich dem Naturland-Verband angeschlossen. „Damals war ich ein Exot“, wie er sich selber beschrieb, aber einer mit „Biogefühl“. Heute erwirtschafte er aus seinem kleinen Betrieb mit 20 Kühen rund Dreiviertel seines Einkommens, wo anderen hundert Kühe nicht reichten. „Ich lasse mich nicht mehr treiben“, machte Praxenthaler deutlich. Viele seiner Kollegen seien zu unflexibel, meint er, als Bauer und freier Unternehmer könne man jederzeit auf Nischen setzen, auf Getreide, Ackerbau, Senf und vieles mehr.

 

Zwölf „Troad-Bauern“ in der Ökomodellregion bauen inzwischen Braugerste an, berichtete Marlene Berger-Stöckl, zum Beispiel für die „Waginger-See-Hoibe“. Eine mobile Käserei verarbeitet Milch von zehn Betrieben, auch zwei Geißenbetriebe stellen Biokäse unter dem Dach „Waginger See Kaas“ her. Eine Ölmühle habe bereits Interesse an Bioprodukten signalisiert. „Den Blick erweitern und einen Markt aufbauen“, riet die Geschäftsleiterin der ÖMR, denn das biete Chancen in alle Richtungen.

 

Marlene Berger-Stöckl fragte Alois Fersch, ob man als Demeter-Bauer anthroposophisch eingestellt sein müsse. „Die Kinder müssen nicht in die Waldorf-Schule gehen“, erwiderte der schmunzelnd, aber man sollte schon erkennen: „Es hängt ois mitnanda zamm.“ Unabhängig vom Verband, meint Praxenthaler: „Bio hat Zukunft.“ – höf

 

 

Alois Fersch: „Demeter kann jeder“, ermunterte Demeter-Milchviehberater Alois Fersch in Petting die umstellungsinteressierten Landwirte. Bild: Hannes HöferHans Praxenthaler

 


 

Neue Perspektiven für Biomilch-Erzeuger
Milcherzeugergemeinschaft Traunstein hat neuen Abnehmer – Chance für Umsteller-Betriebe
Von Hannes Höfer, Traunsteiner Tagblatt vom 28.12.2017
Landkreis Traunstein / Rupertiwinkel. Der Preis für konventionelle Milch war in den letzten Jahren ins Bodenlose gefallen. Auf deutlich höherem Niveau und relativ stabil zeigte sich dagegen der Preis für Bio-Milch, weshalb viele Bauern umgestellt haben oder umstellen wollten.

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 Das Problem: Etliche Betriebe fanden keinen Abnehmer für ihre Bio-Milch. Nun ist der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Traunstein ein Vertrag gelungen, der Öko-Bauern ohne Abnahmevertrag Hoffnung gibt. Die Berliner Milchhandels-Gesellschaft kauft ab 1. Januar Bio-Milch von zertifizierten Bauern der Region. MEG-Vorsitzender Paul Obermeier berichtete auf Einladung der Ökomodellregion zum Umstellerstammtisch für Milchviehbetriebe im Pettinger Riedlerwirt über die neuen Chancen für seine Landwirtskollegen.
Die MEG-Traunstein ist die älteste Erzeugergemeinschaft in Bayern. 1972 gegründet, erreichte sie zwischenzeitlich einen Mitgliederstand von 3000 Landwirten. Aufgrund des rasanten Strukturwandels der letzten Jahrzehnte sind es derzeit nur noch 870 Betriebe. Das Interesse der Landwirte an einer Umstellung stieg nicht zuletzt wegen des deutlich höheren und stabileren Preises, der für Bio-Milch zu erzielen war und ist. Im Januar 2016 stoppte die Molkerei Berchtesgadener Land in Piding vorerst die Aufnahme weiterer Anlieferer.

