Ökomodellregion: Rat Laufen vollzieht Kehrtwende

Eigentlich wurde 2018 der Ausstieg beschlossen – Jetzt bleibt Laufen bis mindestens April 2029 Mitglied

Projekt: Kommunales Engagement , Öffentlichkeitsarbeit

Neugier im Stall: Die Landwirtschaft in der Jugendvollzugsanstalt Laufen-Lebenau ist ein Bio-Betrieb. Rindvieher schauen den Beobachter aus ihrem Laufstall an.

Neugier im Stall: Die Landwirtschaft in der Jugendvollzugsanstalt Laufen-Lebenau ist ein Bio-Betrieb.
© Hannes Höfer

Kritik an der Arbeit der Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel hört man praktisch nicht. Stattdessen allerorten Lob für die Arbeit und das Engagement von Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl. Und doch hatte der Laufener Stadtrat im Dezember 2018 mehrheitlich beschlossen, den Verbund der zehn Gemeinden zum Ende 2021 zu verlassen. Der Grund: Man hatte zusätzlich die Biosphärenregion Berchtesgadener Land. Nun also die Kehrtwende: Der Stadtrat beschloss in seiner jüngsten Sitzung, doch weiterhin in der ÖMR zu bleiben. Vorerst bis zum 30. April 2029. Verlängerung möglich.

Warum der Austrittsbeschluss? „Weil die Biosphärenregion zugesichert hat, künftig die gleichen Aufgaben wahrzunehmen wie die Ökomodellregion“, erinnerte Bürgermeister Hans Feil an die damaligen Überlegungen. Im Unterschied zur ÖMR konnte die Biosphäre selbst Fördermittel vergeben. Noch etwas empfand der Rathauschef: „Wir drei BGL-Gemeinden saßen oft zwischen allen Stühlen.“ Zur Erinnerung: Die ÖMR war 2014 zunächst mit den sieben Rupertiwinkel-Gemeinden des Landkreises Traunstein gegründet worden; die Rupertiwinkel-Gemeinden des Berchtesgadener Landes Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Laufen waren 2016 hinzugekommen.

„Inzwischen hat sich an der Situation einiges geändert“, so Feil weiter, der betonte, dass die Biosphäre „hervorragende Arbeit“ leiste, aber eben das Feld ökologische Landwirtschaft nicht so bearbeite wie die ÖMR. „Es hat sich gezeigt: Wir brauchen die ÖMR.“ Das Stadtoberhaupt blickte beispielhaft auf den biozertifizierten städtischen Schlachthof und auf den ersten biozertifizierten Metzger der Stadt.

Verändert haben sich auch die Bedingungen. So haben sich die Ökomodellregionen der ersten Stunde, darunter die heimische, beim bayerischen Landwirtschafts-ministerium für ein Fortsetzung der Förderung eingesetzt, denn die wäre 2022 ausgelaufen. Nun gibt auch weiterhin einen zwanzigprozentigen Personalkostenzuschuss und – neu – eine bis zu 50 Prozent reichende Förderung von Projekten.

Artenvielfalt, Gewässerschutz, nachhaltiger Tourismus in intakter Landschaft, Erhalt einer nachhaltigen Landwirtschaft sowie der bäuerlichen Betriebe listete die Stadt selbst im Sachverhalt die Zielsetzung der ÖMR auf. Nicht zuletzt sehe man ein Alleinstellungsmerkmal, das national und international viel Interesse geweckt habe. Delegationen aus Österreich, Polen, Japan seien ebenso gekommen wie vom Balkan. Vorgestellt hat sich die ÖMR auch auf der Biofach in Nürnberg sowie auf Tagungen zu nachhaltigem Tourismus.

Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl hatte der Stadtverwaltung noch am Sitzungstag aktuelle Zahlen zukommen lassen. Betrug der Anteil der Salzachstadt im Jahr 2020 10 930 Euro, sind es heuer 14 860 Euro. Aufgrund niedrigerer Förderung und mehr zusätzlichem Personal werden es ab 2022 18 450 Euro sein. „Nicht die Zahl hinter dem Komma gibt den Ausschlag“, relativierte Feil die Beträge und empfahl, „heute für eine Fortführung zu stimmen.“ Erfreut über den „Vortrag des Bürgermeisters“ zeigte sich ÖMR-Stadtrats-Referent Peter Schuster (Grüne): „So können wir die erfolgreiche Arbeit fortsetzen.“ Feil hat keinen Zweifel: „Auch die anderen Mitgliedsgemeinden wird es freuen.“ Teisendorf hat sich inzwischen ebenfalls für eine Fortführung ausgesprochen.

Artikel von Hannes Höfer, Südostbayerische Rundschau vom 14.10.2021

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14.10.2021

Region: Waginger See - Rupertiwinkel