Gertraud und Leo Häckl

Gemeinsam umstellen

Gertraud und Leo Häckl
© Daniel Delang

Leo Häckl kokettiert gerne mit der Vielfalt auf seinem Betrieb „Mei, ich hab halt vergessen, mich zu spezialisieren“, so der gelernte Landwirt augenzwinkernd. Die mangelnde Spezialisierung wäre ihm mit seinen Milchkühen und den Zuchtsauen, als er noch konventionell arbeitete, fast zum Verhängnis geworden. „In den letzten zehn bis zwanzig Jahren hat sich die Fleischindustrie enorm verändert und spezialisiert. Es gibt Höfe für Muttersauen, Höfe für die Ferkel bis 20 Kilo und Betriebe zum Ausmästen. Die Deckungsbeiträge sind knapp kalkuliert, die Investitionen enorm. 15.000 Euro für einen Abferkelplatz sind normal“, erklärt Leo Häckl.
Dass er da nicht mitspielen kann und will, das war ihm sofort klar. Biogasanlagen und Großviehställe treiben die Pachtpreise, das Risiko einer Spezialisierung und der damit verbundenen enormen Verschuldung hält er für nicht kalkulierbar. Dabei geht es ihm nicht nur um die Größe: Die finanzielle Belastung und die Arbeitsbelastung am Hof führen viele Landwirte in den Burn-out. Darüber spricht niemand gerne, aber die Bauern untereinander wissen es natürlich.
Auch das viele Düngen und der Pestizideinsatz am Acker widerstreben ihm immer mehr. Den Biogedanken fand er immer schon spannend. Doch in einem Segment, das derart aufeinander aufbaut wie die Schweinehaltung, ist man auch abhängig. „Wohin mit den Ferkeln, wenn die Kollegen nicht mitspielen?“ Mehr zufällig als aus Absicht gehen alle zusammen zum Vortrag eines Bioberaters. Als auch ein Kollege begeistert ist, eröffnet das für ihn eine Perspektive.
Was er sich von der Landwirtschaft der Zukunft wünscht? Zurück zum richtigen Maß, zur Fairness. Dass der Wettbewerb um Flächen endlich ein Ende findet. Und dass der Bio-Milchmarkt vom Teufelskreis der steigenden Milchpreise, der sofort steigenden Milchproduktion und den wieder sinkenden Preisen verschont bleibt.
Um den Ökolandbau voranzubringen, trägt Leo Häckl sich auch mit einem neuen Gedanken: Der erste Oberpfälzer Biokarpfen wäre möglich. Wenn es nur Bio-Setzlinge gäbe und der Otter keinen Strich durch die Rechnung macht. Denn was der Fuchs für den Hühnerstall, ist der Otter für die Teichwirtschaft. Nur dass der Otter zusätzlich noch unter strengem Schutz steht. Denn der soll auch in der Oberpfalz wieder heimisch werden. Da geht es den Fischteichwirten ähnlich wie den Schäfern beim Wolf. Interessenkonflikte zwischen Tierschützern und Landwirten, die schließlich auch ihren Beitrag zur Artenvielfalt und zum Naturschutz leisten und auch noch das wirtschaftliche Risiko tragen, sind da vorprogrammiert. Das macht eine Entscheidung schwierig. Aber in der Zwischenzeit kann er sich schon mal über das bisher Erreichte freuen – und vielleicht weitere Kollegen für den Öko-Landbau begeistern. Denn: Zusammen ist man weniger allein.

Region: Stiftland