 

Ab Februar unterzeichnete die Molkerei Scheitz in Andechs keine neuen Abnehmer-Verträge mehr, weil viele Umstellerbetriebe neu dazugekommen waren, aber auch, weil bisherige Mitgliedsbetriebe aufgrund der großen Nachfrage nach Biomilch in den Jahren davor inzwischen mehr Biomilch erzeugten.
„Auf der Nachfrageseite schaut es bis jetzt gut aus, da der Biomilchmarkt weiterhin jährlich um einige Prozent wächst“ – und zuletzt binnen eines Jahres um elf Prozent angezogen habe, wie Marlene Berger-Stöckl den zahlreich erschienenen Bauern berichtete. Die Geschäftsleiterin der Ökomodellregion (ÖMR) Waginger See / Rupertiwinkel weiß, dass sowohl Fläche als auch Bioproduktion im Nachbarland Österreich etwa auf doppeltem Niveau liegen. „Bei uns ist Luft nach oben“, so Berger-Stöckl, wenn es gelinge, auch den Absatz von Bioprodukten im Inland nach österreichischem Vorbild zu steigern.

 

Dazu aber braucht es Perspektiven für die Bauern. Bei der Waginger Bergader-Molkerei liege „Bio derzeit auf Eis“, so Obermeier. Chancen für die heimischen Betriebe sieht er daher in dem Vertrag mit den Berlinern. „Keine Molkerei, sondern eine reine Handelsgesellschaft“, erklärte er, deren Volumen liege bei über einer Milliarde Liter pro Jahr. Bezahlt werde der bayerische Durchschnittspreis für Biomilch in Höhe von 49,5 Cent, die Sammlung erfolge zweitägig. Alle nötigen Details würden entsprechend vertraglich geregelt.
„Das große Problem“ erkennt Obermeier in der Frage: „Wo geht die Milch hin?“. Denn Transporte über weite Strecken lägen nicht im Sinne von Bio-Erzeugern. Zudem gebe es Preisabschläge für lange Transportwege. Gleichwohl sieht der MEG-Vorsitzende derzeit keine andere Möglichkeit, „Bewegung reinzubringen“, und er ist zuversichtlich, dass sich in wenigen Jahren kürzere Fahrten ergeben. Der Start am 1. Januar 2018 erfolgt vom Chiemsee bis ins Gebiet der Ökomodellregion, hier zunächst mit Betrieben in Petting, Teisendorf oder Saaldorf-Surheim. „Betriebe mit einem gültigen Bio-Verbands-Zertifikat können sich anschließen“, informierte Berger-Stöckl. Man dürfe nicht vergessen, dass auch das Einzugs-, Verarbeitungs- und Verkaufsgebiet hiesiger Molkereien inzwischen groß und z.T. auch international sei.
Obermeier ist überzeugt, dass sich der Preis für konventionell erzeugte Milch leider schon 2018 tendenziell wieder nach unten bewegen werde. Allerdings hätten die Bauern das durchaus in der Hand, denn würde ein jeder Milchbauer nur ein paar Prozent weniger erzeugen, der Preis würde deutlich steigen. Wie es denn mit der Frage der Anbindehaltung stehe, wollte ein Besucher wissen. „Von den 32 000 Bauern in Bayern arbeiten 16 000 mit Anbindehaltung“, nannte Obermeier die Zahlen, „nicht in jedem Betrieb ist ein Freilaufstall möglich.“ Im Ökobetrieb sei Anbindehaltung im Winter stets mit einem Freiluft-Auslauf an mindestens zwei Tagen pro Woche und mit Weidegang im Sommer kombiniert, ergänzte Berger-Stöckl, damit sei eine insgesamt tierfreundliche Kombihaltung statt reiner Anbindehaltung gegeben. Es sei wichtig, auch vielen kleinen Betrieben einen zukunftsfähigen Weg aufzuzeigen, anstatt den Strukturwandel radikal zu beschleunigen.
Die Entwicklung gehe mittelfristig hin zu mehr Tierwohl, so Obermeier, es müsse aber dabei nach gangbaren Wegen für möglichst alle Betriebe gesucht werden. Leider sei nicht in allen Betrieben z.B. ein Winterauslauf baulich möglich, denn manche Betriebe liegen baulich sehr beengt.
Durch die Zusammenarbeit mit der BMG werde sich die MEG künftig eine eigene Bioschiene aufbauen, so Obermeier, und es sei erfreulich, dass Lieferanten des Biomilcherfassers BMG auch weiterhin Mitglied in der Milcherzeugergemeinschaft bleiben könnten. Ab sofort stehe die neue Abnahmemöglichkeit weiteren Biobetrieben offen, sofern die Liefertour passend gestaltet werden könne. Interessierte Betriebe können sich gern bei ihm, bei der MEG Traunstein oder bei der MEG Rosenheim melden.

