Öko-Modellregion Paartal

Biggi Häussler – Schloss Blumenthal

Biggi Häusslers Augen leuchten – so wie sie bei glücklichen Menschen leuchten, wenn sie ihre Aufgabe, ihren Lebenssinn gefunden haben. Lange hat sie danach gesucht – und wurde 2011 fündig, als sie von der Lebensgemeinschaft auf Schloss Blumenthal erfuhr.
Angefangen hatte auf Schloss Blumental alles 2006, als sich acht Familien zusammenschlossen, um das Anwesen zu erwerben und gemeinsam dort ihr Leben zu führen. Bereits 2007 wurde die Gastwirtschaft eröffnet. Heute leben dort 43 Erwachsene und 18 Kinder. Und jede/r bringt seine individuellen Fähigkeiten und Neigungen ein – zum Wohl der Gemeinschaft.
Seit ihrem Eintritt in die Lebensgemeinschaft kümmert sich die frühere Demeterberaterin Biggi Häussler hier um die Gärtnerei, die als „Solawi“, als „Solidarische Landwirtschaft“ geführt wird. Von den 27 Hektar potenzielle landwirtschaftliche Nutzfläche, die Schloss Blumenthal gehören, wird heute bereits über ein Hektar von der Gärtnerei bewirtschaftet. Bienenweiden und Blühflächen am Wegrand sind ein Paradies für Insekten, weshalb sich auch ein Demeter-zertifizierter Imker hier niedergelassen hat. Angebaut werden ausschließlich samenfeste Biogemüse, sogar manche Rarität ist darunter – insgesamt rund 50 Varietäten. Demnächst sollen Ziegen angeschafft werden, um den nächsten Schritt zum vollwertigen Bauernhof zu tun.
Damit möglichst jede/r sich die schmackhaften Gemüsesorten samt Raritäten schmecken lassen kann, ist die Solawi sehr fair organisiert. Ein Sockelbeitrag schafft einen Ausgleich zwischen Singles und Familien, eine Förder-Patenschaft ermöglicht es einkommensschwächeren Interessenten, deutlich günstiger an bestes Öko-Gemüse zu kommen. Und auf der Homepage kann man nach einem Staffelmodell seine individuelle Wunschkombination finden – oder auch einfach nur die gute Idee fördern.
Größter Abnehmer der Gärtnerei ist aber die zum Schloss gehörende Gastwirtschaft. So frisch und knackig – dank kürzester Lieferwege – und selbstverständlich ohne jeglichen Verpackungsmüll. Rund 40 sogenannte Ernte-Anteile der Produktion kauft die Gastwirtschaft der Gärtnerei ab – und würde gerne noch mehr nehmen, wenn es denn ginge. Für die Gärtnerei ist es jedenfalls eine gute wirtschaftliche Basis. Ein Grund mehr, dass Biggis Augen weiter leuchten können.
Auch Geschäftsführer Martin Horack lächelt zufrieden, wenn er auf das bisher Erreichte zurückblickt. Aber gleichzeitig schaut er nach vorn und teilt die Visionen seiner Mitbewohner und Teilhaber. Dass sie Wirklichkeit werden, daran hat er keinen Zweifel. Das vor fast fünfzehn Jahren begonnene Gemeinschaftsprojekt jedenfalls scheint auf einem sicheren und guten Weg in die Zukunft zu sein.

Solawi Blumenthal

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