Kreative Bio-Köpfe sind gefragt

Fördertopf der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel ab sofort verfügbar

Projekt: Bioackerbau , Biodirektvermarktung , Biofleisch , Biomilch , Bioverarbeiter und Küchen , Ernährungsbildung , Öffentlichkeitsarbeit

Stefan Rehrl aus Saaldorf-Surheim will sein Biogeflügel ohne Transportwege schlachten und würde gern auch Kollegen die Möglichkeit kurzer Wege anbieten.

Stefan Rehrl aus Saaldorf-Surheim will sein Biogeflügel ohne Transportwege schlachten und würde gern auch Kollegen die Möglichkeit kurzer Wege anbieten.
© Karin Kleinert

Waging. Ab sofort bis 14. Dezember 2022 läuft die Antragsfrist für den „Verfügungsrahmen Kleinprojekte“ der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel, mit dem sich kreative Köpfe aus dem Biobereich – sei es in der Erzeugung, Verarbeitung oder Vermarktung – um einen finanziellen Zuschuss für Kleinprojekte bewerben können.

„Unser Roggen-Sauerteigbrot gibt es auf Bestellung, das Backen im Holzofen übernehm ich selbst“, freut sich Christina Frangen, Bäuerin aus Gausburg bei Surheim, die ihre Kreativität bisher in der eigenen Hofkäserei unter Beweis stellt. Die hausgemachten Würstl vom eigenen Bioschwein hängen für die Lufttrocknung schon in der neuen Räucherkammer und bereichern künftig das Hofladensortiment.

Der Holzofen samt Räucherkammer, den das Ehepaar Hans Heinz und Christina Frangen errichtet haben, wurde heuer mit Geld vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE), das zum Bayerischen Landwirtschaftsministerium gehört, bezuschusst. Seit dem Jahr 2022 haben die Bayerischen Ökomodellregionen einen Topf bis jeweils 50.000,-€ jährlich zur Verfügung, mit dem sie dafür sorgen können, dass Kleinprojekte im Bereich Bioerzeugung, -verarbeitung und -vermarktung leichter umgesetzt werden können. Das einzelne Projekt darf höchstens 20.000,-€ netto kosten, dann kann die Ökomodellregion bis zu 50% der Nettokosten bezuschussen. Der Löwenanteil des Zuschusses stammt vom ALE, 10% des Zuschusses werden von den Mitgliedsgemeinden selbst getragen. Der neue Topf für 2023 am ALE soll in wenigen Tagen zur Verfügung stehen, Anträge können ab sofort an die Ökomodellregion gerichtet werden.

„Mir ist das Programm zupass gekommen, weil ich meinen Feldgemüsebau ausbauen möchte und mich dafür etwas stärker mechanisieren muss“, erzählt Markus Hager, Biobauer im Nebenerwerb aus Fridolfing, der sich Ende 2021 um die Unterstützung aus dem Verfügungsrahmen beworben hat. Er hat für sich einen Hackstriegel angeschafft, den er bei Bedarf an Kollegen ausleiht. Diese Chance hat auch Hans Englschallinger genutzt, der zusätzlich zu seiner Biomilcherzeugung ein paar Feldgemüsesorten ausprobiert: „Für den Kartoffelanbau hat sich jetzt mein Dammhäufler erstmalig bewährt, und mit dem neuen Feinsägerät möchte ich Erfahrungen sammeln, welche Gemüsearten für mich arbeitswirtschaftlich machbar und gut zu vermarkten sind“, so der Tittmoninger Bio-Landwirt. „Die Fixkosten sind auch für uns Biobetriebe gestiegen; da möchte ich Chancen nutzen, die sich aus einem lokalen Förderprogramm bei anstehenden Investitionen ergeben“.

Auch Verarbeiter und Händler aus der Ökomodellregion haben sich am Programm beteiligt: Philipp Strohmaier betreibt die Surmühle in Teisendorf und unterstützt mit dem Laborgerät, das er mit Hilfe des Zuschusses erworben hat, die Getreide-Qualitätsmessung „seiner“ Biobauern, die Braugerste oder Laufener Landweizen an die Brauerei Wieninger liefern. Das kleine Bioladl von Thomas Netter auf Selbstbedienungsbasis in Leobendorf hat eine Unverpackt-Station für Bio-Trockenware mit eingebaut, und der Verein Ökogenuss nutzte den finanziellen Rückenwind, um Werbemaßnahmen für seine regionale Ökogenusskiste zu starten.

„Auch Metzger brauchen viel Gemüse“, stellt Gottfried Heilmaier aus Waging klar, der sich für den Ausbau seiner Bio-Feinkostlinie im Glas jetzt eine geförderte Gemüseschälmaschine besorgt hat.
Die Hoffnungen von Landwirten aus dem Bio-Geflügelbereich richten sich auf den Betrieb von Stefan Rehrl in Saaldorf-Surheim, der die Mittel genutzt hat, um seine EU-zertifizierte Hofschlachtung für die Schlachtung von Bio-Geflügel zu erweitern. Damit würden viele Transportwege für Geflügel kürzer werden. Allerdings sind die bürokratischen und finanziellen Hürden für eine EU-Zulassung bei einem Kleinstbetrieb so hoch, dass eine Ausweitung der Schlachtung auf Geflügel von anderen Betrieben erst noch auf Rentabilität geprüft werden muss.

Was alle Antragsteller beachten müssen: Mit dem Auftrag oder der Umsetzung des Kleinprojekts darf keinesfalls begonnen werden, ehe die offizielle Bewilligung dafür vorliegt; es sei denn, es geht um nötige planerische Vorarbeiten oder um eine Baugenehmigung. Auch Umstellungsbetriebe können sich um einen Zuschuss bewerben, wenn ein Öko-Kontrollvertrag vorliegt. Bis Mitte September 2023 muss das Kleinprojekt abgeschlossen sein und danach wird abgerechnet. Die Entscheidung, ob ein Antrag förderfähig ist, liegt bei einem lokalen Gremium, in dem drei Bürgermeister, drei Bioerzeuger und drei Verarbeiter aus der Ökomodellregion sitzen und die Förderanfrage nach festgelegten Kriterien bewerten. Die abschließende Prüfung obliegt dem Amt für ländliche Entwicklung.

Alle interessierten Antragsteller sollten sich möglichst bald im Büro der Ökomodellregion melden, unter oekomodellregion@waging.de oder telefonisch unter 08681/ 4005-37;
Abgabeschluss für die Förderanträge ist Mittwoch, der 14. Dezember 2022.
Alle Förderinfos sind unter dem folgenden Link zu finden: https://www.stmelf.bayern.de/agrarpolitik/foerderung/286531/ (Verfügungsrahmen Ökoprojekte/ Antragstellung Kleinprojektträger).

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19.11.2022

Region: Waginger See - Rupertiwinkel