Weideaustrieb Bild: Ökomodellregion

 

 


 

Bauern warten auf neue Abnahmeverträge – Hofbesuche des Forums Ökologie in der Ökomodellregion Waging am See.

 

Eine Motivation für konventionell wirtschaftende Bauern, sich zumindest mit dem Thema biologischer Landbau zu befassen, und eine Information für die Verbraucher, dass die Produktion biologisch erzeugter Lebensmittel einen deutlichen Mehraufwand erfordert und daher die Preise dafür entsprechend höher sein müssen: Darum ging es unter anderem bei einer vom Forum Ökologie organisierten Begehung in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel unter Führung von Sylvester Dufter, Susanne Seidl und Martin Ober. Ziel waren zwei Bio-Höfe: der Milchviehbetrieb von Franz und Rosi Gröll in Unterstefling und der Weidefleischbetrieb von Heini und Alice Thaler in Hochreit, beide in der Marktgemeinde Waging am See gelegen.

 

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Mit 19 Kühen und 13,5 Hektar ist der Betrieb Gröll vergleichsweise klein und wird vom Inhaber als Vollerwerbsbetrieb bezeichnet, auch wenn es nebenbei weitere Einkommensquellen gibt. Seit acht Jahren wird hier biologisch gewirtschaftet, wobei die Umstellung keine großen Veränderungen mit sich gebracht habe, wie Gröll sagte, weil schon zuvor auf flächendeckenden chemischen Pflanzenschutz und mineralische Düngung verzichtet worden war. Nicht ganz unproblematisch sei es damals aber gewesen, eine Molkerei zu finden. An diese Aussage schloss sich eine rege Diskussion über die aktuelle Situation im Biomilchmarkt an. Wie Marlene Berger-Stöckl, die Managerin der Ökomodellregion, informierte, hätten seit 2016 nur wenige umstellungswillige Betriebe aus der Region einen Abnahmevertrag für Biomilch bekommen. Die zusätzlichen Biomilchmengen müssten erst wieder vom Handel im Markt untergebracht werden, war die Begründung. Doch lege der Biomilchmarkt weiterhin um einige Prozent jährlich zu. Betriebe, die schon längere Zeit auf einen Abnahmevertrag warteten, seien in dieser Situation verunsichert; dies habe die Bemühungen um einen Ausbau biologischer Erzeugung in der Region etwas zurückgeworfen. Allerdings zeichne sich laut Marlene Berger-Stöckl nun langsam eine Besserung der Situation ab, und es bestehe Hoffnung, dass Betriebe, die seit längerer Zeit warten, bald einen Abnahmevertrag bekommen.

 

Umstellungswillige Betriebe sollten berücksichtigen, dass für 2019/2020 eine Besserung im Biomilchmarkt erwartet wird, so dass zu einer Umstellung mit zwei Jahren Vorlaufzeit bei passenden betrieblichen Voraussetzungen wieder geraten werden könne. Die Kühe auf dem Kroißn-Hof bekommen keinen Mais, sondern vor allem Gras – sie sind den größten Teil des Jahres auf der Weide – und Heu, sowie ein wenig Zuckerschnitzel, Futtergetreidemischung und Körnermais, dazu im Winter oder wenn die Wiesen zu feucht zum Austreiben sind, Grassilage. Ein kleiner Teil der Milch geht – das ist noch eine Besonderheit auf diesem Hof – in die Käseproduktion: Drei Sorten Bioweichkäse werden daraus im Käsereibetrieb von Maria Frisch in Töfenreut, Gemeinde Wonneberg, hergestellt und ab Hof sowie in ausgewählten Läden verkauft, zum Beispiel in der Bäckerei in Otting. Von dem guten Geschmack dieser Käsesorten konnten sich die Besucher nach dem Rundgang am Hof überzeugen.

