Öko-Modell-Regionen

Astrid Günther

Chiemgauer Genussmanufaktur

Chiemgauer Genussmanufaktur Bild: Ökomodellregion Waginger See

Es wird viel über gesundes Essen geredet. Aber: Es wird immer weniger gekocht! Der schnelle, moderne Alltag und die fehlende Kocherfahrung tragen dazu bei, dass die Nachfrage nach Fertig- und Halbfertigprodukten, sogenanntem Convenience Food, überall auf der Welt steigt. Meist sind diese Produkte mit viel Chemie auf Geschmack und Haltbarkeit getrimmt. Die Biobranche geht hier andere Wege und bleibt ihren Werten treu. Die Zutaten sind natürlich – ohne Konservierungsstoffe, ohne Geschmacksverstärker. Und es gibt Menschen, die vor allem nach einem langen Arbeitstag schnell, einfach und ohne Aufwand kochen, dabei aber auf gesunde Produkte zurückgreifen wollen.

 

Die Biobranche ist innovativ: Alte Sorten werden wieder aufgewertet und angebaut, Getreide und eiweißreiche Hülsenfrüchte stammen wieder vermehrt aus der Region. Damit der Verbraucher damit etwas anfangen kann, braucht es aber Anleitung und Inspiration.

 

Astrid Günthers Großmutter hat die Natur geliebt. Die Enkelin war oft dabei beim Kräutersammeln, beim Schwammerlsuchen. Im Verlauf eines Lebens geraten solche Kindheitserinnerungen oft in den Hintergrund. Astrid Günther, eine erfolgreiche Vertrieblerin, war die meiste Zeit des Jahres beruflich  unterwegs. Lange störte das nicht, der Erfolg machte Freude. Das Kochen ist ein wichtiges Hobby und hält das Wissen der Großmutter lebendig. Fast nebenbei entstehen Kräutersalze, Badezusätze, Gewürzmischungen. Freunde loben die diversen Kreationen. Dann kommt die Idee: Warum nicht die guten Zutaten aus der Region veredeln und so vorbereiten, dass auch für Kochlaien ein gelungenes Geschmackserlebnis möglich ist? Das Vorhaben gewinnt an Fahrt und die Experimentierphase läuft auf Hochtouren. Der Mann steht hinter der beruflichen Neuausrichtung seiner Frau und stärkt ihr den Rücken. Und Astrid Günther ist kein Mensch, der sich von Herausforderungen abschrecken lässt.

 

Geduldig wird an Rezepturen gefeilt, bis es den Gästen schmeckt und den eigenen Ansprüchen genügt. Schließlich fällt die Entscheidung für einen völligen Neustart: Die „Chiemgauer Genussmanufaktur“ wird gegründet. Astrid Günther wendet sich damit ganz ihrer Leidenschaft zu und wagt einen neuen beruflichen Weg.

 
Alle Zutaten stammen aus Bio-Anbau. „Das war bei den Kräutern, vor allem bei den Wildkräutern, eine ziemliche Herausforderung“, so die Gründerin. „Wildpflanzen in Bioqualität aufzutreiben, das war wie eine Schatzsuche.“ Sie wird fündig und freut sich über all die guten Bezugsquellen, die sie in den letzten Monaten und Jahren aufgetan hat. Astrid Günther wünscht sich noch mehr Bezugsquellen für heimische Biokräuter.

 

Das Hauptsortiment für Getreide- und Eiweißgerichte, Urdinkel-Risotto, Linsen-Curry und Einkorn-Milchreis, entsteht überwiegend aus heimischen Zutaten, insbesondere vom Hof Franz Obermeyer in Tengling. Diverse Kräutermischungen, Gewürzsalze und Öle (z.B. Sonnenblumenöl vom Krallerhof in Tittmoning) eignen sich zum Veredeln von Kurzgebratenem – egal ob Fleisch oder Gemüse. So kommt Raffinesse auch in schnelle und unkomplizierte Gerichte. Damit wiederum trifft die Geschäftsfrau den Nerv der Zeit.

 

Es ist noch mit vielen neuen Kreationen und Querverbindungen zum Erzeugernetzwerk zu rechnen, denn Astrid Günther ist ein kreatives Energiebündel. Sie erzählt vom Entstehen des „Steiner Bio-Biersalzes“. „Irgendwas musste mir einfallen, also habe ich geräuchertes Steinsalz mit dem neuen regionalen Biobier der Brauerei Stein vermischt und getrocknet. Das hat fürchterlich gestunken bei uns daheim. Und Tage gedauert. Schließlich habe ich die Temperatur etwas hochgedreht und mich anderem zugewendet. Bis mich plötzlich ein wunderbar malziger Duft dran erinnert hat, dass ja noch mein Experiment im Ofen ist.“ Das war die Geburtsstunde des Biersalzes. Das rauchig-malzige Salz war in letzter Zeit vergriffen – da sich aber jetzt eine neue Trocknungsmöglichkeit in den Räumen einer Bäckerei in Fridolfing ergeben hat, kann die Nachfrage bald wieder bedient werden, sehr zur Freude der Kunden und der Brauerei.

Menschen wie Astrid Günther tragen mit ihrem Erfindungsreichtum dazu bei, den Weg für den Anbau weiterer heimischer Bioprodukte freizumachen!

 

www.chiemgau-genuss.de