Öko-Modellregion Inn-Salzach

Franz Obereisenbuchner

Er hatte schon immer seinen eigenen Kopf, der Franz Obereisenbuchner junior. Schon früh war ihm deshalb klar, wie er den elterlichen Hof nach der Übernahme umgestalten würde: nicht mehr die Milch seiner Kühe in einer anonymen Masse verschwinden lassen, sondern selbst vertreiben und veredeln. So kam ihm die Idee mit der Hofmolkerei.

Schon zu seiner Lehrzeit schaute er sich deshalb nach einem Betrieb um, an dem die Milch bereits ab Hof abgefüllt wird und der auch dementsprechend ausbildet. In der Nähe von Ravensburg wurde er fündig und kam dort auch mit der Bio-Landwirtschaft in Berührung. Und war erstaunt: Die Kollegen, die sich abends trafen, waren so ganz anders als die, die er bisher kennengelernt hatte. Sie klagten und schimpften nicht über die Politik oder den Verband, sondern blickten nach vorne, teilten Erfahrungen und arbeiteten zusammen. Das beeindruckte ihn. Nicht nur die Art der Landwirtschaft, sondern auch die Haltung, die dahintersteckt, fand er anziehender und sympathischer als die vieler seiner Kollegen daheim. Und überhaupt: Der Wachstumszwang, der so viele Höfe plagt, ging ihm auf die Nerven. Dem wollte er entfliehen, und das ging am besten in der Kombination Direktvermarktung – regional und bio.

Den Vater, der selbst ohnehin schon extensiv wirtschaftete, hatte er schnell überzeugt. Und so kam mit der Hofmolkerei zugleich die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft. Die Milch, die sie von 60 Kühen erhalten, ist eine reine Heumilch, die nicht homogenisiert wird – und die Heutrocknungsanlage ist der ganze Stolz des Betriebs. Beim Futter setzen Vater und Sohn auf nährstoffreiche Gräser und auf Luzerne. Die bringen Stickstoff in den Boden und wurzeln so tief, dass ihnen auch heiße und trockene Sommer nichts ausmachen.

Ein Drittel der Milch liefern die Obereisenbuchners an die Andechser Molkerei, der Rest wird direkt vermarktet oder gelangt über Tagwerk in den Handel. Unverzichtbar ist die Heumilch auch für das Eiscafé Veneto in Neuötting und die Patisserie Simon in Ampfing – sie kreieren daraus ein unwiderstehliches Eis. Am Hof direkt können Kunden die Rohmilch und Milchprodukte wie Butter, Sahne, Joghurt, Topfen, Hüttenkäse, Scamorza, Graukäse und einige Schnittkäse rund um die Uhr in der Selbstbedienung erhalten.

Mit Franz Obereisenbucher jun. übernimmt ein anderer, moderner Typ Landwirt Verantwortung und geht einen Weg, der in eine gute Zukunft weist. Seine Achtung vor Tier und Natur, seine Liebe zu gutem Handwerk und sein unternehmerische Professionalität, sein Mut und sein Optimismus sind entscheidende Schlüssel zum Erfolg.

Hier geht’s zum Audio-Interview mit Franz Obereisenbuchner