Berliner Gesellschaft neuer Abnehmer für Biomilch

09.02.2018

Projekt: Biomilch

Petting/Lks. Traunstein Das 2012 definierte Ziel was ambitioniert: 20% aller bayrischen Landwirte sollten bis 2020 ökologisch wirtschaften. Das war die Idee hinter dem Projekt „Bioregio“ von Staatsminister Helmut Brunner. Inzwischen liegt die Zeilmarke nur mehr bei einer Verdopplung des Niveaus von 2013, was im Ergebnis zwölf Prozent Biobetriebe bedeuten würde. Eine der Hürden auf diesem Weg war Thema beim Umstellerstammtisch in Petting: fehlende Verarbeiter für Biomilch.

Nun hat die Milcherzeugergemeinschaft Traunstein zusammen mit der MEG Rosenheim einen neuen Abnehmer aufgetan: die Berliner Milcheinfurhgesellschaft (B.M.G) „Ein Betrieb wird dann umstellen, wenn er einen Abnehmer hat“, weiß Paul Obermeier. Als Vorsitzender der MEG Traunstein war er auf der Suche nach Abnehmern für Biomilch, deren Preis bislang – anders als für konventionell produzierte – auf höherem Niveau relativ stabil blieb.

Im Januar 2016 stoppte die Molkerei Berchtesgadener Land in Piding vorerst die Aufnahme weiterer Anlieferer. Ab Februar unterzeichnete die Molkerei Scheitz in Andechs keien neuen Verträge mehr, weil Umstellerbetriebe neu hinzugekommen waren, aber auch weil bisherige Mitgliedsbetriebe aufgrund der großen Nachfrage in den vergangenen Jahren mehr Biomilch erzeugten.

„Auf der Nachfrageseite schaut es bis jetzt gut aus, der Biomilchmarkt wächst“, berichtete Marlene Berger-Stöckl den zahlreich erschienenen Bauern. Die Nachfrage haben binnen eines Jahres um elf Prozent angezogen. Die Geschäftsleiterin der Ökomodellregion (ÖMR) Waginger See-Rupertiwinkel weiß, dass sowohl Fläche als auch Bioproduktion im Nachbarland Österreich etwa auf doppeltem Niveau liegen. „Es ist also Luft nach oben“, so Berger-Stöckl, die hofft, Angebot und Nachfrage hierzulande mögen sich nach österreichischem Vorbild steigern.

Dazu brauch es Perspektiven für die Milcherzeuger. Bei der Waginger Bergader-Molkerei beispielsweise liege allerdings „Bio derzeit auf Eis“, so Obermeier, der sich daher für die heimischen Betriebe freut über den Vertrag mit der Berliner Gesellschaft. Die betreibt keine Molkerei, sondern ist eine reine Handelsgesellschaft. Deren Volumen liegt bei über 1 Mrd. kg/Jahr. Laut Obermeier wird der bayerische Durchschnittspreis für Biomilch in Höhe von knapp 50 ct bezahlt, die Sammlung erfolgt zweitägig.

Wermutstropfen sind für den Vorsitzenden die.  derzeit lagen Transportwege, die nicht im Sinne eines Bioerzeugers sein könnten. Zudem gibt es Abzüge von 4 ct/kg, wenn die Fracht weiter als 280km gefahren wird, und 6 ct, falls sie mehr als 680 km unterwegs ist. „Wir haben momentan keine andere Möglichkeit“, betont Obermimeier, der einerseits zuversichtlich ist, dass sich die Transportwege bald verkürzen mögen, und andererseits hofft, dass mit diesem Vertrag wieder „Bewegung reinkommt“ in den heimischen Biomilchmarkt. Seit Januar besteht nun die Möglichkeit für Chiemgauer und Rupertiwinkler Betriebe mit gültigem Bio-Verbands-Zertifikat sich anzuschließen.

Für die konventionell erzeugte Milch erwartet Obermeier im Jahr 2018 wieder rückläufige Preise. Wobei die Landwirte aber durchaus eine Gegensteuererungsmöglichkeit in der Hand hätten: „Würde jeder nur ein paar Prozent weniger Milch produzieren, der zu erzielende Preis wäre deutlich höher.“

 

von Hannes Höfer erschienen am 09.02.18 im Bayrischen landwirtschaftlichen Wochenblatt