Schon Gewusst?

Artgerechte Tierhaltung im Bio-Betrieb

Projekt: Schon Gewusst?

Schon Gewusst?
© Annalena Brams

Die Tierhaltung auf dem Bio-Betrieb ist artgerecht. Aber was heißt das und woher weiß man was artgerecht ist?

Artgerecht bedeutet zunächst, dass die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Aber woher weiß man wie die natürlichen Verhaltensweisen im Einzelnen aussehen? Dabei hilft die Verhaltensforschung.
Bezogen auf die Kategorien Futteraufnahme, Körperpflege, Sozialkontakt, Fortbewegung und Ruhe wird analysiert wie die Tiere diese Verhaltensweisen natürlicherweise ausüben. Dieser Bedarf bildet die Grundlage zur Kompromissfindung für die Gestaltung der Ställe. Diese müssen möglichst optimale Bedingungen für die Tiere, aber auch umsetzbare Lösungen für den Landwirt ermöglichen.
Im direkten Vergleich der Schweinehaltung wird dies besonders deutlich. In der konventionellen Standard-Schweinehaltung leben die Tiere auf Spaltenböden, haben einen Fressbereich, Tränken und auch Beschäftigungsmaterial. Man denkt, eigentlich alles was man so braucht oder? Naja, da Schweine in ihrer natürlichen Umgebung aber die meiste Zeit des Tages mit Futtersuche beschäftigt und grundsätzlich sehr neugierig sind kann diese Stallgestaltung ihren Bedürfnissen nicht gerecht werden. Zudem sind Schweine entgegen den Vorurteilen eigentlich sehr reinliche Tiere. Sie möchten den Bereich in dem sie abkoten und urinieren gerne von ihrem Ruhe-, Fress- und Aktivitätsbereich trennen.

In der ökologischen Schweinehaltung ist es verboten Schweine ausschließlich auf Spaltenböden zu halten. Eine mit Stroh eingestreute Liegefläche befriedigt ihr Bedürfnis nach dem Wühlen mit der Nase. Da Schweine nicht schwitzen können ist Hitzestress ein großes Problem. Der Ökolandbau begegnet diesem Bedürfnis mit mehr Platz, sodass die Tiere gut Abstand halten können. Gleichzeitig ermöglicht es das zusätzliche Platzangebot den Schweinen sich ausreichend zu bewegen. Durch den Auslauf und eine vielfältige Buchtenstrukturierung wird es den Tieren auch ermöglicht ihrem Reinlichkeitsbedürfnis nachzukommen. Durch eine geschickte Planung können die Tiere dabei auch gelenkt werden. Schweine koten beispielsweise bevorzugt in der Nähe der Tränken ab. Platziert man diese im Auslauf kann man die Schweine dazu bringen draußen abzukoten und man reduziert damit die Geruchsbelastung im Stall.

Natürlich gibt es mittlerweile immer mehr Tierwohl-Label. Und nicht jeder konventionelle Schweinestall sieht aus wie oben beschrieben, aber bei Produkten mit dem Bio-Siegel kann man sicher sein, dass die Vorgaben eingehalten werden. Das garantiert die jährliche Kontrolle durch eine zugelassene Kontrollstelle.

16.11.2020

Region: Inn-Salzach