 

Betriebsleiter Franz Gröll stellte zu der ganzen Bio-Problematik abschließend nüchtern fest:„Der Kunde hat es in der Hand.“ Wenn mehr Bioprodukte gekauft werden, werden sich Molkereien und damit weitere Bauern entsprechend um orientieren. Von Mutter-Kuh-Haltung zur Ochsenmast Die zweite Station war der Pimperl-Hof von Heinrich und Alice Thaler in Hochreit. Hier handelt es sich um einen Nebenerwerbsbetrieb, der seit 1989 biologisch wirtschaftet wird. Damals waren die Thalers Biopioniere – was einen Hof in der damaligen Zeit eher zu einem Außenseiter werden ließ, wie Heinrich Thaler im Rückblick schilderte. Lange Zeit wurde auf dem 22-Hektar-Betrieb Mutter-Kuh-Haltung betrieben, inzwischen werden Kälber eingekauft und gemästet.
Alice Thaler verdeutlichte gerade an diesem Beispiel die Preisunterschiede zwischen konventionell und biologisch wirtschaftenden Mastbetrieben. Bei biologischen Betrieben werden die Kälber drei Monate lang ausschließlich mit Biovollmilch gefüttert und dürfen danach auf dem Pimperl-Hof rund zweieinhalb Jahre lang rund zehn Monate im Jahr auf der Weide zubringen. Die Mast in intensiv geführten konventionellen Betrieben sieht dagegen so aus, dass die Kälber einige Wochen mit Milchpulver aufgezogen werden und dann mit viel Kraftfutter und Maiseinsatz in kurzer Zeit auf ihr Maximalgewicht gemästet werden – wobei sie meistens in ihren Boxen dicht an dicht stehen; denn die hohe Stückzahl verhindere einen Austrieb auf die Weide.

 

Nur wenn der viel höhere Aufwand für Bioweidefleisch vom Kunden als Mehrpreis akzeptiert werde, so dass Landwirte mit diesem Betriebszweig ein Einkommen erwirtschaften, werde es künftig auch mehr Bioweidemast geben. Die Familie Thaler hat auf ihren Weiden drei Sorten Kühe: Pinzgauer, Fleckvieh und seit heuer versuchsweise Weißblaue Belgier. Das Fleisch der Ochsen geht an den Oberwirt in Otting, den die Töchter der Familie betreiben, an Chiemgauer Naturfleisch und an den Metzgereibetrieb Heilmaier in Waging. Dabei sei es, wie Heinrich Thaler erläuterte, ziemlich schwierig, gerade bei der Pinzgauer-Rasse ausreichend Kälber zur Mast zu bekommen, weil es nur wenig Betriebe gibt, die diese Rasse züchten. Zum Einkauf müsse man deshalb meist nach Österreich fahren.

 

Appell: Statt Betriebsaufgabe Flächen extensiv bewirtschaften Die Thalers folgen mit ihrem Betrieb, so arbeitsintensiv dieser neben der Vollzeitarbeit von Heinrich Thaler als Leiter der Gemeindewerke Waging auch sein mag, ihrer Philosophie, die dahin geht, dass sie die Landwirtschaft erhalten und weiterführen wollen – auch wenn sie wohl mit der Verpachtung der Flächen ohne Arbeitsaufwand fast genausoviel Einnahmen hätten. Heinrich Thaler: „Es ist schön, wenn man seine Flächen noch selbst bewirtschaftet und den Duft von frisch gemähtem Gras schmeckt. Das wollen wir erhalten, und das gefällt uns.“ Sein Wunsch wäre es, dass Berufskollegen, die die Milchwirtschaft aufgeben wollen, trotzdem bei der Landwirtschaft bleiben.

