Schlingnatter

Die kleinste ihrer Art

Projekt: Heimisch zwischen Inn & Salzach

Schlingnatter
© Bild von Marc Pascual auf Pixabay

Weit verbreitet und doch unbekannt

Die Schlingnatter ist nach der Ringelnatter, die am weitesten in Deutschland verbreitete Schlangenart. Die mit 60 – 70 cm Länge kleinste heimische Schlangenart ist aber sehr unbekannt.
Ihr Rücken ist grau-braun mit dunklen Flecken und ihre Zeichnung ist die perfekte Tarnung. Oft wird sie aufgrund ihrer Zeichnung aber auch mit der Kreuzotter verwechselt. Den deutlichsten Unterschied kann man an den Pupillen erkennen: Die Schlingnatter hat runde, die Kreuzotter hingegen senkrecht geschlitzte Pupillen.
Die kleinste heimische Schlange ist nicht nur perfekt getarnt, sie lebt auch nach der Strategie „Flucht vor Angriff“. Dabei hilft es ihr, dass sie sich beinahe lautlos im Unterholz bewegen kann. Sie ist zwar nicht sehr schnell, dafür gut getarnt, elegant und geschmeidig. Nur wenn sie sich eingeengt fühlt und keine Fluchtmöglichkeit mehr sieht, greift sie an. Dazu rollt sie sich zusammen, richtet ihren Oberkörper auf und beißt zu. Wird ein Mensch gebissen ist das aber nicht weiter schlimm, denn die Schlange ist ungiftig und hinterlässt meist nur ein paar Kratzer.
Die Schlingnatter kann wie alle Reptilien ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren und genießt es deshalb sich beim indirekten Sonnenbaden aufzuwärmen. Dazu verkriecht sie sich unter aufgewärmten Steinen. Ansonsten hält sie sich tagsüber meist in Felsspalten oder Mäuselöchern auf. Insgesamt braucht die Schlingnatter strukturreiche Lebensräume, also einen Wechsel zwischen offenen und niedrig bewachsenen Standorten. In Hanglagen mit Trockenrasen, an Bahndämmen und in Steinbrüchen findet man die Schlingnatter deshalb häufiger.
Im April findet die Paarung der Schlingnattern statt. Davor kommt es zu heftigen Rangkämpfen unter den Männchen, die auch ernsthafte Bisswunden zur Folge haben. Auch das Weibchen wird während der Paarung in Kopf und Nacken gebissen. Nach 4 bis 5 Monaten Tragezeit, werden zwischen 3 und 15 voll entwickelte Jungen geboren.
Die Jungschlangen ernähren sich dann hauptsächlich von Insekten, während die Ausgewachsenen Reptilien bevorzugen. Auf deren Speiseplan stehen Eidechsen, Blindschleichen und auch junge Schlangen. Als Würgeschlange verschluckt die Schlingnatter kleinere Beutetiere lebend. Die größeren Exemplare werden umschlungen und mit Muskelkraft die Atmung unterbunden.
Daher kommt auch der Name der relativ unbekannten Schlange, die mittlerweile leider auch als „gefährdet“ auf der Roten Liste eingestuft wurde. Der Ökolandbau kann durch seine höhere Artenvielfalt zur Sicherung der Ernährung der jungen und erwachsenen Schlangen beitragen.

19.10.2020

Region: Inn-Salzach