Öko-Modellregion Ostallgäu

Biomarkt Irsee – mehr als eine Einkaufsmöglichkeit für Bioware

Er ist wohl einzigartig in seiner Ausrichtung, aber vor allem ist er der erste seiner Art im Allgäu: der Biomarkt Irsee. Ausschließlich biologische Lebensmittel sollten im Angebot sein, mitten im historischen Ortskern von Irsee, jede Woche freitagnachmittags sollte er geöffnet haben. Seit gut 20 Jahren besteht er, untergebracht im und vorm barocken Stadel des ehemaligen Gasthauses „Zur Post“ und lockt zahlreiche Menschen vom Ort und aus dem nahen Kaufbeuren an seine Stände oder auch einfach nur an die Tische, um in gemütlicher Atmosphäre das eine oder andere Glas Wein zu trinken. Dabei war sein Erfolg anfangs alles andere als ausgemacht. Manch einer gab dem Projekt damals gerade mal vier Wochen Bestand.

Dass die Skeptiker gründlich widerlegt wurden, verdankt er den Initiatoren: der Tierärztin Dr. Ursula Schuster, dem Heilpraktiker und späteren Mitinitiator Klement Gebler und dem Bio-Landwirt und Diplom-Designer Benno Bönisch.

An einem Sonntagnachmittag bei Kaffee und Kuchen wurde die Idee konkretisiert. Ein Umweltschutzprojekt sollte es werden und Verbrauchern ermöglichen, unkompliziert an regionale Bioware zu gelangen. Damals, Ende der 90er-Jahre mussten Direktvermarkter nämlich häufig noch mühselig in selbstorganisierten Einkaufsgemeinschaften abgefahren werden, um in den Genuss hochwertiger regionaler Bioware zu kommen – und im Einzelhandel war das Bio-Angebot noch dünn und in der Regel kaum regional. Deshalb wurde der Markt von vornherein nicht nur als Einkaufsmöglichkeit, sondern als geselliger Treffpunkt konzipiert – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, ist er doch darüber hinaus keine rein kommerzielle Einrichtung, sondern ein ehrenamtlich organisiertes Umweltprojekt.

Mit dem Inhaber des ehemaligen Gasthauses zur Post wurde man nach ausgiebigen Pachtverhandlungen einig und ging im Sommer 1998 ans Werk. Wagenladungen von altem Stroh und Heu wurden aus dem Stadel weggeräumt – teilweise mit waghalsiger Akrobatik unterm Dach am Klettergurt; alte, barocke Stützbalken wurden verstärkt und Bretter ergänzt, eine Holztreppe eingebaut. Das meiste geschah in Eigenleistung. Doch schließlich war es geschafft – und dem Verhandlungsgeschick der Initiatoren war es zu danken, dass nicht nur ein Zuschuss des Amtes für ländliche Entwicklung und Spenden des Bundes Naturschutz sowie der Regionalgruppe von Bioland in das Projekt flossen, sondern auch die Gemeinde unter Bürgermeister Rudolf Scharpf die Pacht des Stadels übernahm.

So viel Engagement musste schließlich auch öffentliche Anerkennung finden: 2016 erreichte der Markt Irsee in Berlin beim Wettbewerb des Bundesverbands der Regionalbewegungen aus bundesweit 97 Bewerbungen den 3. Platz. In der Begründung der Jury heißt es: “ Die Gemeinde engagiert sich aktiv und sichert dauerhaft die infrastrukturellen Rahmenbedingungen.

Dank einer guten Vernetzung mit ehrenamtlichen und wirtschaftlichen Akteuren und des seit 18 Jahren existierenden Fördervereins … kann von einer stabilen Struktur ausgegangen werden. Die Jury prämiert dieses Projekt, um zu zeigen, dass auch in vergleichsweise kleinem Maßstab nachhaltige Beiträge zur Qualität von Lebensbedingungen im ländlichen Raum geleistet werden können.“ Eine Ermutigung für alle, die ehrenamtlich etwas bewirken wollen.