BioLust Felderspaziergang bei den Urspringer Biobauern – Biolandwirtschaft macht Freude

06.06.2019

Projekt:

…das betonte Thorsten Abe, Betriebsleiter eines Milchviehbetriebes in Umstellung auf Ökolandbau in Urspringen mehrfach. Und es war wohl kaum jemand dabei, der ihm das nicht abgenommen hätte.

„Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß.“ Mit diesem Zitat von Werner Mitsch eröffnete Abe den Felderrundgang der Urspringer Biobauern. Mit großem Engagement erklärte er rund 35 interessierten Zuhörern bei der zweiten Veranstaltung der von der Ökomodellregion initiierten BioLust –Reihe wie Ökolandbau auf dem Acker und in der Tierhaltung funktioniert. Dabei kamen auch seine Kollegen Christioph Rieck, der Bio-Freilandhühner im Hühnermobil hält und Marco Bach, der dabei ist eine Fleckvieh- Mutterkuhherde aufzubauen, zu Wort. Alle drei bewirtschaften auch Äcker, auf denen gab es beim Felderrundgang viel zu sehen.

Von Dinkel, über Grannenweizen, der sich mit Hilfe seiner Grannen vor Wildschweinen schützt, über Futterrüben – eine laut Thorsten Abe zu Unrecht fast vergessene alte Futterpflanze über Mais und Sonnenblumen bis hin zu den Körnerleguminosen Ackerbohnen und Erbsen, letztere meistens im Gemenge mit Hafer und Gerste.

„Unkraut nennt man Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt worden sind“ so zitierte Abe Ralf Waldo Emmerson und erklärte den Wert von Ackerwild-  bzw. Beikräutern. Nur wenige der sogenannten Unkräuter führten wirklich zu Problemen. Abe zeigte sich fasziniert, wie viel wir eigentlich von der Natur lernen können, wenn wir z.B. hinterfragen, warum bestimmte Wildkräuter auf bestimmten Äckern wachsen. Unsere Vorfahren hätten solches Wissen noch gehabt, inzwischen sei es nicht mehr selbstverständlich. So ist z. B. Ampfer ein Nährstoffzeiger oder Disteln deuten auf einen zu stark verdichteten Boden hin, den sie mit ihren langen Wurzeln wieder lockern können.  Und viele Ackerwildkräuter, wie die berühmten Mohn- und Kornblumen sehen nicht nur schön aus, sondern bieten auch noch Nahrungs- und Lebensraum für unsere Insektenwelt. Schon Aristoteles wusste: „Die Natur macht nichts vergeblich“. Dass Landwirte zur Artenvielfalt beitragen können wurde auch bei der Besichtigung der alten Streuobstwiese ersichtlich, ein wahrer Hotspot an Biodiversität.

Anhand der Ackerbohnen erklärten die drei Urspringer Biobauern, die nicht nur bei Spaziergängen, sondern auch bei der Zusammenarbeit und bei Maschinengemeinschaften  gut miteinander können, wie die Leguminosen den Stickstoff aus der Luft in pflanzenverfügbaren Stickstoff umwandeln. Jeder konnte die an den Wurzeln der Bohnen hängenden Knöllchenbakterien sehen und betasten, die den Boden schon für die Folgekultur mit Stickstoff versorgen.

Mit Ökolandbau läuft es rund- den Eindruck konnten die Teilnehmer gewinnen, auch wenn die Landwirte zum Teil selbst gerade erst in der Umstellung waren- trotzdem gibt es vieles zu bedenken und neu zu lernen und auch die Vermarktung läuft nicht immer reibungslos. So fiel z.B. der Preis für männliche Kälber letztes Jahr so tief in den Keller, dass Abe aus der Not eine Tugend machte und eben mal einen neuen Betriebszweig – die Weideochsenmast –  eröffnete. Seine männlichen Kälber zieht er künftig selber auf – sie werden nun kastriert aber nicht mehr enthornt. Die Aufzucht kostet ihn zwar einiges, die Kälbchen bekommen schließlich 3 Monate Milch – Austauscher ist im Biolandbau nicht erlaubt, weswegen die Aufzucht von den männlichen Kälbern auf dem Betrieb auch eher die Ausnahme ist. Trotzdem hat sich Abe entschlossen, diesen Weg zu gehen- seine Kälber sind es ihm Wert und  immerhin hat er mit dem Rhöner Biosphärenrind e.V. einen verlässlichen und fairen Abnehmer gefunden. Abe ist sich bewusst, welche Verantwortung er nicht nur seinen Tieren und Äckern, sondern auch seinen Nachkommen gegenüber trägt und zitiert dazu Richard von Weizäcker: „Wir haben die Natur von unseren Eltern geerbt; Wir haben Sie aber auch von unseren Kindern geliehen“.

Nach der Wanderung wurde noch bei Biogetränken (Rother Bräu, Strecks Bräu und Bionade) und von den Landwirtsfrauen selbstgebackenen Kuchen gefachsimpelt und diskutiert.

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