Korbinian und Julia Arzberger: Diversifizierung und ganz viel Herzblut

Dynamisches, junges Betriebsleiterpaar setzt auf mehrere Betriebszweige

Familie Arzberger mit Nachwuchs und Hund im Pferdestall

Familie Arzberger mit Nachwuchs und Hund im Pferdestall
© Daniel Delang

Korbinian liebt Tiere. Schon sein ganzes Leben lang. Er studiert Agrarwissenschaften. Dann kommt die Gelegenheit: Er kann den Hof der Großeltern übernehmen, der Onkel hatte die Fläche nur noch verpachtet. Zusammen mit seiner Frau Julia wagt er sich an das Experiment und belebt die alte Hofstelle. Anfangs mit Pferden. „Wir hatten eigene und haben gleich einen Stall für zwölf Tiere gebaut, damit wollten wir die Kosten für unsere eigenen Tiere hereinwirtschaften. Ein alter Bulldog war noch da und Heu für die Tiere in der ersten Saison. Das erste Konzept geht auf. Bald zeigt sich, dass dies nur der erste Schritt zu einem Hof mit unzähligen Tieren wird „Mir war schon früh klar, den Korbinian gibt es nur zusammen mit Tieren. Wir sind jetzt seit 16 Jahren zusammen und ich kenne und schätze seine Tierliebe“, gesteht Julia.

Seit zehn Jahren züchtet er Hühner und seine Arbeit ist mittlerweile Bestandteil eines Programms von Bioland. „Wir halten Coffee&Cream und Bresse Gauloise, insgesamt 700 Stück, etwa die Hälfte davon männliche Masthähnchen und die anderen Hälfte Legehennen. Die Leistung dieser Zweinutzungsrasse liegt bei 220 Stück, im Vergleich zu 300 bei den rein auf Legeleistung gezüchteten.“ Wie sich diese Hühnerhaltung wirtschaftlich betreiben lässt und was der richtige Preis ist, ist Teil des Bioland-Programms. Nicht als Züchter, aber als Halter kommen zu den Hühnern noch 400 Enten dazu.
Julia entdeckt derweil ihre Leidenschaft für Rinder, Galloways haben es ihr nach einem Besuch bei Kollegen angetan. „Korbinian muss bei Tieren nicht überzeugt werden und so kam die erste trächtige Mutterkuh und eine Kalbin auf den Hof. Dann kam das Kalb, und wir kauften ein weiteres, damit es nicht allein ist. Dann mussten die Kühe tragend werden und es kam der erste Stier. Dann kamen Leute und fragten nach Fleisch. Also haben wir einen Jungbullen angeschafft“ ‒ auf diese Weise erweitert sich die Herde sukzessive auf mittlerweile 35 Tiere. Dabei sind alle Galloway-Rassen bunt gemischt.
Der Absatz war von vornherein kein Problem. Mittlerweile 600 Kunden sind im Verteiler, daneben ist die Ökokiste Kössnach ein wichtiger Abnehmer – und auch Arbeitgeber für Julia, die beruflich den Online-Shop der Ökokiste betreut und den Bürojob als willkommene Abwechslung sieht. „Die Mutterkühe, der Haushalt, die Arbeit und unser zweijähriger Nepomuk halten mich zwar ganz schön auf Trab, aber ich habe ein erfülltes Leben und bin rundum glücklich.“ Das kann man sehen und glaubt es ihr gerne.
Die Entwicklung des Betriebes ging noch weiter: „Nachdem wir einige Zeit also nur Hähnchen und Rind gegessen haben, kamen Gelüste auf einen richtig guten Schweinebraten“, erzählt Korbinian. Er wäre nicht er, wenn dieses Verlangen als Konsequenz nicht den Kauf eines lebenden Schweines nach sich gezogen hätte. So ziehen zwei Schweine in einen selbstgebauten Mobilstall als Weideschweine. Und wieder ist es wie schon mit den Rindern: Die Kunden warten schon auf das Fleisch und Korbinian hat seine Mühe, dass ihm wenigstens der Braten bleibt. „Die Ferkel waren ganz schön teuer und auch nicht immer wirklich gesund. Also dachte ich mir, ich hole eine Muttersau. Also, zwei damit die eine nicht so einsam ist.“ So Korbinian strahlend. Dann kommt der Eber, zum Decken. „Das war ein Erlebnis. Der junge Eber – er war damals keine sechs Monate alt und echt noch klein, sprang direkt vom Anhänger runter auf die erste Sau. So fruchtbar ist er geblieben und wir haben – alles zusammen an die 95 Sauen, Mastschweine, Ferkel und eben den einen Eber, der mittlerweile ein echtes Schwergewicht ist. Das Schweinefleisch kommt ebenso gut an wie die anderen Fleischarten vom Hof. „Ich mag diese Arbeit, das Leben mit den Tieren und ich bin auch wirklich stolz auf die Qualität, kann wirklich mit Fug und Recht behaupten, dass man diese Qualität suchen muss.

Der Erfolg hat bestimmt viel mit der Tierliebe der beiden zu tun. Auch beim letzten Gang ist es ihnen wichtig, die Tiere gut zu behandeln: Die Galloways werden mit Weideschuss getötet, die Schweine bringen sie selber zum Schlachter, der nur zehn Autominuten entfernt ist. Das fällt beiden nicht leicht, aber es gehört dazu. In Summe haben sich die beiden einen Traum erfüllt: „Wir werden mit diesem Hof niemals reich werden, unsere Freunde verdienen deutlich mehr als wir. Aber wir leben ein Leben mit der Natur, den Tieren, genau nach unseren Vorstellungen und ich möchte mit niemanden tauschen“, erzählt Julia begeistert.

Region: Stadt.Land.Regensburg