Mehlschwalbe

Architekturkünstler mit Lehm

Projekt: Heimisch zwischen Inn & Salzach

Mehlschwalbe

Mehlschwalbe
© Bild von Dr. Georg Wietschorke auf Pixabay

Wie man Optik und Artenschutz verbinden kann

Die Oberseite der Mehlschwalbe glänzt metallisch blau-schwarz und hebt sich deshalb gut von ihrem Markenzeichen, dem weißen Bürzel ab. Als Bürzel bezeichnet man den Schwanzansatz des Vogels. Auch zu ihrer weißen Unterseite bildet die dunkle Oberseite einen schönen Kontrast.
Die Mehlschwalbe baut ihre Nester aus feuchtem Lehm und Sandklümpchen. Diese Mischung klebt sie an rau verputzte Hauswände unterhalb des Dachs. Deshalb sind die Kunstflieger auf feuchte Lehmpfützen angewiesen um genügend Baumaterial zu finden. Ursprünglich hat die Mehlschwalbe ihre Nester an Felswände und Küstenklippen geklebt. Man kann sich also gut vorstellen welche Haftkraft das System der kleinen Meisterbauer haben muss. Deshalb verwundert es auch nicht, dass die Mehlschwalbe Nistplätze, also Gebäude, am Gewässer bevorzugt. Dort geht sie auf die Jagd nach Mücken, Fliegen, Eintagsfliegen und Schmetterlingen.
Ab Mitte Mai starten die Mehlschwalben dann ihre Brutsaison. Die 2 bis 6 Eier werden im Lauf der Brutzeit immer gefleckter bis die Küken schlussendlich schlüpfen. Mehlschwalben haben leider nicht unbedingt den besten Ruf. Den größten Imageschaden verursachen ihre Hinterlassenschaften. Die angeklebten Nester hinterlassen Spuren auf den Hausfassaden und auch der Kot stört viele Hausbesitzer. Aber wenigstens dagegen kann man mit einem kleinen Kotbrettchen, also einem waagrecht an der Wand befestigten schmalen Brett, ca. 15 cm unter dem Nest, vorgehen. Die Mehlschwalbe leidet sehr unter dem Verlust von Brutmöglichkeiten, durch den Abriss von Gebäuden, oder durch eine veränderte Struktur der Außenfassade bei Sanierungsmaßnahmen. Auch werden immer noch Nester einfach abgeschlagen, wenn sie stören, da die Mehlschwalbe aber streng geschützt ist, ist das sogar strafbar. Der Rückgang der Insektenpopulation verschlimmert ihre Lage zusätzlich, weil ihre Nahrungsgrundlage sich damit verringert.
Dabei sind Schwalben in den Sommermonaten ein relativ zuverlässiger Wetterbericht. Fliegen die Vögel relativ nah über dem Boden bedeutet das, dass schlechtes Wetter im Anmarsch ist. Und wer möchte denn keinen natürlichen Wetterbericht, der absolut standortgenau funktioniert. Deshalb sollten wir versuchen möglichst im Einklang, gemeinsam mit den Tieren zu wohnen und zu leben. Wer gerne Mehlschwalben ansiedeln möchte, kann ihnen den Start mit einem Nistkasten erleichtern. Der hinterlässt auch keine Spuren an der Fassade. Dabei gehen mehrere Landwirte im Landkreis gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde mit gutem Beispiel voran. Gerade auf Betrieben mit Milchviehställen finden die Tiere meist genügend Insekten um ihre Jungen und sich selbst zu versorgen. Die modernen, lichtdurchfluteten Kuhställe sind aber leider für Schwalben nicht optimal zum Nisten. Deshalb bringen die Landwirte jetzt Nistkästen an um ihnen das Ansiedeln zu erleichtern.

14.06.2021

Region: Inn-Salzach