Öko-Modell-Regionen

Projekte / Gemeinsame Projekte in der Landwirtschaft

Ein Wald für den Klimawandel, dank des Regenwurms

 

Weibhausen. (al) Einer der wichtigsten Faktoren, um dem Klimawandel zu begegnen, sei der Boden, sagte der Sprecher des Agrarbündnisses TS/BGL, Leonhard Strasser, zur Begrüßung zu einem Vortrag des Försters Ludwig Pertl im Gasthaus Gruber in Weibhausen. Zusammen mit dem Agrarbündnis hatten die Ökomodellregion Wagingersee-Rupertiwinkel und die Leader LAG Traun-Alz-Salzach, ein Förderprogramm der EU und des Freistaates Bayern, zu dieser Veranstaltung eingeladen.

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Diese Veranstaltung sei die dritte in einer Reihe, mit der Besucher auf die Wichtigkeit der Bodenbeschaffenheit aufmerksam gemacht werden sollen, sagte Strasser. Eine besondere Rolle, um dem Boden die nötige Widerstandsfähigkeit in Zeiten des Klimawandels zu geben, komme dem Regenwurm zu. Schon Charles Darwin habe den Regenwurm als eines der bedeutungsvollsten Tiere dieser Erde bezeichnet, zitierte Strasser bei seiner Begrüßung des Referenten und der Zuhörer und Diskutanten im fast voll besetzten Saal des Gasthauses.

 

Regenwürmer graben ein komplexes Tunnelsystem, das optimale Voraussetzungen für Durchwurzelung, Belüftung und Entwässerung des Bodens biete. Um im Wald einen guten Regenwurmbestand zu erreichen, bedürfe es aber der richtigen Mischung von Baumarten. Ein Wort der Warnung ließ Strasser hinsichtlich der Wirkung des Pflanzengiftes Glyphosat hören. Eine Studie der BOKU (Universität für Bodenkultur) Wien, habe gezeigt, die Reproduktionsrate der vertikal grabenden Würmer (Lumbricus terrestris) sei innerhalb weniger Wochen, nach Ausbringung des Herbizids, um 85% gesunken. Zugleich seien, durch die schlagartige Bewuchsabtötung der Nitratgehalt des Bodens um 1600% (!) und der Phosphatgehalt um 125% gestiegen, mit entsprechenden Folgen hinsichtlich der Auswaschung in Grundwasser und Flüsse.
Förster Pertl begann mit der Feststellung, der Klimawandel im Alpenraum schreite fast doppelt so schnell voran wie im übrigen Bundesgebiet. Ein Grund dafür sei unsere Binnenlage, fernab von Meeren. Dadurch werde der Überfluss an Grund- und Regenwasser in unserer Region keine Selbstverständlichkeit bleiben. Ein wichtiger Faktor, um dies zu verhindern, sei der Verdunstungskreislauf durch den Wald, mit seinem ausgleichenden Effekt. Bisher habe dieser Kreislauf recht gut funktioniert, obwohl wir nicht sehr pfleglich mit unseren Wäldern umgegangen seien, meinte Pertl. Es sei aber vorherzusehen, das werde nicht so bleiben.

 

Nur wenn der Boden intakt sei, könne der Wald diese Funktion als wichtiger Wasserspeicher in ausreichendem Maße wahrnehmen. Um auch bei Hitzewellen genügend Wasser zur Verfügung zu haben und das Wachstum des Waldes zu gewährleisten, bedürfe es einer bestimmten Bodenbeschaffenheit, denn nur bei Wachstum sonderten Bäume Terpene ab, die als Kristallisationspunkte für Regentropfen dienten. Ansonsten würde Wasser nutzlos verdunsten und nicht mehr zu Wolken- und Regenbildung in der Region führen. Deshalb müsse in Zukunft größtes Augenmerk auf den Wasserhaushalt im Waldbau gelegt werden.

 

Die Fähigkeit zur Wasserspeicherung hänge zum einen vom Standort und zum anderen vom Grad der Durchwurzelung mit Feinwurzeln und der Dichte an Regenwürmern im Boden ab, sagte Pertl. Feinwurzeln bereiteten den Boden für die Regenwürmer auf und diese machten mit ihrer Porenbildung daraus einen saugfähigen Schwamm und sorgten so für den so wichtigen Wasserrückhalt und die damit verbundene Nährstofferschließung.

