Isentaler des Monats April 2017 – Wildbienen – die unterschätzten Wirtschaftsdienstleister

01.04.2017

Wer sich in der außergewöhnlich warmen letzten Märzwoche viel im Garten aufhalten konnte, hat das Brummen und Summen an den ersten zarten Frühblühern bestimmt bemerkt. Dicke Hummeln schaukeln und saugen an den Blüten und bei genauerem Betrachten konnte man auch noch kleinere pelzige Gesellen herumschwirren sehen: Wildbienen, die es aus ihren Verstecken zu den Nahrungsquellen lockt.

Mit dem Begriff Biene verbinden die meisten Menschen die Honigbiene. Tatsächlich ist die domestizierte Biene des Imkers nur eine von über 550 allein in Deutschland nachgewiesenen Bienenarten. Weltweit sind bislang über 17 000 Arten von der Wissenschaft beschrieben worden. Wildbienen können keinen Honig produzieren, stattdessen haben sie jedoch eine bislang weit unterschätzte Bedeutung als Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen. Dies ist nur ein Grund, warum sie der Gesetzgeber durch die Bundesartenschutzverordnung unter besonderen Schutz gestellt hat. Ihr Einsatz für die Saatgutproduktion oder die Pflanzenzüchtung ist wesentlich kostengünstiger als der von Honigbienen. Aufgrund ihrer hohen Bestäubungseffizienz wird die Zahl der Nutzbienen steigen. Beispielsweise werden Hummeln in Tomaten-Gewächshäusern, Mauerbienen im Obstbau und der Mandelkultur und Blattschneiderbienen im Luzerneanbau eingesetzt.

Wildbienen trifft man vom zeitigen Frühjahr bis zum Herbst in den unterschiedlichsten Lebensräumen in der Landschaft an. Selbst in Hausgärten kann eine ganze Reihe von Arten leben, vorausgesetzt, sie finden dort vor, was sie für die Versorgung ihrer Brut benötigen. Nistplatz, Nahrungspflanzen in ausreichender Menge und Baumaterial für die Brutzellen müssen zur Verfügung stehen. Charakteristische Lebensräume sind sonnenbeschienene und strukturreiche Waldränder, blütenreiche Wiesen, Sand-, Kies- und Lehmgruben, Feldraine und Straßenböschungen, Hochstauden an Graben- und Gewässerrändern, Steinbrüche und Trockenmauern, sowie Steilwände aus Sand, Lehm oder Löss.

Alle Wildbienen, mit Ausnahme parasitierender Arten, benötigen einen Ort, an dem sie ihr Nest bauen können, z.B. in die Erde gegraben, in Tot- und Morschholz und markhaltigen Pflanzenstängeln, in leeren Schneckenhäusern und an Steinen und Felsen gemörtelt. In den vergangenen Jahrzehnten ist für viele Bienenarten ein anhaltend starker Rückgang festzustellen. Knapp 300 Arten von ca. 550 in Deutschland sind in ihren Beständen mehr oder weniger gefährdet. Allein 30 Arten drohen in Deutschland ganz zu erlöschen, sofern die notwendigen Schutzmaßnahmen ausbleiben oder nicht erfolgreich sind. Die Ursachen der Gefährdung sind vielfältig, jedoch stets in immer intensiveren Eingriffen des Menschen in die Ökosysteme zu suchen. So sind die Zerstörung von Nistplätzen und die Vernichtung bzw. Verminderung des Nahrungsangebots, insbesondere der Pollenquellen, die Hauptursachen des starken Rückgangs der Wildbienen.

Um die liebenswerten Bienen zu erhalten, können Maßnahmen wie z.B. Aufstellen von Nisthilfen in privaten Gärten, Kindergärten und Schulen sinnvoll sein. Aber auch die Schaffung von Nahrungsquellen gehört unweigerlich dazu. Dies kann durch Anlage einer artenreichen Blumenwiese mit heimischen Kräutern, bienenfreundlichen Pflanzen in Balkonkästen oder auf der Terrasse sowie Dachbegrünungen sein. Als Nahrungsquellen für die Wildbienen ungeeignete Pflanzen sind Blühmischungen mit fremdländischen Pflanzen wie z.B. Ringelblume, Goldmohn, Schmuckkörbchen und Roter Lein. Diese Pflanzen sind pollenlos und haben gefüllte Blüten, weshalb die Wildbienen an die Pollen oder den Nektar nicht herankommen. Die besten Nisthilfen und ein noch so blütenreicher Garten ersparen bzw. ersetzen nicht die Schutzmaßnahmen in der freien Landschaft. Viele Arten der Wildbienen können aufgrund ganz spezieller ökologischer Ansprüche nicht im Wohnumfeld des Menschen existieren, da sie an Lebensräume gebunden sind, die es hier nicht gibt oder die hier nicht zu schaffen sind.