Handarbeit, die sich auszahlt

28.04.2016

Projekt: Kräuteranbau - eine Alternative für kleine Betriebe

Mühlviertler Bergkräuter-Genossenschaft informierte im Agrarzentrum Kringell über biologischen Kräuteranbau
Text von Gabriele Blachnik

Rechnet sich der Einstieg in den ökologischen Kräuteranbau? Dieser Frage ging eine Veranstaltung in der Akademie für ökologischen Landbau Kringell nach. Aus 30 Jahren Praxis referierten dazu Mitglieder der Österreichischen Bergkräutergenossenschaft aus Hirschbach im Mühlkreis. Sie beantworteten die Frage unterm Strich mit einem klaren Ja.

Mit Erfolgszahlen seiner Genossenschaft machte Geschäftsführer Karl Dirnberger den Kräuteranbau schmackhaft. Die 54 Mitglieds-Betriebe im Bezirk Rohrbach erzeugen heute pro Jahr rund 200 Tonnen getrocknete Kräuter, ausschließlich im biologischen Anbau. Davon geht ein Viertel als Rohware in den internationalen Großhandel. Hauptabnehmer ist Deutschland. So stammen beispielsweise die Biotees der Teekette Gschwendner aus der Mühlviertler Genossenschaft. Die übrige Ernte wird für den Lebensmittelhandel und andere Abnehmer vor Ort aufbereitet. Die Nachfrage sei so groß, dass die Genossenschaft sie gar nicht decken könne, sagte Dirnberger.

Obmann Alois Resch berichtete aus der Praxis. Sein Betrieb setze sich aus Tierhaltung, Ackerbau und drei Hektar Blattkräuteranbau zusammen. Damit könne er die notwendige Fruchtfolge gewährleisten und es falle außerdem natürlicher Dünger an. Mit Zitronenmelisse, Pfefferminze, Frauenmantel und Liebstöckel baue er nur mehrjährige Blattkräuter an. Die 50000 bis 60000 Jungpflanzen, die er pro Hektar braucht, bezieht er aus Vilshofen. Für 1000 Pflanzen zahle er 70 Euro. Nach drei bis sechs Jahren wechselt er auf Getreide oder Kleegras, auch ein Fruchtwechsel unter den Kräuterarten sei möglich. Geerntet wird mehrmals im Jahr, je nach Pflanzenart und Witterung.

Resch verheimlichte nicht, dass der Kräuteranbau mit „enormen Handarbeitszeiten“ verbunden ist. Denn nur unkrautfreie Felder sind zur Ernte geeignet. Die meisten Betriebe der Genossenschaft beschäftigen Helfer zum saisonalen Reihen-Jäten. Er erledige die Arbeit zusammen mit seiner Frau allein. Insgesamt müsse man bei den Blatt- und Blütenkulturen wie etwa der Ringelblume 200 bis 400 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr veranschlagen. Er selbst erwirtschafte als Vollerwerbslandwirt 70 Prozent seines Einkommens aus dem Kräuteranbau. Wenig Probleme gebe es mit Wildverbiss oder Schädlingen. Allerdings seien neben den herkömmlichen Feldmaschinen eine geeignete Hacktechnik, spezielle Erntegeräte und eine Trocknungsanlage erforderlich. In der Genossenschaft nutzen die Kräuterbetriebe viele Geräte gemeinschaftlich. Sein abschließender Ratschlag an interessierte Landwirte: „Lieber klein anfangen und erst mal testen.“

Betriebswirt Stefan Binder rechnete vor, welche konkreten Gewinne mit dem Kräuteranbau zu erzielen sind. Grundsätzlich gebe es „eine hohe Wertschöpfung aus wenig Fläche“. Vorausgesetzt, man wählt die Anbauflächen gut aus und achtet auf Qualität. Diese wird bei der Ernte pro gelieferter Charge untersucht. Bei Trockenware von höchster Qualität könne ein Gewinn von etwa 6000 bis 8000 Euro pro Hektar erzielt werden. Lohnarbeitskosten gingen davon noch ab.

Das Interesse an der Thematik war so groß, dass der Lehrsaal in Kringell die Zuhörer kaum fasste. Viele Landwirte äußerten Fragen, auf die sie sachkundige Antwort bekamen. Veranstaltet hatten den Infoabend Corinna Ullrich von der „Öko-Modellregion Ilzer Land“ und Peter Ranzinger von der Stabstelle Klimaschutz des Landkreises Passau. Sie kündigten für die nächsten Monate auch Exkursionen zu Betrieben an. Dabei wird es auch um den Flachs- und Hanfanbau gehen.

Nähere Informationen: www.bergkraeuter.at