Isentaler des Monats März 2018 – Honig- und Wildbienen – ein Dreamteam

01.03.2018

Die Veranstaltung „Landwirtschaft und Bienen – eine Symbiose“ in Stierberg am 22. Februar war so gut besucht, dass die Räumlichkeit schnell zu klein wurde. Das Thema Insektensterben bewegt doch viele Menschen verschiedenster Berufssparten, wie die Veranstaltung gezeigt hat. Honigbienen allein reichen nicht aus, um die Bestäubung unserer Kulturpflanzen zu gewährleisten. Wildbienen erhöhen überall auf der Erde den Fruchtansatz und damit die Erträge, selbst wenn bereits viele Honigbienen ein Feld besuchen. In den heutigen Agrarlandschaften geht die Zahl wilder Bestäuber zurück. Das ist das Ergebnis eines internationalen Forscherteams, das die Bestäubungsleistung von Wildbienen und Honigbienen im globalen Maßstab verglichen. Sie wollten herausfinden, ob Honigbienen die Bestäubung von Kulturpflanzen alleine gewährleisten können und wie sich der Verlust wilder Bestäuber auf die Erträge wichtiger Nutzpflanzen auswirkt. Es wurden mehr als 41 verschiedene Anbausysteme untersucht: Obstkulturen, Getreide, Nüsse und Kaffee; von ausgedehnten Monokulturen bis hin zur diversifizierten Kleinfelderwirtschaft.

Blütenpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, um Früchte und Samen auszubilden. Heute ist es daher gängige Praxis, Honigbienen in Rapsfelder, Sonnenblumen-, Erdbeer- oder Blaubeerplantagen zu bringen, damit sie dort die Blüten bestäuben. Honigbienen können nur einen Grundertrag der Ernte sicherstellen. Höhere und stabilere Erträge könnte die Landwirtschaft erzielen, wenn sie die Bestäubungsleistung wildlebender Insekten überall optimal nutzen würde.

Wildlebende Bienen wie Hummeln, Mauerbienen und Blattschneiderbienen leben in natürlichen oder naturnahen Lebensräumen wie beispielsweise an Waldrändern, Hecken oder Grasland. Dort finden sie Nahrung und Nistplätze. Die intensive Landwirtschaft lässt immer weniger Raum für wilde Insekten. Randflächen werden systematisch in Ackerland umgewandelt. Auch Pestizide, großflächige Monokulturen und Parasiten bedrohen die Populationen. Die fortschreitende Flächenversiegelung tut noch ihr Übriges dazu. In vielen Agrarlandschaften hat die Insektenvielfalt und Anzahl bereits deutlich abgenommen. In der Folge werden auch Nutzpflanzen seltener von wilden Bestäubern besucht.

Wie sich zeigt, spielt die Artenvielfalt in Agrarlandschaften eine große Rolle für die Sicherung der landwirtschaftlichen Erträge. Eine große Anzahl wildlebender Insekten steigert in allen Anbausystemen den Anteil befruchteter Blüten. Honigbienen erreichen diesen positiven Effekt nur in 14 Prozent der untersuchten Anbausysteme. 100 Honigbienen plus 50 Wildbienen bestäuben ein Feld viel effektiver als 150 Honigbienen. Dies führt zum Umkehrschluss, dass mit einem Rückgang der Wildbienenpopulation die Bestäubungsleistung dramatisch sinken könnte. Frucht- und samenreiche Kulturen wie Tomaten und Beerenobst wären hiervon besonders betroffen. Denn ihr Ertrag ist dadurch begrenzt, dass viele Blüten nicht adäquat befruchtet werden. Honigbienen allein können wilde Bestäuber nicht ersetzen. Biodiversität und landwirtschaftliche Produktion sind untrennbar miteinander verknüpft. Die Bestäubungsrate im Feld steigt mit der Anzahl und Vielfalt der Bestäuber. In den Agrarlandschaften ist die Artenvielfalt der Bestäuber wichtig, weil auch Honigbienen in vielen Gegenden immer seltener werden.
Ein Bestäuber freundliches Landmanagement kann dazu beitragen, die globalen Erträge vieler Kulturpflanzen weiter zu steigern und nachhaltig zu sichern. Wie kann die Biodiversität wildlebender Insekten in Agrarlandschaften gefördert werden? Indem wir Lebensräume für Honigbienen und Wildbienen schaffen. Maßnahmen hierzu sind der Schutz und die Renaturierung naturnaher Lebensräume und blütenreichere Landschaften, zum Beispiel durch das Anlegen von Blühstreifen und Hecken, blühende Stilllegungsflächen und Untersaaten, vielfältige Fruchtfolgen sowie die Förderung von Nistmöglichkeiten für wildlebende Bestäuber. Zudem gilt es nachhaltige Anbauverfahren zu etablieren und Pflanzenschutzmittel selektiver oder am besten erst gar nicht auszubringen.

Quelle:
Garibaldi L.A. et al. (2013): Wild pollinators enhance fruit set of crops regardless of honey-bee abundance. In: Science, (28. Februar 2013), DOI: 10.1126/science.1230200.