Öko-Modell-Regionen

Annette Seehaus-Arnold

Vom unschätzbaren Wert der Biene

Foto: Daniel Delang

„Die Biene bring uns reiche Ernte. Damit ist nicht nur der Honig gemeint, sondern vor allem der Ernteertrag auf den Äckern“, erklärt Annette Seehaus-Arnold. Sie ist Imkerin in Rhön-Grabfeld und besorgt. Denn vielen Bienenvölkern geht es schlecht.

 

Das hat gleich mehrere Gründe: Die Varroa-Milbe setzt den Völkern zu. Aber sie alleine ist es nicht. Der Pestizideinsatz schwächt die Biene und deren Immunsystem zusätzlich. Und das Nahrungsangebot der Biene schrumpft in einer vermeintlich effizienten Agrarindustrie drastisch. So gab es in diesem Jahr erstmals keinen Honig der Sommertracht. „Die Bienen finden nach der Rapsernte nichts mehr. Das häufige Mähen der Wiesen und die „klinisch sauberen“ Äcker ohne Ackerblumen nehmen so sehr überhand, dass die Bienen nach der Rapsblüte in einer grünen Wüste leben.“ Betroffen macht das, was Frau Seehaus-Arnold zu erzählen weiß. Denn die Biene erhöht beispielsweise den Ertrag der Landwirtschaft um rund 4 Mrd. Euro – pro Jahr. Unsere Bienen sind also durchaus ein wirtschaftliches Schwergewicht. Jedenfalls dann, wenn man die entsprechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse ernst nimmt.  Leider ist diese wichtige Erkenntnis noch nicht bis zu jenen vorgedrungen, welche die Wirtschaftlichkeitsfaktoren der Landwirtschaft definieren.

 

„Wir sind angehalten, den kritischen Zustand der Bienenvölker und der Imker gesellschaftlich ernst zu nehmen, bevor es zu spät ist.“, mahnt die engagierte Imkerin. Es ist Ende Juni und ein Volk ist dieses Jahr schon beinahe verhungert. Immer schwerere Bedingungen für Biene und Imker lassen in der Imkerei ähnliches befürchten wie in der Landwirtschaft: viele werden aufhören in den nächsten Jahren. Annette Seehaus-Arnold gehört nicht dazu. Sie gehört zu denjenigen, die jetzt gerade erst so richtig anfangen. Denn es gibt viel zu tun.

 

Mit der Initiative „Bienen machen Schule“ etwa, lernt sie interessierten Schülern das Imkern – und das mit großem Erfolg. Und startet damit eine sehr intelligente Initiative, nicht nur dem Bienen, sondern auch dem Imkersterben vorzubeugen. In den Schulen sitzt der Nachwuchs von morgen und die Kinder sind interessiert und geschickt.

 

Pressearbeit, Kurse, offene Briefe – alles, was der Aufklärung und damit der gemeinsamen Suche nach Lösungen dient, ist recht. Mehr Diversität in der Ackerfruchtfolge, Blühstreifen und Blumenwiesen sind erreichbare Ziele. Denn, „das Wohlergehen der Biene geht uns alle an, nicht nur uns Imker“, so die passionierte Imkerin.