Michael Fick

Münzinghof - eine ungewöhnliche Dorfgemeinschaft

Michael Fick

Michael Fick
© Daniel Delang

Als junger Student lernt Michael Fick den Münzinghof kennen. „Ich war damals Sommer-Aushilfspraktikant.“ Die Erfahrung lässt ihn nicht mehr los. Gemeinschaft, Leben und Arbeiten an einem Ort. Er beendet sein Studium der Physik und kehrt dann zurück an den Hof, zur Gemeinschaft, wo er auch seine heutige Frau Gerlinde Bogner kennenlernt. Ein Physiker als Landwirt und Käser? Wie lässt sich das verbinden?

„Ach, das finde ich gar nicht so wesensfremd. In beiden gibt es so ziemlich dieselbe Konstante: zu wissen, dass es Probleme geben wird und dass man dafür Lösungen braucht. Das wird in der Landwirtschaft sehr praktisch umgesetzt, praktische Physik, die mich immer gereizt hat. Schließlich ist es keine Option, die Kühe nicht zu melken, wenn der Melkstand ausfällt. Dann braucht es ganz schnell eine Lösung.“ Damit er für die Aufgabe gerüstet ist, macht er auch eine Landwirtschaftslehre und belegt Käsekurse. Anfangs wurde noch wenig verarbeitet. Als dann 1992 der alte Stall abbrennt, wird im Aufbau auch die Käserei mit geplant. Das Produktsortiment kann sich sehen lassen: zu Joghurt, Quark und verschiedenen Frischkäse als sogenannte „weiße Linie“ gibt es auch noch Camembert, einen köstlichen Blauschimmelweichkäse, verschiedenste Käsecrèmes und aktuell acht verschiedene Schnittkäsesorten. Auch in der Käserei ist alles jeden Tag anders: Je nach Futter der Tiere, den genauen Zeiten, den Temperaturen wird der Käsebruch und in der Folge der Käse immer minimal anders. „Im Handwerk ist es so, dass die Abläufe zwar jeden Tag gleich sind, aber das Ergebnis immer ein bisschen verschieden.“ Unterstützt wird Michael von Menschen mit besonderem Pflegebedarf, denen ihre Arbeit sichtlich Freude macht und die ganz stolz davon erzählen.
Neben der Käserei ist gleich die Bäckerei, hier wird untertags gebacken, damit der Aufwand für die Bäcker und die vielen Helfer nicht zu groß wird. Alles handwerklich und biodynamisch ‒ anstatt um sieben Uhr morgens gibt es das Brot und die Backwaren hier um 16 Uhr. Duftend und ofenwarm.
In der Gemeinschaft gibt es neben der Landwirtschaft mit Bäckerei und Käserei sowie der Gärtnerei noch weitere Werkstätten: Hauswirtschaft, Hausmeisterei, Holzwerkstatt, Kerzenwerkstatt, Metallwerkstatt und Taschenwerkstatt. Die Werkstätten sind als Arbeitsstätte für Menschen mit unterschiedlichen Begabungen zentraler Bestandteil im Dorfalltag.
Das Konzept am Lebensort ist schnell erklärt: In neun Familien leben Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf unter einem Dach. Sie gestalten miteinander die Gemeinschaft und kombinieren Leben und Arbeiten am Ort. In den Familien wird gekocht, geputzt, Wäsche gewaschen. In den Werkstätten und der Landwirtschaft wird miteinander gearbeitet. „Das war für mich das allerreizvollste. Überall sonst legt man so viel Wert auf eine „Work-Life-Balance“, auf die Trennung dessen, was Arbeit und was Freizeit ist. Das fand ich immer irgendwie seltsam. Hier am Ort ist Arbeit Leben und Leben Arbeit, die Trennung verschwimmt, und das finde ich sehr befreiend.“

www.muenzinghof.de
Hofkäserei: https://www.muenzinghof.de/kaeserei.aspx
Kontakt
Gerlinde Bogner, Michael Fick
Telefon: 09152 9297 85
E-Mail: michael.fick@muenzinghof.de

Region: Nürnberg, Nürnberger Land, Roth