 

In seinen weiteren Ausführungen ging Pertl auf die für eine solche Bodenbeschaffenheit geeigneten und vom Regenwurm bevorzugten Baumarten ein. Hervorragend würden dabei fein- und tiefwurzelnde Laubbäume, wie Ahorn, Esche, Ulme, Linde, Erle, Eberesche, Wildkirsche, oder Elsbeere abschneiden. Unter den Nadelbäumen eigne sich die flachwurzelnde Fichte, die schon jetzt mit der steigenden Trockenheit zu kämpfen habe am wenigsten. Etwas besser geeignet sei die Tanne. Eine Patentlösung könne es aber nicht geben, denn sehr viel hänge auch vom Standort ab.

 

In der dem Vortrag folgenden Diskussion wurden vor allem Fragen nach der Wirtschaftlichkeit eines für den Klimawandel tauglichen Waldes laut. Pertl meinte dazu, um unsere Wälder in stabile Dauerwälder, oder gar „Klimaschutzwälder“ umzubauen, gebe es keine Patentlösungen. Generell könne gelten, es bedürfe mindestens eines Anteils von 20% an Edellaubhölzern in Mischung mit Buche, Tanne und Fichte um eine geeignete Regenwurmdichte und einen guten, stabilen Bodenzustand zu erreichen.
Bei der Waldbegehung am nächsten Tag inspizierten die Teilnehmer drei Standorte. Der erste Ort der Inspektionen, mit einer Mischung aus Buche, Tanne und Fichte zeigte kein gutes Resultat. Die Oberschicht aus modrigem Laub schien keine gute Nahrungsgrundlage für Regenwürmer und auch die Durchwurzelung mit Feinwurzeln schien nicht ideal. Noch schlechter war das Ergebnis am zweiten Grabungsort, der überwiegend mit Fichten bewachsen war. Der torfähnliche saure Moder sei vom Optimalzustand weit entfernt und für zukünftige klimatische Herausforderungen ungeeignet, sagte Pertl. Als bester erwies sich der dritte Standort, mit einer Mischung aus Ahorn, Pappeln und Fichten. Der feinkrümelige, dunkle Humus lasse den Regenwurm gedeihen und sei gleichzeitig fähig, kurzfristig große Mengen an Starkregen aufzunehmen und zu speichern. Das ergebe zudem einen guten Rückhaltefaktor für Nährstoffe, meinte Pertl.
Ein großes Problem sah Pertl in der kurzfristig mangelnden Wirtschaftlichkeit eines dauerhaften und gesunden Klimaschutzwaldes. Langfristig überwiege aber zweifellos der Nutzen eines solchen Waldes für das Gemeinwohl. Insbesondere sei deshalb die Politik gefordert die Weichen zu stellen, um einen vielseitig und stabil aufgebauten Wald zu erreichen, der sowohl seine Aufgabe als Klimaschützer und auch als Nutzwald erfüllen könne.

 

Alois Albrecht, SOR vom 12.06.2018

 

An drei Grabungsstandorten bei Wonneberg mit unterschiedlichem Baumbestand verglichen die Exkursionsteilnehmer den Grad der Durchwurzelung mit Feinwurzeln und den Regenwurmgehalt.  Foto: AlbrechtHartl Straßer, Sprecher des Arbeitskreises „Streuobst und Artenschutz“ in der Ökomodellregion, sowie Ludwig Pertl, Förster und Wissenschaftler im Projekt „Links4soils“. Foto: Albrecht

Kein gutes Beispiel für die Bodenbeschaffenheit eines Klimaschutzwaldes sei dieses modrige Laub,  sagte Ludwig Pertl bei der Waldbegehung. Eine höhere Regenwurmdichte im Boden wird mit  mindestens 20% Edellaubhölzern im Mischwald erzielt. Foto: Albrecht

 


 

Produktion und Ökologie sollen Hand in Hand gehen

Artikel von Alois Albrecht in der Südostbayerischen Rundschau vom 19.04.2108

Rückstetten. (al)

