Öko-Modellregion Paartal

Andreas Ziegenaus – Bennomühle

Vom Müller hat man romantische Vorstellungen… der Wandergesell, die klappernde Mühle am rauschenden Bach… Doch ein Idyll ist der Beruf des Müllers schon lange nicht mehr, wenn er es jemals war. Und da ist dann noch das Mühlensterben. Während es früher in fast jedem Dorf eine Mühle gab, waren es im Jahr 2012 in ganz Deutschland gerade noch 260 Mühlen, die in Betrieb waren. Zu diesen gehört die Bennomühle in Friedberg.
Vor rund 15 Jahren entschloss sich Andreas Ziegenaus, im elterlichen Betrieb mitzuarbeiten. Die hatten die Mühle bereits von den Großeltern übernommen, und diese wiederum sie in den 1960er-Jahren gekauft. Ein rund 85 Jahre alter Familienbetrieb eben – angesichts der Geschichte des Berufs „fast noch ein Start-up“, witzelt Andreas Ziegenaus.
Doch auch eine 85-jährige Firmengeschichte ist vertrauenerweckend. Jedenfalls finden das die Kunden, vom Bäcker bis zum Endverbraucher – und die Zulieferer auch. Denn in der Bennomühle ist Regionalität selbstverständlich, für den Inhaber ist es „das A und O“, und das gilt für Anlieferer wie für die Abnehmer. Wer in und um Friedberg herum eine Pizza isst, kann fast sicher sein, dass das Mehl für den Teig aus der Bennomühle stammt.
Und wie sieht es mit Bio aus? Andreas Ziegenaus ist dem Thema gegenüber durchaus offen eingestellt. Allerdings gibt es für seinen Betrieb ein paar Hürden. Abgesehen davon, dass viele Biobäcker ihr Mehl selbst mahlen, handelt es sich da vor allem um Arbeitsabläufe. Das fängt bei der Zulieferung an: Bioware wird in „Chargen“ gehandelt, das konventionelle Getreide nach „Normen“ sortiert, also vereinheitlicht. Das wirkt sich auf die Lagerhaltung aus, denn wie soll jede Charge getrennt gelagert werden? Und wie soll mit der wechselnden Qualität jeder Charge umgegangen werden? Für den Mehraufwand beim Vermahlen und die zusätzlich erforderlichen Lagerkapazitäten hat Andreas Ziegenaus einen ums Fünffache teureren Endpreis als für konventionelle Ware errechnet.
Außerdem sind die professionellen Abnehmer offenbar mit der konventionellen Regionalware sehr zufrieden und fragen Mehl in Bioqualität daher kaum nach. Zunehmend allerdings die Privatkunden. Aber um die Mühle damit ständig auszulasten, reicht die Menge noch nicht.
Dennoch ist er bereit, auch Biogetreide im Lohnauftrag zu vermahlen bei einer Mindestanlieferungsmenge von zehn Tonnen – die Tagesleistung der Mühle. Man merkt ihm an: Das Thema treibt ihn um – und er wird es mit Sicherheit beherzt angehen, sobald er eine realistische Chance für die Umsetzung sieht. Vorerst aber ist er seinem kleinen Mühlenbetrieb und den langjährigen Kunden verpflichtet, auch hinsichtlich der eigenen Wirtschaftlichkeit. Schließlich soll nicht auch noch die Bennomühle dem Mühlensterben zum Opfer fallen.