Reisetagebuch: 30 Tage 100% bio-regionale Ernährung

Projekt: Reisetagebuch: 30 Tage 100% bio-regionale Ernährung


© Michael Rittershofer

Unser Projektmanager Michael nimmt uns im Rahmen des Kurses „Klimafreundlich Leben“ mit auf eine herausfordernde Reise: er möchte sich 30 Tage lang zu 100% mit bio-regionalen Produkten ernähren.

Wie klappt das mit Kindern? Was sagt Michaels Frau dazu? Begibt sie sich sogar mit auf die Reise? Und wie gut lässt sich Michaels Idee an einem arbeitsintensiven Tag im Büro umsetzen?
Wir dürfen an dieser spannenden Reise teilnehmen und erfahren wie es Michael in den kommenden vier Wochen Tag für Tag geht und welchen Herausforderungen er sich im Alltag stellen muss.
Vielleicht lassen wir uns ja sogar von dem ein oder anderen "einfachen" Gericht inspirieren und gehen Michaels Weg ein kleines Stück mit...

5. Juli, Tag 16 der Reise
Heute ist Feiertag: Wir feiern den Abschluss der Prüfungen an der Berufsoberschule von unserem Zweiten. Dazu lagert seit einiger Zeit eine Bio-Regio-Ente im Gefrierschrank. Und nachdem Philipp gelernter Koch ist, gibt es heute ein richtiges Festessen. Die Ente vom Biohof Graf in Kögning. Die Gewürze soweit wie möglich aus dem Garten, aber eben nicht alle. Die Kartoffeln für die Knödel stammen vom Biohof Lex. Das Blaukraut gibt es Gott sei Dank auch schon aus der Region. Die Zwiebeln zum Andünsten aus dem Garten.
Ein großes Thema, neben Salz und Gewürzen, ist der Zucker. Der ist ja auch überall dabei. Ins Festessen kam er heute in Form von Johannisbeergelee zum Verfeinern ins Blaukraut. Die Johannisbeeren sind aus dem eigenen Garten, die Stärke zum Andicken und eben der Zucker nicht. Wieder ein Verstoß gegen die 100%-Regelung, wenn man es genau nimmt. Für das Süßen könnte man statt Zucker Bio-Honig aus der Region nehmen. Aber werden die Bienen nicht auch mit Zuckerlösungen gefüttert?

4. Juli, Tag 15 der Reise
Die Hälfte der Strecke liegt nun hinter mir. Vielleicht doch Zeit für ein kleines Zwischenfazit. Ich bin sicher: Wenn mein Projektziel Teil von der ehemaligen Sendung „Wetten das..?“ (erinnert Ihr Euch noch?) gewesen wäre, wären die Buchstaben schon längst unter diesem quietschenden Geräusch in sich zusammengefallen, die Wette wäre verloren. Ein mitleidiges Schulterklopfen. Mehr nicht. Aber hier geht es nicht um eine Wette, sondern ein Sich-auf-den-Weg-machen für ein klimafreundlicheres Leben: Mehr Klarheit gewinnen, Möglichkeiten und Grenzen ausloten, tragfähige Wege finden. Deshalb: Aufhören gilt nicht. Und so gilt es für jeden, auch für mich, immer wieder neu Dinge auszuprobieren, um doch kleine oder auch größere Änderungen im Verhalten am Ende umzusetzen.
Beim Mittagessen waren meine Jüngste und ich heute nur zu zweit. Es gab den vorerst letzten Salat aus dem eigenen Garten, mit einer guten Kräutervinaigrette aus Zwiebelgrün, Borretsch und Liebstöckel. Dazu ein Käse-Tomaten-Gurken-Baguette mit Öl und Balsamico. Valerie meinte, dass das Käse-Baguette mit Sonnenblumenöl auch gut schmecke, auch wenn man das Gefühl hätte, es fehle irgendetwas. Zum Trinken: Leitungswasser und eigenen Apfelsaft. So kann es in die zweite Hälfte gehen.

3. Juli, Tag 14 der Reise
Heute ist alles wieder ganz einfach: Resteessen. Es waren noch gekochte Nudeln übrig, die ich mit Regio-Schinken und Regio-Sahne aufmotze. Dazu den restlichen Blumenkohl von vorgestern und Salat aus dem eigenen Garten, mit Kräutern aus dem eigenen Garten, mit Öl und Essig aus der Region. Heute bin ich bio-regio-clean.