 

Ökomodellregions-Managerin Marlene Berger-Stöckl unterstrich dies: Anstatt dass kleinere Bauern ihren Grund an intensiv wirtschaftende Betriebe verpachten, wäre es wünschenswert, dass sie sich eine extensive Betriebsform suchen, die ihnen ein Grundeinkommen bei vertretbarem Arbeitsaufwand sichert, damit es auch weiterhin möglichst viele bäuerliche Familien gibt. Denn sonst, so ergänzte Thaler, würde nicht selten jeder Graben zugefüllt und jede Hecke beseitigt, Heuflächen, die Deckung für Wildtiere wie Rehe bieten, gerieten zur Seltenheit.
Neben der Ochsenmast verkaufen die Thalers auch Heu aus dem ersten Schnitt an Pferdebetriebe: „Das Gras wird dabei etwas später gemäht, und das Heu ist von wirklich guter Qualität.“ Ihre Tiere werden im Winter nur mit Heu und Silo gefüttert. Der Festmist, der in der kalten Jahreszeit im Stall entsteht, sei ein hervorragender Dünger, der zudem weniger leicht abgeschwemmt werde.
600 Obstbäume auf Streuobstwiesen gepflanzt. Auf dem Weg zurück nach Otting wurde noch eine kleine Streuobstwiese besichtigt, die 2015 auf dem Pfarrgrund neu angelegt worden ist. Dabei berichtete Marlene Berger-Stöckl, dass in der Ökomodellregion mit der jetzt anstehenden Herbstpflanzung bereits 600 Obstbäume gepflanzt wurden; das Ziel seien aber 1500. Von daher würden weitere Grundbesitzer gesucht, die sich an dem Projekt beteiligen wollen. Dabei schlug Heinrich Thaler vor, dass die Pflanzung von Obstbäumen durchaus
auch über die Anlage von gemeindlichen Ausgleichsflächen gefördert werden könnte.
Beim abschließenden gemeinsamen Abendessen beim „Oberwirt“ in Otting wurde das heimische Biorindfleisch verköstigt. Ein Kurzvortrag mit Bildern über die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel und deren Projekte rundete den Abend ab. Dabei stellte Marlene Berger-Stöckl nochmals das Ziel heraus: biologischen Landbau voranzutreiben, zum einen weil Bedarf an den Produkten bestehe, zum zweiten weil über eine hohe Produktqualität das Einkommen bäuerlicher Betriebe gestärkt werde, und nicht zuletzt auch deshalb, um einen Beitrag für weniger Phosphat im Waginger See zu leisten. Die Vertreter des Forums Ökologie, die die Exkursion in ihr Programm aufgenommen hatten, waren sich einig, dass es künftig sinnvoll sei, noch mehr Verbraucher durch solche Angebote über eine umweltgerechte Landwirtschaft und die Erzeugung hochwertiger Regionalprodukte zu informieren.

 

Milchviehbetrieb Rosi& Franz Gröll - Franz und Rosi Gröll (6./7. von links) lassen aus einem kleinen Teil der Milch Bioweichkäse von der Käserei Frisch in Wonneberg herstellen. Es gibt ihn ab Hof und beim Bäcker in Otting. Foto: Hans EderDSC03377

 


 

 

Netzwerkbildung am “Umsteller-Stammtisch”

Zum ersten Mal hatte die Projektleitung der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel zum verbandsübergreifenden „Umsteller-Stammtisch“ in den Riedlerwirt z´Petting eingeladen. Rund 30 Teilnehmer, die Interesse an der Umstellung ihres landwirtschaftlichen Betriebes von konventioneller auf eine biologische Bewirtschaftungsweise zeigen, sich aktuell in der Umstellungsphase befinden oder vor kurzem umgestellt haben, trafen sich zum offenen Informations- und Erfahrungsaustausch.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

22.04.2017: Netzwerkbildung am Umstellerstammtisch, aus: Südostbayerische Rundschau, Dorothee Englschallinger (PDF)

 

Netzwerkbildung Umstellerstammtisch - Foto: Dorothee Englschallinger

 


 

Käse ist nicht gleich Käse – Ökomodellregion lädt zu Käseseminar mit Verkostung ein

Verschiedene Landwirte aus der Region bieten aktuell gemeinsam mit ausgewählten biozertifizierten Käsereien ein vielfältiges Käsesortiment an. Zu einem Käseseminar mit Verkostung lud dazu am Donnerstag die Ökomodellregion Waginger See/Rupertiwinkel ins Gasthaus Unterwirt in Fridolfing ein.