Ist es möglich, in einer modernen, produktiven Milchwirtschaft auch Rücksicht auf Natur und Umwelt zu nehmen? Dieser Frage gingen mehrere Experten auf Einladung des Landwirtschaftsamtes (AELF) Traunstein und der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel, im Gasthof Helminger in Rückstetten nach. Als Referenten begrüßen konnte der Moderator der Veranstaltung, der Leiter des AELF, Alfons Leitenbacher, Peter Dufter vom Fachzentrum Rinderhaltung AELF Traunstein, Dr. Andreas Bohner von der höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein und Rupert Brandmayer und Kathrin Geiger, Seenberater des AELF Traunstein. Mit ihren Berichten als Praktiker waren Dominik Summerer, Milchviehhalter aus Riedering und Hans Empl, Biomilchviehhalter aus Trostberg zur Stelle.

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Am Nachmittag erläuterten Stefan Weiß vom AELF Traunstein und Alois Lohwieser, warum Grünlandpflege eine Daueraufgabe ist, ein Thema, über das Lohwieser auf seinem Hof in Rückstetten noch eine Anschauungslektion gab. Den Abschluss der Tagung machte Hans Zenz, Bereichsleiter Landwirtschaft beim AELF Traunstein, mit einer Zusammenfassung des Gehörten und Gesehenen.

 

Als interessierte Teilnehmer waren neben vielen Milchviehhaltern auch Vertreter von mit der Landwirtschaft verbundenen Ämtern und Verbänden, wie dem WWA (Wasserwirtschaftsamt), dem BBV (Bayerischer Bauernverband), BN (Bund Naturschutz), ANL (Akademie für Naturschutz- und Landschaftspflege), dem Maschinenring, der LfL (Landesanstalt für Landwirtschaft) und mehr gekommen. Zur Hand war natürlich auch die Co-Organisatorin der Tagung, die Projektleiterin der Ökomodellregion, Marlene Berger-Stöckl. Die Politik war durch Michael Nowak von der Regierung von Oberbayern und Bernhard Kern, 1. Bürgermeister von Saaldorf-Surheim vertreten.

 

In seiner Einführung fragte Leitenbacher; „Milchwirtschaft im Einklang mit Gewässer- und Artenschutz – geht das?“. Er gab auch gleich die Antwort darauf, er denke das sei möglich, wenn bei der Bewirtschaftung von Grünland die standörtlichen Gegebenheiten berücksichtigt würden. Auf diese Weise könne nicht nur qualitativ hochwertige Milch erzeugt werden, sondern auch Natur und Umwelt profitieren. Eine „Win-win Situation“, wie Leitenbacher meinte. Gute Grünlandbewirtschaftung sei zudem kein Selbstzweck, durch sie würde nämlich eine gute Verbindung und Akzeptanz zwischen Landwirtschaft und der Öffentlichkeit hergestellt und das Image der Landwirtschaft deutlich verbessert.

 

Peter Dufter stimmte dem bei. Grundvoraussetzung, um im Alpenvorland wirtschaftlich und in der dazu erforderlichen Menge Milch zu erzeugen sei, die Kühe mit bestem, eiweißreichem Wiesenschnitt zu versorgen. Gute, nährstoffreiche, wenn möglich ebene, tiefgründige und gut belüftete Böden seien eine ideale Voraussetzung dafür. Um das zu erreichen und zu erhalten brauche es bedarfsgerechte Düngung, standortangepasste Schnittfrequenz und einen natürlichen und optimalen Pflanzenbestand.

 

Abstriche in Hinsicht auf das Futter von „Trockenstehern“ könnten aber mit einer differenzierten Schnittfrequenz und Bewirtschaftungsintensität gemacht werden. Das biete, durch die niedrigeren Kaligehalte in der Silage (bzw. im Heu) zudem Vorteile für eine „Milchfieber-Prophylaxe“. Dazu eignen sich auch ungünstig geformte Flächen an Hanglagen, die später und weniger häufig gemäht werden sollten und dementsprechend nicht so viel Dünger erforderten. Dadurch könnten sich dort artenreiche, dem Gelände angepasste Pflanzenbestände entwickeln. Überhaupt meinte Dufter, es sollte darauf geachtet werden, importiertes Kraftfutter zu reduzieren und auf eigene Bestände und Möglichkeiten zurückzugreifen.