2. Juli, Tag 13 der Reise
Tag 13 der Reise. Ein Fazit meiner Bemühungen will ich noch nicht ziehen. Aber eines ist klar: 100% Bio, wenn es überhaupt geht, muss man stabsmäßig planen. Das zeigt sich heute wieder. Gedankenverloren bin ich wieder zur Arbeit losgefahren. Heute bin ich den ganzen Tag Referent auf einem Bio-Feldtag. Start: 10 Uhr, Ende gegen 17 Uhr. Und dazwischen? Ich meine: Was gibt es zum Essen? Ich hätte mir daheim Brote schmieren sollen. Dafür ist es aber jetzt zu spät. Unterwegs hole ich mir bei einem TAGWERK-Bäcker wenigstens noch Brezen, bio-regio.
Auf dem Feldtag kommt gegen Mittag die Pizza-Feuerwehr. Ein Feuerwehrwagen mit eingebautem Pizzaofen. Wir bekommen alle Pizza. Mein Gefühl: Zwiespältig. Bio? Ich glaube schon. Regional? Keine Ahnung. Was tun? Was würdet Ihr tun? Ein Veggi-Pizzastück habe ich mir geben lassen. Aus der Sicht meines Reisevorhabens war das natürlich nicht in Ordnung. Beim Trinken greife ich zum Adelholzner (gerade noch regio, stelle ich fest). Das Bio-Bier, regio, würde mich jetzt töten. Schorlen und Mixgetränke kenne ich nicht, und lasse sie deshalb lieber stehen.

1. Juli, Tag 12 der Reise
Sitzungstag. Wieder den gesamten Vormittag. Wie ist es eigentlich mit den Sitzungsgetränken? Dieser Gedanke kommt mir erst, als es schon zu spät ist. Die konventionelle Apfelsaftschorle lasse ich sowieso stehen und wähle das Mineralwasser. Aber wo die herkam, habe ich keine Ahnung.
Beim zweiten Termin bin ich da schon aufmerksamer und dann auch beruhigt als der Obermeier Gust mir erzählt, dass das Wasser von seinem eigenen artesischen Brunnen stammt, aus 90 Meter Tiefe. Das passt also.
Daheim gibt es Griesnockerlsuppe und Blumenkohl mit angebratenen Semmelbröseln. Bis auf die Gemüsebrühe ist alles bio-regional: TAGWERK-Weizengries, Bröseln aus alten Semmeln, TAGWERK-Blumenkohl, Butter. Schnittlauch und Eier gibt es aus eigenem Anbau. Beides natürlich nicht zertifiziert. Unsere Hühner werden aber zu 100% Bio gefüttert. Das Legehennenalleinfutter kommt vom Biohof Lex. Dazu gibt es Wurst- und Käseabfälle aus dem TAGWERK BioMarkt.

30. Juni, Tag 11 der Reise
Sitzungstag. Termin in Mühldorf. Den ganzen Vormittag. Um 13 Uhr ist Schluss. Was tun mit dem Hunger? Normalerweise würde ich jetzt zur Bio-Genussküche im Feinsinn gehen. Corona würde es sogar wieder erlauben. Aber erlaubt es auch meine Bio-Regio-Reise? Natürlich ist dort alles Bio, aber wie ist es mit regional? Spaghetti mit gebratenen Austernpilzen: Spaghetti? Austernpilze? Ich hole mir stattdessen an der Brottheke doch lieber Semmel und Breze, dazu noch aufgeschnitten TAGWERK-Wurst und -Käse und setze mich in die Sonne. Ich merke, ich bin mir unsicher. Aber das bin gerade ziemlich häufig, wenn es ums Essen geht.

29. Juni, Tag 10 der Reise
Das ist für mich Sommer: wenn die Zucchinis frisch aus dem eigenen Garten kommen. Ich liebe sie aufgeschnitten in dünne Scheiben, bestrichen mit frischem Knoblauch (auch aus dem Garten) und Öl (normal Olive, jetzt halt Sonnenblume), im Backrohr gegrillt und dann als Beilage zum Essen gegeben. Oder, wie heute, einfach auf die Nudeln. Luxus pur. Hätte ich die freie Wahl, würde ich dazu Spaghetti wählen. Diesmal waren es TAGWERK-Spirelli. Auch gut.