 

Den gesamten Artikel können Sie hier herunterladen:

02.11.2016: Käse ist nicht gleich Käse, aus: Südostbayerische Rundschau, Ramona Oswald (PDF)

 

Käseverkostung Käseverkostung Käseverkostung Käseverkostung Käseverkostung Käseverkostung

 


 

Betriebsportraits

Die Milchkrise verdeutlicht: Mehr Produktion ist nicht die Lösung. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner sieht in kreativen bäuerlichen Betrieben das Zukunftsmodell. So einen betreibt Sebastian Lackner. Auf seinem Hof in Tittmoning trifft neueste Technik auf Althergebrachtes.

 

Lesen Sie den ganzen Artikel:

24.09.2016: Premium statt Masse, aus: Bayernkurier, Anja Schuchardt (PDF)

24.09.2016: Beitrag über Sebastian Lackner, Umstellerbetrieb aus Tittmoning/Asten (Link zu YouTube)

 

Weitere Betriebsportraits:

01.09.2016: Hofportrait Bioziegenbetrieb Monika Obermaier, aus: Südostbayerische Rundschau, Lisa Plank (PDF)

11.08.2016: Querfeldein, Betriebsportait Hans Praxenthaler, aus: Südostbayerische Rundschau (PDF)

Hans Praxenthaler

Andreas Remmelberger

Hans Glück

 


 

Bio-Käse

Nach den vier Sorten von der mobilen Käserei Scholz sind nun zwei neue Bio-Weichkäse von der Käserei Frisch in Töfenreut ins Sortiment der Käse aus der Ökomodellregion aufgenommen worden. Die Familie Gröll in Unterstefling, die ihren Betrieb seit 2010 nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet, lässt bei Maria Frisch einen ganz besonderen Weichkäse produzieren. Er wird mit zwei Kräutermischungen verfeinert und in Sonnenblumenöl der Familie Kraller eingelegt. Alle Zutaten sind in Bio-Qualität und wenn möglich aus regionaler Herkunft. Die eingelegten Weichkäse passen besonders gut aufs Brot oder zu frischem Salat, lassen sich aber auch pur herrlich genießen. Bei Maria Frisch ist alles noch liebevolle Handarbeit und das schmeckt man auch! Franz Gröll ist sehr zufrieden mit seinem Käse, dessen Vertrieb gerade erst anläuft. Auf dem Waginger Herbstmarkt fand der eingelegte Weichkäse reißenden Absatz, gemeinsam mit den Schnitt- und Hartkäsesorten der mobilen Käserei Scholz und dem Flaschlbrot von Jessica Linner.

 

Faltblatt Biokäse aus der Ökomodellregion

 


 

Klein aber fein: Milchviehlaufställe wurden besichtigt

Bei einer gemeinsamen Stallbaulehrfahrt der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel und des Fachzentrums Rinderhaltung am Amt für Landwirtschaft und Ernährung (AELF) Traunstein wurden sehenswerte Umbaulösungen dreier Biobetriebe im Raum Inzell – Ruhpolding von der Anbindehaltung in einen Laufstall gezeigt.

 

Den kompletten Bericht können Sie hier herunterladen:

13.04.2016: Bericht zur Stallbauexkursion (PDF)

 

Stallbauexkursion am 9.4. nach Inzell und Ruhpolding - Biobetrieb Richard Senoner, Froschsee Stallbauexkursion am 9.4. nach Inzell und Ruhpolding - Biobetrieb Richard Senoner, Froschsee Stallbauexkursion am 9.4. nach Inzell und Ruhpolding - eingestreute Liegeboxen, Biobetrieb Richard Senoner, Froschsee Stallbauexkursion am 9.4. nach Inzell und Ruhpolding - Biobetrieb Georg Kamml, mit Bundwerk

 


 

Presse

17.03.2016: Ökolandbau wird beliebter, aus: Traunsteiner Tagblatt (PDF)

24.08.2015: Almkäse auf Pellworm

02.07.2015: Biokäse aus der Öko-Modellregion (PDF)

24.03.2015: Umstellung nach Maß – Michaela Aicher, Traunsteiner Tagblatt (PDF)

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