Karotten stärken die Sehkraft … und Bio-Karotten die Landwirtschaft!

Vielfalt in der Ackerflur

Projekt: Bioackerbau , Biodirektvermarktung

Frisch aus der Erde gezogene Karotten werden zum Probieren weitergereicht.

Karotten probieren
© Amira Zaghdoudi

Verbraucher wollen mehr Bio-Karotten - Bauern auch
Immer mehr Verbaucher*innen entscheiden sich bewusst für Bio-Gemüse, insbesondere Bio-Karotten. Doch schaut man genau hin, kommt die Bio-Karotte im Ladenregal meist von weiter her. „Das muss nicht sein“ sagen wir. Aus unserer Sicht gehören „Bio“ und „Regional“ zusammen.

Gleichzeitig sucht knapp jeder fünfte konventionell wirtschaftende Bauernhof einen sicheren Platz am Bio-Markt, um mit wirtschaftlicher Perspektive auf Ökolandbau umzustellen zu können. Die klassischen Märkte für Getreide, Milch und Fleisch sind seit der letzten Umstellungswelle im Jahr 2015 relativ voll von Ware (ausgenommen die Phase seit Corona). Dass die Erzeuger scheuen in einen Markt voll mit Ware einzusteiegen, bei dem Preisabfälle drohen, ist nachvollziebar. Warum nicht einen neuen Betriebszweig für Karotten starten? Die steigende Nachfrage nach Bio-Karotten spricht dafür.
Dennoch stehen die Erzeuger vor zahlreichen Herausforderungen. Der Landkreis Altötting ist eine traditionelle Getreide-, Milch und Fleisch-Region. Der Anbau von Karotten ist für Erzeuger in der Regel Neuland. Damit einher gehen auch kostspielige Investitionen in neue Anbautechnik. Und ein Kühlhaus zur Lagerung der Ernte wird ebenfalls gebraucht. Wir reden hier schnell einmal von Summen im 6 stelligen Bereich. Solche Investitionen lassen sich für kleine Höfe am besten in Betriebsgemeinschaften stemmen. Doch wo finde ich als Landwirt*in den Berufskollegen, der mitziehen will?
Um die heimischen Bauernhöfe bei diesen Herausforderungen zu bestärken, sind die Öko-Modellregionen Inn-Salzach und Waginger See - Rupertiwinkelsind ein wichtiger Hebel. Sie vernetzten die Bauern zu Kooperationen, organisieren mit Ihnen Beratungsangebote und unterstützen sie beim Aufbau von Lieferketten mit regionalen Verarbeitern und Händlern.

Gemeinsam sind wir stark!
Im Januar 2020 haben die Projektmanagerinnen der Öko-Modellregionen die Gründung einer Arbeitsgruppe aus sechs Betrieben initiiert.
Damit der Stein ins Rollen kommt arbeitet die Arbeitsgruppe an verschiedenen Baustellen gleichzeitig. Zum einen soll geprüft werden an welchen Verkaufsorten in der Region (Supermärkte, Wochenmärkte, Verarbeiter, …) Bio-Karotten gesucht werden.
Gleichzeitig werden Feldexkursionen für die interessierten Höfe organisiert. Denn der Austausch unter Praktikern ist das A und O.
Außerdem soll die gemeinschaftliche Investition und Nutzung von Sä- und Erntegeräten sowie Kühlhäusern organisiert werden.
Alle Hebel gemeinsam ermöglichen, dass sichere regionale Lieferketten aufgebaut werden können und das Nahversorgungsangebot besser wird. Parallel und step by step sollen zusätzlich Anbauversuche zu andere Gemüsesorten starten (Zwiebeln, Kartoffeln, Salat, …). So will die Arbeitsgruppe Hotspots der Vielfalt auf unseren Äckern und ein buntes Landschaftsbild fördern. Denn im Ökolandbau werden keine chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel verwendet. Das kommt der gesamten Natur zu Gute.

Karottenanbau? Yes we can!
2020 sind vier Bio-Bauern mit dem Karotten-Anbau im kleinen Stil gestartet. Ziel war, ein erstes Gefühl für die Pflanzen, die Anbautechnik und die Ernte zu bekommen.
Mit zwei Feldexkursionen zum Betrieb Glück und Betrieb Wichtlhuber nach Tittmoning lieferten Naturland-Fachberaterin Franziska Blind und Bio-Gemüse-Experte Hans Glück langjährige Praxiserfahrung aus erster Hand.
Alle Erzeuger waren mit der Ernte sehr zufrieden. Die erntefrischen Karotten landeten in den Einkaufskörben der Hofkundschaft. Außerdem fanden sie ein sicheres Plätzchen in Hans Lecker‘s Gemüsekiste, dessen Betrieb im nahe gelegenen Laufen liegt. Regionaler geht’s nicht. Mission erfüllt!

Das Fazit zum 1. Anbaujahr
Sehr zufriedenstellend war die Karottenerntemenge. Heraus kamen sehr aromatische Feldfrüchte. Außerdem konnte die die Ernte ruck zuck an den Mann und die Frau gebracht werden.
In Sachen „Aussaattechnik“ und „Unkrautmanagement“ ist noch Luft nach oben. Hier tüftelt die Arbeitsgemeinschaft an alternativen Verfahren. Die große Herausforderung ist nach wie vor die Schaffung einer Kühlhaus-Lagerung. Solange diese fehlt, sind die Betriebe dazu gezwungen kleine Mengen anzubauen, die sie gleich nach der Ernte im Herbst verkaufen können. Ziel ist aber, die Fläche spätestens ab 2022 deutlich zu erhöhen . Denn die Lagerung und Belieferung von Hofläden, Verarbeitern und Händlern soll bis in den späten Winter hinein möglich werden.

Wie geht es weiter?
Die Öko-Modellregionen veranstalteten im Januar 2021 für 12 Betrieben eine Online-Besprechung, in der Erfahrungen aus dem letzten Erntejahr ausgetauscht wurden. Im gleichen Zuge wurde der Anbau im Jahr 2021 geplant. Gutes Signal: Geplant ist, dass der Anbau schon 2021 deutlich ausgeweitet wird. Vier neue Betriebe starten mit Versuchsflächen. Außerdem soll eine Umfrage unter Landwirten*innen einen Überblick geben, wo in der Region vorhandene, noch nicht genutzte, Kühlräume zur Verfügung stünden.
2021 soll die Vermarktung über die neue Ökogenusskiste Waginger See – Inn – Salzach starten. Eine Kiste gefüllt mit Köstlichkeiten, die bisher noch nicht online zu erwerben waren. Dies ist ein weiterer Schritt zum Ausbau sicherer regionaler Lieferketten. Außerdem gehen die Gespräche mit zahlreichen regionalen Lebensmitteleinzelhändlern (EDEKA, REWE, …) und Naturkostläden in die nächste Runde.
Nicht nur der Hunger nach Bio-Karotten steigt. Auch andere Gemüsesorten, die nach den Prinzipien des Ökolandbaus angebaut werden, sind mehr und mehr gefragt. Deswegen starten 2021 auch Anbauversuche zu weiteren Gemüsesorten. Wir halten euch auf dem Laufenden!
Die Projektmanagerinnen der Öko-Modellregionen Inn - Salzach und Waginger See – Rupertiwinkel stehen für Fragen von interessierten Bauernhöfen, Verarbeitern, Händlern und Verbrauchern gerne zur Verfügung.

23.03.2021

Regionen: Inn-Salzach, Waginger See - Rupertiwinkel