 

Dufter ermutigte die Bauern abschließend, das damit empfohlene Konzept der differenzierten Grünlandnutzung selbst zu probieren und zu experimentieren, wie ihr Grünland am besten genutzt und die besten Resultate erzielt werden können. Dufter betonte, Ziel einer guten Grünlandnutzung sei es, die wirtschaftliche und arbeitswirtschaftliche Situation der bäuerlichen Milchwirtschaft, Lebensqualität, Ökologie, Biodiversität und Tierwohl unter einen Hut zu bringen.

 

Dr. Bohnert hieb in dieselbe Kerbe, indem er sagte, das Ertragspotenzial von Grünland hänge entscheidend von Lage und Klima ab. „Böden unterscheiden sich in ihrer Fruchtbarkeit abhängig vom Ausgangsgestein, Klima und Geländeform“. Böden mit hohem Ertragspotenzial eigneten sich vorrangig für intensive Grünlandbewirtschaftung, denn sie böten nutzbaren Futtergräsern gute Wachstumsbedingungen. Dagegen seien Böden mit niedrigem Ertragspotenzial optimal für Naturschutzflächen. Diese Böden würden durch hohe Nutzungsintensität allmählich degradiert und es breiteten sich „Problempflanzen“ darauf aus. Erträge und die Qualität der Futterpflanzen verschlechterten sich und es können Probleme hinsichtlich des Grund- und Oberflächenwassers und der Luft entstehen. Wie sein Vorredner betonte auch Dr. Bohner, die Grünlandbewirtschaftung für die landwirtschaftliche Nutzung solle unbedingt standortangepasst und naturverträglich sein.

 

Stefan Weiß, vom AELF Traunstein, ermahnte dazu, Grünlandpflege als Dauerauftrag zu begreifen. Schon bei alltäglichen Dingen, wie dem Vermeiden des Befahrens von Wiesen bei Nässe, dem korrekten Einstellen von Erntemaschinen und dem Vermeiden von Narbenverletzungen könne dazu beigetragen werden. Ein weiterer Faktor in der Grünlandpflege sei die kontinuierliche Analysierung der Zusammensetzung des Bewuchses und seiner Dichte. Durch eine angepasste Nutzungsintensität und Düngung, eine frühzeitige Über- oder Nachsaat bei Lückenbildungen, ließen sich die Ertragsfähigkeit steigern, sowie größere Sanierungsmaßnahmen und der Gebrauch von Totalherbiziden vermeiden.

 

Die Seenberater vom AELF Traunstein, Kathrin Geiger und Robert Brandmayer, betonten, jeder Bauer müsse über den Nährstoffanfall und die Zu- und Abgänge von Nährstoffen auf seinem Betrieb Bescheid wissen. Dazu bedürfe es der „Hoftor Bilanz“, in der alle Nährstoffströme des Hofes erfasst würden. Dünger dürfe nur ausgebracht werden, wenn Böden wirklich aufnahmefähig seien. Organische Düngerausbringungen vor zu erwartendem Starkregen seien unbedingt zu vermeiden, besonders auf drainierten Flächen.

 

Gülleausbringungen, insbesondere auf Höfen mit hohem Nährstoffanfall, müssten genau geplant und auf ein differenziertes Vorgehen geachtet werden. Dabei sei auf eine flächendeckende und entzugsorientierte Verteilung zu achten. Akkurate Bodenuntersuchungen seien hierfür ein wichtiges Instrument, durch die der Bauer besonders austragsgefährdete Flächen erkennen und sie dementsprechend sensibel bewirtschaften könne. Um Gewässer ausreichend von Nährstoffeinträgen zu schützen, müsse jegliche Bodenerosion verhindert werden. Hilfreich dabei seien der konsequente Anbau von Zwischenfrüchten, oder Mulchsaat ohne Bodenumbruch.
Die beiden Landwirte Hans Empl und Dominik Summerer berichteten anschließend sehr anschaulich, teilweise untermalt mit Statistiken von ihren Höfen, über ihre durchwegs guten Erfahrungen mit der differenzierten Grünlandnutzung. In den Diskussionen zwischen den Vorträgen machten mehrere Landwirte auf spezifische Probleme aufmerksam, die sie auf ihren Wiesen hatten.

