Isentaler des Monats Juli 2019 - die Weinbergschnecke

Projekt: Isentaler des Monats

Weinbergschnecke

Weinbergschnecke
© Rosa Kugler

Wer ist immer auf Achse und dennoch immer zu Hause? Die Gehäuse tragenden Schnecken, wie z.B. die größte unserer heimischen Schnecken - die Weinbergschnecke. Die Schwäbische Auster, so wird sie im Volksmund genannt, zählt zur Familie der Schnirkelschnecken und ist in weiten Teilen Mittel- und Südeuropas beheimatet. Sie bewohnt Wegränder, Hecken und Gebüsche, aber auch lichte Wälder und Gärten.

Auch wenn die Weinbergschnecke als einer der bekanntesten Vertreter der europäischen Tierwelt gilt, ist sie heute deutlich seltener anzutreffen als noch vor einigen Jahrzehnten. Deshalb steht sie in einigen Ländern unter Naturschutz. Die kontinuierliche Zerstörung der Lebensräume und der Einsatz von giftigen Pestiziden und Herbiziden macht ihr zu schaffen. Darüber hinaus gelten die beeindruckenden Schnecken in vielen Ländern Europas als beliebte Delikatesse, was ein weiterer Grund für ihre Dezimierung ist.
Eine ausgewachsene Weinbergschnecke kann bis zu zehn Zentimeter lang werden und ihr Gehäuse bis zu fünf Zentimeter Durchmesser erreichen. Dieses besteht aus Kalk und zeigt meist eine linksgängige Spirale. Schnecken, die ein nach rechts gewundenes Gehäuse besitzen, sind äußerst selten und werden als Schneckenkönige bezeichnet. Beschädigungen am Gehäuse kann die Weinbergschnecke bis zu einem gewissen Grad selbst reparieren.
Die Fortbewegung der Weinbergschnecke erfolgt durch einen aus vielen Muskeln bestehenden Kriechfuß. Beim Kriechen sondert sie einen Schleim ab. Dieser schützt das Tier vor Verletzungen und Austrocknung. Bei Gefahr dient der Schleim der Verteidigung gegen Angreifer. Dieser wird aufgeblasen und bildet dabei einen abwehrenden Schaum.
Die tagaktive und einzelgängerische Weinbergschnecke ernährt sich hauptsächlich von Pflanzenmaterial, das sie mit der Radula, ihrer mit winzigen Zähnchen besetzten Zunge zerkleinert. Gelegentlich frisst sie auch tierische Bestandteile wie Aas.
Die Paarungszeit beginnt ab März und dauert bis Mitte Juli. Als Zwitter befruchten sich Weinbergschnecken gegenseitig mithilfe des sogenannten Liebespfeils – ein kleines Kalkstilett. Die erbsengroßen weißen Eier werden anschließend in ein zehn Zentimeter tiefes Loch in der Erde vergraben. Die Jungtiere, die ein noch durchsichtiges Gehäuse besitzen, schlüpfen nach etwa vier Wochen.
Den Winter verbringt die Schnecke im Boden vergraben in ihrem Schneckenhaus, das sie mit einem Kalkpfropfen verschließt.
Weinbergschnecken dienen vielen Säugetieren und Insekten, darunter Ameisen, Igeln, Maulwürfen, Vögeln und großen Käfern als wichtige Nahrungsquelle.
In freier Wildbahn werden Weinbergschnecken etwa vier, in Gefangenschaft bis zu acht Jahre alt.
Die Weinbergschnecke ist geschützt nach der Bundesartenschutzverordnung und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.

01.07.2019

Region: Mühldorfer Land (ehem. Isental)