Isentaler des Monats Mai 2017 – Ein „blendender Schleicher“

01.05.2017

Der Isentaler des Monats ist ein „blendender Schleicher“ – die Blindschleiche. Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass die Blindschleiche blind sei. Der Name wird auf das Althochdeutsche „plintslîcho“ zurückgeführt, was so viel wie „blendender oder blinkender Schleicher“ bedeutet. Er bezieht sich auf die glänzenden, glatten Schuppen und die „schleichende“ Fortbewegung. Die heimische Echse wird oft mit einer Schlage verwechselt, da sie keine Beine hat. Die Blindschleiche kann bis zu einen halben Meter lang werden. Sie kann in freier Wildbahn bis zu vierzig Jahre alt werden. Meist findet man Tiere, die ihre ursprüngliche Größe durch das Abwerfen eines Schwanzteiles verloren haben. Die Echse hat mehrere Sollbruchstellen am Schwanz. Diese dienen der Feindabwehr. Der Schwanz wächst im Gegensatz zu den der verwandten Eidechsen jedoch nicht nach.

Die Blindschleiche nutzt verschiedenste Lebensräume. Man findet sie in lichten Laubwäldern, an Hecken, Moorrändern, auf Brachen, Wiesen, an Bahndämmen, Wegrändern und in naturnahen Gärten der Siedlungsränder. Auf Wegen werden sie beim Sonnenbaden oft überfahren. Gerne nutzt die Schleiche geschützt gelegene trockene Sonnenplätze wie z.B. Totholz, offene Bodenstellen oder Grasbulte. Den Winter verbringen Blindschleichen in Kältestarre, wie z. B. in Erdlöchern, unter Baumwurzeln, in Komposthaufen oder in Brennholzstapeln. Regelmäßig findet die Überwinterung gesellig statt, die dann bis zu dreißig Tiere zählen kann.

Im Laufe des Oktobers ziehen sich die Blindschleichen in ihren Winterunterschlupf zurück. Ab März kommen sie wieder ans Tageslicht. Die Paarungszeit findet im Frühsommer statt. Nach drei Monaten Tragzeit bringen die Weibchen bis zu zwölf Junge zur Welt. Die bis zu zehn Zentimeter langen Echsen befinden sich in einer dünnen und durchsichtigen Eihülle, die sie nach der Eiablage sofort durchstoßen und verlassen. Die meist tagaktiven Blindschleichen jagen bevorzugt Nacktschnecken, Regenwürmer und unbehaarte Raupen. Ihr nach hinten gekrümmtes Gebiss hilft ihnen beim Festhalten der glitschigen Beutetiere.

Zum Fressen gerne haben die Blindschleichen Schlangen, Fuchs, Dachs, Igel und Ratten. Der Mensch und Hauskatzen sind jedoch die größten Feinde. Die Blindschleiche war ein Kulturfolger und profitierte von der traditionellen, kleinteiligen Landwirtschaft in Mitteleuropa. In der heutigen Landschaft erleidet die Art hohe Verluste durch intensive Land- und Forstwirtschaft, Siedlungs- und Straßenbau, die Beseitigung von Versteckplätzen und vieles mehr. Schneckenkorn stellt eine Vergiftungsgefahr für sie dar. Die Blindschleiche ist geschützt und darf nicht gefangen werden. Am besten lässt man sie in Ruhe und fasst sie nicht an.