 

Auf dem Hof des früheren Pflanzenbauberaters Alois Lohwieser zeigte dieser, wie er, ohne den Einsatz von Glyphosat, durch intensives Striegeln und Nachsaat eine Wiese erfolgreich saniert hatte. Unmittelbar daneben konnten die Tagungsteilnehmer eine extensiv bewirtschaftete Wiese, mit 45 verschiedenen Arten an Gräsern, als sichtbaren Beleg besichtigen, dass Intensivgrünland und artenreiche Wiesen nebeneinander existieren können. In seinem Schlusswort sagte Hans Zenz, die Tagung habe sicher gezeigt, es gebe Möglichkeiten, durch intelligentes Wirtschaften und Grünlandnutzung eine gute Vereinbarkeit zwischen einer erstklassigen Milchwirtschaft und Ökologie, Natur- und Wasserschutz zu erreichen. Auch Moderator Alfons Leitenbacher und Marlene Berger-Stöckl zeigten sich zufrieden mit der Teilnahme und dem Interesse der mit der Landwirtschaft verbundenen Organisationen und meinten, die Tagung habe sicher auch Bauern einen Ansporn gegeben, sich näher mit den dabei behandelten Themen zu befassen.

 

Artikel von Alois Albrecht in der SOR vom 19.4.2018

 

 

Vertreter der Ökomodellregion, Marlene Berger-Stöckl, und der Leiter des AELF Traunstein, Alfons  Leitenbacher (r.), mit zwei der Referenten, Stefan Weiß (l.) und Alois Lohwieser (M.) und dem  Vertreter der Regierung von Obb. Michael Nowak (2.v.r.). Bild: Alois LohwieserAuf seinem Hof zeigte Alois Lohwieser (r.) die Methode, mit der er eine Wiese, ohne den Einsatz von Glyphosat, saniert hatte. Vorgestellt wurden Striegel und Vredo-Gerät. Foto: Alois Albrecht

 


 

Erfahrungsaustausch zum regionalen Eiweiß – zurück zu den Wurzeln
Ledern. (al) „De Oidn hams gwisst, mia miassns wieda leana“, sagte Andreas Seehuber, einer der Bauern, die sich am Projekt „regionales Eiweißfutter“ der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel beteiligen. Allerdings sind die Versuche dieser Bauern wissenschaftlicher fundiert als das Wissen der Vorfahren. Ziel ist es, das Eiweißfutter für ihre Tiere wieder selbst zu produzieren, statt sich auf Importe aus Übersee zu verlassen.

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Im Gasthof Glück in Ledern bei Tittmoning berichteten fünf Bauern über ihre Versuche, selbst eiweißhaltiges Futter zu produzieren. Ihren Ausführungen zufolge ist dies nicht nur möglich, sondern sehr erfolgreich und auch in wirtschaftlicher Hinsicht lohnend. In ihren Berichten gingen die Bauern auf vielerlei Aspekte ihrer Versuche ein. Unter der Moderation von Franz Huber trugen Johann Glück aus Ledern, Andreas Maier aus Waldering, Andreas Seehuber aus Otting, Johann Steiner aus Tengling und für den verhinderten Markus Reschberger Moderator Huber ihre Versuchserfahrungen mit eiweißhaltigen Pflanzen vor. Mit von der Partie war auch der Leiter des Landwirtschaftsamtes Traunstein, Alfons Leitenbacher. Nach jedem der individuellen Vorträge beantworteten die Bauern Fragen aus dem Publikum und diskutierten über ihre Erfahrungen.

 

Moderator Huber zitierte in seiner Einführung die mit der Eigenproduktion verbundenen Chancen, wie Kontrolle über die Beschaffenheit, Inhalte, Verfügbarkeit und die praktisch nicht existierenden Lieferwege. Durch die Eigenproduktion könne auch mit der Zusammensetzung und Effektivität des Futters experimentiert werden, meinte Huber. Huber lobte diesbezüglich die Experimentierfreude der an den Projekten der Ökomodellregion teilnehmenden Bauern. Der Moderator betonte auch, das Programm sei keineswegs nur für Bio-Bauern gedacht, sondern vor allem auch für konventionell produzierende.