28. Juni, Tag 9 der Reise
Vor lauter Söhl-Grill-Begeisterung habe ich ganz vergessen zu sagen, was gestern auf den Grill kam. Eingelegte Zucchini aus dem eigenen Garten, marinierte Regio-Tomaten und Hummeler TAGWERK-Bratwürstl. Die Beilagen von gestern gab es heute noch einmal. Den Nudelsalat, mit Nudeln aus dem Allgäu vom Dinkelnudel Moser (gerade noch in der Region), Tomaten und Gurke. Das Maisglas blieb heute geschlossen, ebenso die Olivenölflasche. Dafür mit TAGWERK Sonnenblumenöl, Apfelbalsamessig vom Huber Sepp aus Wurmsham und Holunderbeerbalsamico von Kreitmairs aus Rudelzhausen. Die Kartoffeln für den Kartoffelsalat sind noch von der alten Ernte (vom Biohof Lex aus Emling bei Erding). Schon etwas in die Jahre gekommen zwar, mir aber immer noch lieber als die eher faden Frühkartoffeln.

27. Juni, Tag 8 der Reise
Heute wurde gegrillt. Ganz ohne Weber. Und ganz ohne Grillkohle aus Regenwäldern. Die Grillschale ist das Unterteil von einem Pufferspeicher für Heizungsanlagen. Henkel und Füße drangeschweißt. Fertig. Hergestellt von einer Solarfirma in Moosburg. Der Grillrost und das Dreibein für die Aufhängung haben wir nicht im Baumarkt für 35 Euro (mit einem Wert von höchstens 4,34 Euro) gekauft, sondern haben sie anfertigen lassen vom Hans Söhl, Metallverarbeiter in Obertaufkirchen und Mitstreiter in der Öko-Modellregion Mühldorfer Land. Zugegeben: Ganz so günstig wie im Baumarkt war die Konstruktion nicht. Aber jedes Mal, wenn wir an unserem neuen Grill vorbei gehen, freuen wir uns daran. Stabil, funktioniert super, einfach etwas Ordentliches. Und gebaut von Menschen, die wir kennen. Handwerker aus der Region. Nicht ein Billigklump von irgendwo.
Zum Heizen verwenden wir getrocknetes Schnittgut aus dem eigenen Garten. Schnittgut, das wir für das Hochbeet nicht brauchen, wandert auf die Grillschale.

26. Juni, Tag 7 der Reise
Hatte ich nicht schon einmal erwähnt, dass es gut ist, mit meinem Essensprojekt in der Familie nicht allein zu sein? Ich überlege mir gerne im Vorhinein, was es zu Essen geben könnte. Aber in einer vollen Arbeitswoche tue ich mich da schwer. Abends schnell noch in den Biomarkt und dann wieder die quälende Frage: Was soll es denn morgen zu Essen geben? Mein Kopf leer und müde. Da ist es oft leichter, spontan die Speis zu plündern, schnell eine Packung Spaghetti und eine Flasche Tomatenpolpa aus dem Regal zu nehmen, um Nudeln mit Tomatensauce zu kochen. Oder Reis mit einer Sauce aus Gemüse, entsprechend dem Angebot, das der Kühlschrank und der Garten gerade hergibt. Heute ist es anders: Gestern Abend hat mir meine Älteste eine Handynachricht mit einem Essensvorschlag incl. einer Einkaufsliste geschickt. Das ist natürlich echter Luxus. Auf dem Speiseplan steht dementsprechend heute: Selber gemachte Cevapcici mit Tsatziki aus dem hervorragenden Höhenberger Naturjoghurt (ungerührt mit Sahnehäubchen!) und eigenem Knoblauch. Das Hackfleisch ist natürlich auch von Biobetrieben aus der Region. Das müsste ich eigentlich gar nicht mehr dazu sagen.

