Öko-Modell-Regionen

Veranstaltung / Forum der Öko-Modellregionen 2016

Beim Forum der Öko-Modellregionen 2016, das am 4. Juli im Veranstaltungssaal des Landwirtschaftsministeriums stattfand, konnte es die Teilnehmer unmittelbar erleben: In jeder Region gibt es aktive, unternehmerische Menschen, die etwas bewegen wollen, die ihre Region und den ökologischen Landbau voran bringen möchten. Die Öko-Modellregionen bieten diesen Menschen Unterstützung und Begleitung, um die nächsten Schritte zu gehen.


Einige der Menschen, die sich vor Ort engagieren, sind beim Forum der Öko-Modellregionen zu Wort gekommen. Sie berichteten von ihren Erfahrungen, ihrer Motivation und den neuen Möglichkeiten, die sich nun eröffnen. Sie stellten eindrücklich dar, welche Perspektiven der ökologische Landbau für die zukünftige Entwicklung der ländlichen Regionen in Bayern bietet.
Das Interesse an der Veranstaltung war groß. Viele wollten wissen, was sich bei den Öko-Modellregionen alles tut. So folgten 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, unter ihnen zahlreiche Bürgermeister und Landräte, Landtagsabgeordnete, Vertreter der Verwaltungen und der Verbände, Unterzeichner des Ökopakts und vor allem die Akteure der Öko-Modellregionen, der Einladung des Staatsministers.

 

Staatsminister Helmut Brunner plädierte in einer sehr persönlich und leidenschaftlich vorgetragenen Rede für die Wichtigkeit der Verbindung zwischen ökologischen Landbau und Regionalität. Er rief die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu auf die Entwicklungsperspektiven, die sich hier bieten, zu nutzen.  Minister Brunner lobte die bisherigen Erfolge der Öko-Modellregionen wie zum Beispiel den in Bayern einzigartigen Anbau von Bio-Mohn der in der Öko-Modellregion Steinwald, der von einer kleinen Ölmühle zu Bio-Mohnöl verarbeitet wird oder die Gründung der bio-regionalen Genossenschaft Oberpfalz, die sich als Ziel den Aufbau eines dringend benötigten Lagers für Druschfrüchte mit Aufbereitungsanlage gesetzt hat.

 

Dies alles ist ländliche Entwicklung pur lautete auch das Urteil von Willi Perzl, Abteilungsleiter am ALE Oberpfalz, Betreuer der Öko-Modellregion Steinwald und Teilnehmer der Talkrunde. „Langfristig wirksame ländliche Entwicklung, und dazu gehört auch die Förderung regionaler Bio-Wertschöpfungsketten, kann nur auf Menschen aufbauen – und nicht auf Konzepte und Pläne“, waren sich Willi Perzl, Anton Gößmann, Bürgermeister von Wasserlosen und Thomas Weiß, Klimaschutzmanager der Stadt Kempten in ihrer Talkrunde einig.

 

Der Rückhalt bei den Bürgern für die Öko-Modellregion sei da, so Bürgermeister Gößmann. Breit sei das Bündnis, das Ökolandbau, regionale Strukturen und Nachhaltigkeit als Themen einer guten Entwicklung identifiziert. So wundere es auch kaum, betonte Thomas Weiss, dass der Ökolandbau auch für in der Nachhaltigkeitsdebatte essentiell sei. Egal ob Wasserschutz, Biodiversität, Bodenbeschaffenheit oder der CO2 Ausstoß, mit dem Ökolandbau gäbe es Synergien, die der Entwicklung als Ganzes gut tun würden.

 

Sehr eindrücklich schilderte auch das Landwirtsehepaar Berghammer aus der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland ihre Situation: „Wir wollen keinen Standardweg – die funktionieren doch nie. Wir sind ein so kleiner Betrieb, dass uns jeder Berater zum „Wachsen oder Weichen“ raten würde. Die, die wachsen, verlieren und die, die weichen, auch. Das wollen wir aber nicht. Wir wollen Bauern bleiben, so groß, wie wir eben sind. Wir wollen unseren Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft leisten – und wir brauchen dafür individuelle Beratung und Unterstützung.“ Sie haben sich mit Unterstützung der Öko-Modellregion für die Umstellung von Milchvieh- auf Mutterkuhhaltung entschieden. Der neue Stallbau soll durch Genussscheine finanziert werden und so interessierte Verbraucher mit einbinden.