 

Der erste der Bauern, Johann Glück, hatte sogar seine Meisterarbeit mit Experimenten des Sojaanbaus mit verschiedenen Anbaumethoden, Sorten, Zeilenabständen und dergleichen gemacht und berichtete über die Ergebnisse. Glück betonte, er
sei jedenfalls zum Schluss gekommen, selbst erzeugtes Futter lohne sich auch finanziell.

 

Andreas Maier berichtete über Experimente mit dem Anbau von Bio-Soja und anderen eiweißhaltigen Pflanzen, wie Erbsen und Ackerbohnen. Dabei habe er befunden, die Erträge aus dem Anbau verschiedener Sorten zeigten kaum Unterschiede. Wichtiger seien die Methoden der Bodenbearbeitung. Die geeignetste dieser Methoden müsse durch Experimente gefunden und der Bodenbeschaffenheit angepasst werden.

Johann Steiner hatte Versuche mit Triticale, der Kreuzung zwischen Weizen und Roggen, sowie Weizen und Erbsen gemacht. Erbsen ergäben dabei eine gute Bodenbedeckung in einem Mischanbau, ließ Seehuber wissen. Heuer werde er vermehrt Soja anbauen, wegen des guten Preises für Soja und dem höheren Eiweißgehalt, im Vergleich zu anderen Pflanzen.

 

Andreas Seehuber sagte, er habe für viele Jahre Hafer angebaut. Vor zwei Jahren habe er aber angefangen, sich auch mit Erbsen und Sommergerste zu beschäftigen. Dabei habe er gefunden, Hafer sei am widerstandsfähigsten in Bezug auf die klimatischen Verhältnisse. Steiner sagte auch er, wie fast alle anderen in den Versuchen, habe er keinerlei Pflanzenschutz verwendet und Dünger nur spärlich eingesetzt.

Moderator Huber verlas danach die Befunde von Markus Reschberger. Dieser habe mit einem Hülsenfruchtgemenge und Untersaatklee experimentiert. Durch den Klee ergebe sich ein sehr guter optischer Eindruck des Feldes, meinte Reschberger. Auch das Vieh habe den Mix der verschiedenen Pflanzen sehr gern gefressen. Es bedürfe aber einer durch Experimente herauszufindenden Balance zwischen den verschiedenen Pflanzen, um zu einem guten Resultat zu kommen.

 

Der generelle Befund der fünf Bauern schien zu sein, bei Untersuchungen habe sich Soja als die Pflanze mit dem höchsten Eiweißgehalt erwiesen. Aber als Beimischung seien auch die weiteren geeignet. Moderator Huber meinte dazu, oft seien die einfachsten Lösungen die besten. Jedenfalls habe sich sehr deutlich gezeigt, es lohne sich in jeder Hinsicht, das Eiweißfutter für die Tiere auf den Höfen selbst zu erzeugen. „Wir haben gute Bedingungen dafür“, meinte Huber abschließend.

 

Alfons Leitenbacher sagte, er sei begeistert über die Versuche, und lobte die Experimentierfreudigkeit der Teilnehmer. Es sei gut, neue Sachen zu probieren. Den Verantwortlichen in der Ökomodellregion gratulierte Leitenbacher zur Idee und den Anstoß zu ihrer Verwirklichung.

Alois Albrecht, erschienen in der SOR am Montag, den 12.2.2018

 

 

Sojabohnenfeld von Johann Glück (rechts im Bild) in der Ledern, Foto: Ökomodellregion

 

 


 

Eiweißquellen vom eigenen Hof nutzen

Wie kann ich Eiweißquellen vom eigenen Hof erschließen und für die Tierfütterung sinnvoll nutzen? Praktiker in der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel hatten im Vorjahr zu Felderbegehungen eingeladen und zogen jetzt ein Resümee aus ihren Erfahrungen. Franz Huber aus Fridolfing, der den Erfahrungsaustausch für Landwirte aus der Ökomodellregion organisierte, erinnerte an sein Rotklee-Luzerne-Gemenge, angebaut nach Ganzpflanzensilage von Wintergerste, das ihm mit drei bis vier Schnitten sehr gute Erträge liefert und flexibler im Erntezeitpunkt ist als Wiesengras. Es zählt auch als Greening-Fläche.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

