Biomilchwirtschaft in der Praxis

08.04.2016

Projekt: Biomilch als Chance

Die Projektmanagerin der Ökomodellregion Ilzer Land Corinna Ullrich hatte kürzlich zu einer Abendveranstaltung zum Thema „Biomilchwirtschaft in der Praxis“ in die Bauhütte in Perlesreut geladen. Als externe Referenten hatte sie den Leiter des Fachzentrums für Ökolandbau Thomas Lehner aus Deggendorf sowie die beiden Biolandwirte Josef Maier aus Tiefenbach und Walter Dankesreiter aus Otterskirchen geladen. Zwischen und nach den Vorträgen diskutierte und fragte das etwa 35 Köpfe zählende Fachpublikum ausgiebig, erst lange nach Beendigung der Vorträge konnten gegen Mitternacht die Türen der Bauhütte für diesen Abend verschlossen werden.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Corinna Ullrich die Ökomodellregion und die mit ihr verbundenen Projekte vor, besonders, dass sie als Anlaufstelle für umstellungsinteressierte Landwirte da ist und Folgeveranstaltungen zur praktischen Umsetzung des Ökolandbaus geplant sind. Inhaltlich erklärte sie die Mindestbedingungen an die Ökologische Milchviehhaltung und -Fütterung, bei der entweder Weide oder ein Auslauf vorgeschrieben sind. Anschließend erläuterte sie, welche Voraussetzungen, eine Umstellung auf den Ökolandbau begünstigen.

Thomas Lehner setzte mit der Vorstellung des Fachzentrums für Ökolandbau den Theorieteil fort. Er ging auf die Ausgestaltung der für den ökologischen Landbau wichtigen Fördermaßnahmen, das KULAP und die einzelbetriebliche Investitionsförderung ein. Durch letztere können, bei Umbaumaßnahmen, die zu einer besonders tiergerechten Haltung führen, bis zu 35 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens gefördert werden. Zuletzt zeigte er noch die Milchpreisentwicklung der letzten Jahre und ihre Auswirkung auf den Betriebsgewinn. Sein Resümee, ab 8 Cent Preisunterschied zwischen konventioneller und ökologischer Milch lohnt sich Ökomilch auch finanziell − derzeit sind es etwa 20 Cent.

Biolandwirt Maier stellte seinen Betrieb vor. Er betreibt in Tiefenbach einen Milchviehbetrieb mit etwa 90 Milchkühen, knapp die Hälfte der Nutzfläche ist Ackerland. Im Sommer 2009 begann er seinen Betrieb auf ökologischen Landbau umzustellen – unerwartet für so einige seiner Bekannten und Kollegen, denn Herr Maier hat seinen Betrieb sehr intensiv bewirtschaftet. Doch einige Jahre vor der Umstellung ließen ihn der hohe Gebrauch von Fungiziden im Getreideanbau, die dennoch in ihrer Wirkung zu wünschen übrig ließen, und die hohen Düngemittelpreise bei dennoch niedrigen Abnahmepreisen für sein konventionell erzeugtes Getreide zweifeln. Die Umstellung habe er bisher nicht bereut. Der Betrieb ist an einigen Kulturen reicher geworden, das Kleegras ist zu einer der wichtigsten Fruchtfolgeglieder geworden, während Mais in geringerem Umfang als zuvor angebaut wird. Der Laufstall wurde durch einen Laufhof erweitert, die Milchleistung der Kühe ist zurückgegangen und liegt jetzt bei durchschnittlich 6500 Liter pro Kuh und Jahr.

Walter Dankesreiter dagegen ist ein „alter Hase“ was den Ökolandbau betrifft. Schon 1987 stellte er seinen Betrieb um, obwohl es noch nicht mal eine Abnahme für ökologische Milch gab und er diese zunächst weiter konventionell vermarkten musste. Heute bewirtschaftet er etwa 70 ha, wovon ein Drittel Ackerland ist und hält 53 Milchkühe in Laufstallhaltung mit Sommerweide. Dankesreiter gab gute Tipps zur Unkrautregulierung im Ökolandbau. Die Freude, die seine Kühe auf einem Bild vom ersten Weideaustrieb im Frühjahr zeigen – rennend und buckelnd über die Wiese – steckte auch das Publikum in der Bauhütte noch an. Zur Weide werden die Kühe bei Bedarf auch über die Bundesstraße getrieben – „die Kühe kennen das so, und“, fügte Walter Dankesreiter mit einem verschmitzten Lächeln dazu – „die Autofahrer gewöhnen sich dran.“ − mal