 

Auch Landwirt Rainer Hundmayer aus der Öko-Modellregion Isental, der bei seiner Entscheidung für die Umstellung auf Bio unterstützt wird, sieht die Begleitung durch die Öko-Modellregion als wichtigen Baustein für eine gute zukünftige Entwicklung: „Es braucht Menschen wie unsere beiden Projektmanager, die wieder Kontakt herstellen zwischen Landwirten, Verbrauchern, Kommunen, Verarbeitern. Es braucht jemand vor Ort – in unserer Region – der vernetzt, das Bewusstsein schärft, Möglichkeiten aufzeigt und mit uns Lösungen findet.“ Dem stimmte auch Bernhard Schreyer, Landwirt aus dem Oberen Werntal zu. Als Mitglied der dortigen Steuerungsgruppe spielt für ihn auch die Bildungsarbeit der Öko-Modellregion sowohl für Verbraucher, aber auch für Landwirte ein wichtige Rolle.

 

Impulsreferent Franz Keil, Obmann der Bioheuregion Trumer Seenland in Österreich, unterstrich als Vorreiter in diesem Bereich, dass die Vernetzung und Zusammenarbeit vieler Akteure und die Konzentration auf das, was eine Region ausmacht, zukunftsweisend und erfolgversprechend sind. Die Bioheuregion praktiziere diese Zusammenarbeit seit 20 Jahren sehr erfolgreich und könne damit auch ein Vorbild für die Öko-Modellregionen sein.

 

Als Beispiele für die Vernetzung zwischen Landwirten und Verarbeitern auf der Basis regionaler Lösungen waren Frau Sina Nagl, Geschäftsführerin von Barnhouse, Hans Reichl vom Verband der Biohotels und Herr Josef Stellner, kaufmännischer Leiter von Byodo bei der Talkrunde vertreten. „Wir wollen regionale Rohstoffe und sind bereit, dafür einen fairen Preis zu zahlen und dauerhafte Lieferbeziehungen einzugehen“, war das Statement von Allen. Denn nur, wenn größere Verarbeiter dazu bereit sind, können sich Erzeugergemeinschaften oder dauerhafte und verlässliche Geschäftsbeziehungen bilden. So kann langfristig auch die Landwirtschaft in Bayern am Wachstum der Branche teilhaben.

 

So sahen das auch die zwei Impulsreferenten Dr. Franz Ehrnsperger von der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller und Firmeninhaber der Neumarkter Lammsbräu sowie Ramona Friedrich von der Katholischen Landjugendbewegung Bayern. Beide Organisationen haben den Pakt für den ökologischen Landbau unterschrieben, den das Staatsministerium mit verschiedenen Betrieben und Verbänden der Branche 2015 geschlossen hat. Ziel ist es den ökologischen Landbau in Bayern gemeinsam voranzubringen. Dr. Franz Ehrnsperger betonte, dass Bayern regionale Lösungen benötige, gerade im Biobereich. Er lobte das bisher Erreichte, nicht nur die großen Projekte, sondern auch gerade die kleinen Initiativen, wie den Bio-Burger aus dem Steinwald oder das Flaschlbrot aus Waging. „Solche Projekte und Initiative brauchen wir und ganz besonders auch die engagierten Menschen dahinter, die den Unterschied machen“, so Dr. Franz Ehrnsperger.

 

Da wundert es auch nicht, dass für Willi Perzl vom ALE Oberpfalz die Öko-Modellregionen die Kraft haben, viele innovative Macher der Region zu versammeln und so das Leitbild der ländlichen Entwicklung in die Praxis umzusetzen.