23.02.2017: Eiweiß vom eigenen Hof füttern (PDF)

 

Presse

24.03.2017: Eiweißquellen vom eigenen Hof, aus: Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt (PDF)

04.03.2017: Eiweißquellen vom eigenen Hof nutzen, Südostbayerische Rundschau, Hans Eder (PDF)

 


 

Wenig Aufwand, hoher Nutzen – hochwertiges Eiweißfutter aus der Region
Eiweißfutter für das Vieh wird zwar in großen Mengen aus anderen Kontinenten importiert, ist auf Dauer aber keine nachhaltige Lösung für eine bodengebundene bayerische Landwirtschaft. Alternativen und Antworten für hiesige Betriebe zeigte  die „Arbeitsgruppe regionales Eiweiß“ der Ökomodellregion unter der Leitung von Franz Huber auf einer Felderbegehung in Fridolfing und Kirchanschöring auf. An die 50 Betriebsleiter, darunter auch etliche Biobetriebe, zeigten großes Interesse an den vorgestellten Beispielen.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

30.06.2016: Hochwertiges Eiweißfutter aus der Ökomodellregion (PDF)

05.07.2016: Eiweißfutter aus der Region, aus: Südostbayerische Rundschau (PDF)

22.02.2016: Erfahrungsaustausch regionales Eiweiß (PDF)

 

Eiweißfrüchte vom heimischen Acker können dabei helfen, die Importe aus Drittländern zu reduzieren. Sie sparen Mineraldünger, lockern die Fruchtfolge auf und tragen bei richtigem Anbau zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit bei. Wer regionales Eiweiß verfüttert, schließt zudem die Gefahr der Kontamination mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) aus.
Eiweiß vom heimischen Acker kann man in Form von Soja, Ackerbohnen oder Erbsen anbauen, aber gerade im regenreichen Voralpenland eignen sich auch die altbekannten und erosionsschützenden Kleearten und die Luzerne hervorragend, um den Eiweißbedarf der heimischen Wiederkäuer zu decken. Grünfutter von der Weide oder im Futtertrog hat hohe Rohproteingehalte, wenig Verluste und wird besonders gern gefressen.

 


 

Einbindung konventioneller Landwirte
Die Seenberater vom Amt für Landwirtschaft Traunstein arbeiten eng mit den Betreuern der Ökomodellregion zusammen, haben doch alle dasselbe Ziel: Die Reduzierung der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft in die Gewässer. Während sich in der Ökomodellregion viel um den Ökolandbau dreht, übernehmen die Seenberater die Beratung der Betriebe zu einer ganzen Palette von Themen wie Güllelagerung, Nährstoffbilanzierung, Abstände zu Gewässern bei Düngung und Pflanzenschutz oder Rückhaltemaßnahmen.

 

Weitere Informationen zur Seenberatung finden Sie unter

www.alf-ts.bayern.de/landwirtschaft/pflanzenbau/097831/index.php

 

Informationen zum Interreg-Projekt “Gewässer-Zukunft” finden Sie unter

www.gewaesser-zukunft.eu

 


 

Regionale Milch
Nicht nur die Umstellung auf den Ökolandbau kann dabei helfen, die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft zu reduzieren. Auch die konventionell wirtschaftenden Betriebe können Maßnahmen angehen, die dabei helfen, Nährstoffkreisläufe zu schließen und unsere Kulturlandschaft zu erhalten.

 

Ein solches Maßnahmenpaket hat die Arbeitsgruppe regionale Milch mit ihrem Sprecher Josef Hubert zusammengestellt. Das Projekt Milch aus regionaler Fütterung wird jetzt über das Programm der Integrierten ländlichen Entwicklung begleitet werden.

 

Richtlinien Regionale Milch (PDF)

 


 

Presse

02.06.2015: Bericht Flurbegehung (PDF)

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