25. Juni, Tag 6 der Reise
So ein Büroalltag ist kein einfacher. Viele Themen, Aufgaben, Ansprüche, die parallel laufen und die alle gleichermaßen befriedigt werden wollen. Schnauf!! Da heißt es mich durchkämpfen, und wenn es mal dick kommt, zu legalen Drogen greifen: Die Schoki. Aber meine Schublade ist leer und sie bleibt es noch die nächsten Wochen. Schokolade ist nicht regional, ebenso wie Gummibärchen, Eis und manches mehr. Auf was für eine Fastenaktion habe ich mich denn da eingelassen? Einen Trost gibt es allerdings für mich und das ist ein Kasten, der bei mir im Büro und auch daheim steht: FitAmInn von der Brauerei Unertl aus Mühldorf, ein biologisches Malzgetränk. Ohne Alkohol, dafür mit Apfelsaft und Kräutern. Radler ähnlich, für mich und meine Kollegin Rosa mit Suchtcharakter. Das Schöne daran: Die allermeisten Zutaten kommen tatsächlich aus der unmittelbaren Region: Das Wasser wird einem hauseigenem artesischen Tiefbrunnen entnommen, das Getreide und der Apfelsaft kommen von TAGWERK-Betrieben. Da habe ich extra beim Wolfgang Unertl noch einmal nachgefragt.

24. Juni, Tag 5 der Reise
Die Bürotage sind, was die bio-regional Versorgung angeht, die einfachsten. Eigentlich. Denn auf dem Speiseplan steht hier normalerweise eine gute Biobrotzeit, das meiste aus der Region. Aber eben auch nicht alles. Und da wird es nun schwierig. Folgende Situation: Corona bedingt ist das Büro, in dem bis zu sechs Personen arbeiten, weitgehend verwaist. Der Kühlschrank ist sehr spärlich besetzt, aber eben auch nicht leer. Regional sind Brot und Butter, der süße Senf, die Eier. Die Marmeladen sind selber gemacht, der Zucker darin ist aber ebenso wenig aus der Nähe wie der vegane Brotaufstrich, der angebrochen ist, und erfahrungsgemäß nicht länger wie eine Woche genussfähig bleibt. Was tun? Ich wähle zu Brot und Butter ein Ei, den regionalen Senf (natürlich nicht aufeinander) und auch den veganen Brotaufstrich, da ich Sorge habe, dass dieser sonst ungegessen auf der Strecke bleibt. Wie hättet Ihr entschieden?

23. Juni, Tag 4 der Reise
Auf dem Speiseplan am 4. Tag der Reise steht Chili ohne Carne und ohne Chili. Eben kindergerecht. Die Bohne ist eigentlich eine uralte Kulturpflanze in unseren Breiten, aber leider kaum mehr vertreten auf unseren Feldern. Die regionale Bohne ist sozusagen ein Exot in den Regalen des Einzelhandels. Wenn man z.B. auf die Herkunftsangabe auf den Packungen bei Kidneybohnen schaut, kommen diese meist aus fernen Ländern, oft aus China. Aber Gott sei Dank gibt es auch bei uns noch vereinzelt Betriebe, die sich Kulturen wie Bohnen oder Linsen annehmen. Der Franz Obermeyer aus Tengling zum Beispiel und der Biohof Lex bei Erding. Die Regioware ist zwar für dieses Jahr schon wieder aus, ich habe bei mir im Vorratskeller aber noch eine alte Packung gefunden und sofort verarbeitet. Mit dazu: Bund-Karotten und Tomaten regional, Sonnenblumenöl regional zum Andünsten. Aus dem eigenen Garten kommen die Zwiebeln und der Knoblauch. Dazu Brot und Knoblauch-Butter, bio-regional, versteht sich. Für die, die es scharf wollen, kommt noch getrocknetes Chili („rote Teufelchen“) auf den Tisch, auch aus dem eigenen Anbau. Ich habe gleich einen ganzen Topf vollgemacht, denn, Corona lässt grüßen, in den nächsten Tagen sind die Kinder allein zu Hause, „Schule daheim“, die Eltern in der Arbeit. Da soll dennoch etwas auf dem Tisch stehen.

22. Juni, Tag 3 der Reise
Heute wurde der Kühlschrank geplündert und das aufgewärmt, was wir am Wochenende übrig gelassen haben. Die restlichen überbackenen Chips, Kartoffeln mit Butter, noch ein paar Spargelstangen. Schnelle Küche, trotzdem lecker.

