Matthias und Kerstin Frank – Straußenfarm Mitterhof

Mit Exoten und Unternehmergeist

Kerstin und Matthias Frank
© Daniel Delang

Jedesmal, wenn Matthias Frank am Mitterhof vorbeifuhr, um seine Mutter zu besuchen, gab es ihm einen Stich ins Herz: Er sah, wie der schöne alte Mitterhof des Klosters Waldsassen zunehmend verfiel. Einst war das Anwesen der größte landwirtschaftliche Betrieb der nördlichen Oberpfalz. Doch als er Kerstin, seiner Frau, von seiner Idee erzählt, den Mitterhof zu erwerben, wehrt sie zunächst ab: "Du spinnst. Wer soll das bezahlen?" Denn der Hof steht unter Denkmalschutz und die Renovierungskosten sind erheblich, auch wenn der Kaufpreis niedrig ist.
Dennoch – nach ersten Bedenken wagen sie es. Und entscheiden sich dafür, auf dem Hof Tiere zu halten. Doch welche? Die Stallungen sind für die übliche Tierunterbringung nicht mehr geeignet, aber die arrondierten, flachen und langen Wiesen ideal für Arten, die viel Bewegung brauchen – wie eben Strauße. Das ist eher ungewöhnlich für die Gegend. Doch die Strauße am Hof lösen eine gewisse Dynamik aus: Bedingt durch die Lage direkt an einem beliebten Wanderweg, schauen bald die ersten neugierigen Wanderer vorbei. So wurden die Hofführungen geboren. Die Gäste wollen Kaffee und Kuchen, ein Hofcafé wird eingerichtet und von Kerstin – tatkräftig von der Mutter unterstützt – betrieben. Sie ist eine begnadete Kuchenbäckerin und die Menschen kommen von weit her um die Straußen zu bewundern und die leckeren Kuchen zu verspeisen.
Matthias denkt an einen Archehof. Seine Versuche, Kaninchen zu züchten, scheitern, weil keiner die süßen Viecher essen mag. So entsteht ein Streichelzoo für die Kinder. Aber wenn schon keine Kaninchen, dann wenigstens Weideschweine: Mangalitza Wollschweine und rotbuntes Husumer Sattelschwein werden es – beide Rassen stehen auf der Liste der bedrohten Haustierrassen der GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen)
Und weil keiner weiß, wie man das recht magere Fleisch von Straußen oder dem von den eher fettreichen Schweinen richtig zubereitet, bietet der leidenschaftliche Koch Matthias Dinnerabende an – mal für Straußenfleisch, mal für Spezialitäten mit Schweinefleisch -und siehe da: Beide werden ein Erfolg wie die Führungen und das Café.
Mit der Corona-Krise steht das Unternehmerpaar vor der größten Herausforderung: Die Busse – weg, die sonntäglichen Besucher – weg. Bei schönstem Osterwetter sitzt keiner im Garten.
Da könnte man schnell verzweifeln. Es kommt anders: „Alle haben Nudeln gekauft, da dachte ich: die brauchen dann auch eine gute Soße.“, so Matthias. Sie beginnen, Soßen einzukochen und andere Köstlichkeiten, bieten sonntags Mittagessen und Kuchen to go. Und siehe da: Die Gäste bleiben treu auch das Soßenangebot wird gerne angenommen.
Nun hoffen Matthias und Kerstin, bald mit der Renovierung einzelner Gebäudeteile beginnen zu können, damit der Mitterhof in altem-neuen Glanz erstrahlt und die Geschichte einer naturnahen Landwirtschaft noch lange erzählen kann.

Region: Stiftland