Alte Kultursorten gesucht

22.05.2019

Projekt:

Nicht nur das Jahr 2019 steht unter dem Motto „Jahr der Biodiversität“, sondern der 22. Mai ist auch Internationaler Tag der Biodiversität. Das Ergebnis des Volksbegehrens Artenvielfalt  zeigt das aufkeimende und breiter werdende Interesse an Ökologie. Darauf möchten Corinna Ullrich, Projektmanagerin der Ökomodellregion Rhön-Grabfeld, Theresia Dietz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt an der Saale und Julia Rösch vom UNESCO-Biosphärenreservat Rhön gemeinsam reagieren.

Biodiversität umfasst sehr viel mehr, als die Thematik, die das Volksbegehren aufgeworfen hat. Beim Volksbegehren Artenvielfalt ging es in erster Linie um den Erhalt und Wiederaufbau von Strukturen und Lebensraum für Insekten, Wildtiere und Wildpflanzen. Diesen Bereich der Biodiversität zu schützen und zu fördern ist auch elementar für einen sorgfältigen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen, erklärt Ullrich. Allerdings zählt zum Spektrum der Biodiversität noch wesentlich mehr. Genau genommen umfasst die Biodiversität die Vielfalt an Ökosystemen, die Vielfalt unter den Arten (dazu zählt u.a. die Vielfalt an Wildtierarten, z.B. die rund 550 Wildbienenarten, die es in Deutschland gibt, aber auch die Vielfalt an Kulturpflanzen und Nutztieren). Und dann gibt es noch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Am Menschen ist gut zu erkennen, dass wir zwar alle untereinander fortpflanzungsfähig sind, aber dennoch unterschiedlich ausgeprägte Merkmale, wie unterschiedliche Größe, Haut- und Augenfarbe oder auch Begabungen haben. Alle Bereiche der Biodiversität sind schützens- und erhaltenswert.

In einem Kooperationsprojekt zwischen Ökomodellregion, UNESCO-Biosphärenreservat und AELF Bad Neustadt soll jetzt das Thema Kulturpflanzenvielfalt näher beleuchtet werden.

Dietz liegt in diesem Kontext zum Beispiel das häufig verloren gegangene Bewusstsein für Geschmack am Herzen. Ursorten punkten mit einem so vielfältigen, häufig intensiveren Geschmack, den günstiges Discounterobst und – gemüse beinahe verdrängt haben. Es gilt den „Geschmack der alten Vielfalt“ wiederzubeleben. Einen Beitrag für unsere Region möchte Rösch mit diesem Projekt leisten: „Wir wollen die Vielfalt alter Sorten für uns und nachkommende Generationen erhalten. Dabei geht es auch um das Wissen um Kulturtechniken und besondere Eigenschaften der Pflanzen. Dieses wertvolle Wissen muss gesichert, aufbereitet und der Öffentlichkeit vermittelt werden, um es zu erhalten.“ Ullrich macht auch noch darauf aufmerksam, dass der Erhalt der Vielfalt nicht nur an und für sich wertvoll ist, sondern dass auch für die Zucht von neuen Sorten immer wieder auf alte Sorten zurückgegriffen wird. Gerade wenn es in Zukunft wieder mehr darum geht Sorten zu züchten, die mit den klimatischen Veränderungen gut umgehen können, ist ein großer und regional angepasster Genpool, eine Schatztruhe. Auch kann auf alte Sorten zurückgegriffen werden, wenn es z.B. darum geht gegen bestimmte Schädlinge oder Krankheiten resistente Sorten zu züchten.

Sind Sie Landwirt/in und kultivieren Sie z.B. alte Getreidesorten, wie Einkorn oder Emmer? Oder haben Sie noch Saatgut von Kulturen (wie z.B. Linsen und Lein) die bereits in der Rhön angebaut wurden? Oder sind Sie passionierte/r Gärtner/in, und vermehren  ihr Saatgut von bestimmten Gemüsepflanzen selber? Oder kultivieren Sie alte Obstsorten? Dann melden Sie sich bei einem der drei Kooperationspartner! Bei der Ökomodellregion Rhön-Grabfeld (corinna.ullrich@rhoen-grabfeld.de, Tel. 09771/94691) bei der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön (julia.roesch@reg-ufr.bayern.de, Tel. 0931/380-1668), oder bei Theresia Dietz (theresia.dietz@aelf-ns.bayern.de, Tel. 09771 6102 211).