21. Juni, Tag 2 der Reise
Sich auf regionale Zutaten zu beschränken heißt nicht, dass man immer improvisieren muss. Heute gibt es Spargel vom Biolandhof Keil aus Kelheim. Dazu Kartoffeln vom Biohof Lex aus Emling bei Erding, Schinken von der TAGWERK Biometzgerei und eine super Hollandaise von eigenen Eiern. Die Butter, die es für die Hollandaise braucht, ist ein Grenzfall. Die Molkerei Scheitz liegt gerade noch im Radius, deren Milchlieferanten natürlich nur teilweise. Aber Bio-Butter von Hofmolkereien ist wohl nicht so einfach. Sahne, Quark und Joghurt wäre da schon leichter.

20. Juni, Tag 1 der Reise
Wie anfangen? Was kochen? Gar nicht so einfach, nur regional. Und dann noch die ganze Familie mitnehmen. Ohne Fleisch und Wurst, das hatte ich schon einmal erfolgreich probiert. Aber alles aus der Region? Nicht aus Deutschland oder Bayern, sondern nur aus den unmittelbaren Nachbarlandkreisen? Der Einkauf im Biomarkt heute war ganz schön mühsam. Wie schön, dass ich nicht ganz alleine bin. Meine älteste Tochter, 24, hat mich erlöst: Heute gibt es Tortillachips überbacken mit Tomaten-Dip und Käse. Dazu Salat. Was für ein Glück, dass der Kurs Corona bedingt nicht schon im März begonnen konnte: Die Tomaten sind schon aus der Region, der Salat, die Kräuter und der Knoblauch aus dem eigenen Garten. Statt Olivenöl gibt es zu Salat und Tomaten das gute TAGWERK-Sonnenblumenöl aus dem Vilstal. Ich bin ehrlich: Keine so ganz leichte Umstellung weg von der Olive! Und die Tortillachips sind nicht aus der Packung, sondern selber gebacken. Erst in der Pfanne, dann im Backrohr, anschließend mit Tomaten und Käse, Glonntaler von der Käserei Stadler, überbacken. Sau lecker. Übrigens: Die selber gemachten Chips sind besser als die gekauften. Wer mag das Rezept? Dazu braucht es nur Mais- und Weizenmehl. Beides gibt es von Bauerhöfen aus unmittelbarer Nähe. Vielen Dank, Charlotte, für zwei Stunden Küchenarbeit.

Der Vortag der Reise, 19. Juni
Im Rahmen des Kurses „Klimafreundlich Leben“ habe ich mir zur Aufgabe gesetzt, einen Monat lang mich zu 100% mit Biolebensmitteln aus der Region zu ernähren. Ich habe beschlossen, diese Reise am 20. Juni zu beginnen. Schon am Tag vor meiner „Abreise“ bereue ich es schon, mein Reiseziel nicht näher definiert zu haben. Mann, oh Mann: 100% regional, das geht ja gar nicht. Beispiel Gewürze: Bis auf das, was bei uns im Garten wächst, wie Petersilie, Schnittlauch, Borretsch, Liebstöckel, Thymian, werde ich wohl kaum etwas finden, was aus der unmittelbaren Region stammt. Also nur bedingt würzen: Kein Pfeffer, kein Paprika, kein Curry? Wie ist es mit dem Salz? Mein Ur-Salz, naturbelassen, unjodiert, kommt von einer Firma am Bodensee. Das Salz hierfür wird bergmännisch abgebaut in mehreren 100 Meter Tiefe, irgendwo in Deutschland. Um zu meiner nächsten mir bekannten Salzquelle, Bad Reichenhall, zu kommen, reichen 100 km auch nicht aus. Und klar, wenn ich mir ein Brot kaufe, verwendet der Bäcker auch kein Salz aus eigenem Anbau, ebenso wenig wie den Leinsamen, die Sonnenblumenkerne, den Kümmel und so weiter.
Was also tun? Wo setze ich eine vernünftige Grenze?
Heute Mittag gibt es übrigens Milchreis. Wir haben noch über einen Liter Milch im Kühlschrank, die dringend weg muss. Milch von einem Biolandhof 1 Kilometer entfernt von mir zu Hause. Der Demeter-Milchreis kommt von der Spielberger Mühle in der Nähe von Heilbronn. Der Rundkornreis, der hier verarbeitet wurde, stammt aus Italien. Heute passt es noch, morgen nicht mehr. In einem ähnlich gelagerten Fall müsste es dann beim nächsten Mal Pfannkuchen geben aus eigenen Eiern und TAGWERK-Mehl oder Griesbrei mit TAGWERK-Weizengries.

23.06.2020

Region: Mühldorfer Land (ehem. Isental)