Öko-Modellregion Waginger See - Rupertiwinkel

Bobenstetters & Co – Streuobstpflege-Patenschaft als gemeinsames Hobby

Bodenversiegelung zum Beispiel durch Ausweisung neuer Gewerbeflächen oder von Baugrund ist ein großes Problem ländlicher Gemeinden. Denn einmal zubetoniert oder -asphaltiert, kommen die Grünflächen nicht wieder. Als kleiner Ausgleich für Landschaftsbild und Natur werden deshalb „Ausgleichsflächen“ ausgewiesen, auf denen ökologische Maßnahmen eine Fläche aufwerten sollen. Eine beliebte Ausgleichsmaßnahme ist die Anlage von Streuobstflächen.
Allerdings: Wer soll die neu angelegte Streuobstwiese bewirtschaften? In vielen Gemeinden bleibt diese Frage unbeantwortet, und häufig liegen alte Streuobstwiesen brach und verkommen. Doch in Waging am See, genauer: im Ortsteil Ebing, kümmert sich ein Dutzend ehrenamtlicher Baumpaten unter Leitung des Ehepaars Bobenstetter aktiv um die Pflege. Viele stehen noch voll im Berufsleben, einige sind schon in Rente. Die Abmachung mit der Gemeinde: Im Gegenzug für ihre ehrenamtliche Arbeit darf sich die Gruppe die Ernte teilen.

Organisiert wurde die Baumpatenschaft für die kommunale Ausgleichsfläche von der Ökomodellregion, die sich zum Ziel gesetzt hat, mindestens 1.500 Streuobsthochstämme in der Region neu zu pflanzen. Bis Herbst 2018 wurde die Halbzeitmarke geknackt – über 750 Streuobststämme und damit ca. 70 Obstanger konnten in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Traunstein in sieben Gemeinden der Ökomodellregion neu angelegt oder deutlich vergrößert werden. Mehrere Baumpaten haben sich für eine Patenschaft rund um Waging gemeldet – die Patenschaft für die große Fläche in Ebing ist allerdings etwas ganz Besonderes.

„Bei uns kommt auch der Spaß nicht zu kurz“, meinen Annette und Erich Bobenstetter, die für die Pflege der großen Obstwiese die Verantwortung übernommen haben und diese bereits vom ersten Pflanztag weg vorbildlich organisiert haben, „deshalb engagieren sich hier auch unsere Freunde.“ „Ich bin ich Schwaben daheim“, meint Annette Bobenstetter, „da ist es weit verbreitet, jeden passenden Flecken für den Obstbau zu nutzen. Wir sind glücklich, hier über diese große Obstwiese verfügen zu können“.

Entscheidungen werden basisdemokratisch getroffen, etwa, welche Sorten gepflanzt werden sollen oder wie der notwendige Erziehungsschnitt beim Kernobst ausgeführt wird. Vom Landschaftspflegverband Traunstein gibt es eine eigene Liste mit regionalen und alten Sorten, und so finden sich auf der neu angelegten Streuobstwiese mit ihren über 40 Apfel-, Birn- und Zwetschgenbäumen auch Raritäten wie der Waginger Calvill, der Bergener Weimling oder die äußerst schmackhafte Zuccalmaglio Renette, ein Spätapfel, der bis in den März lagerfähig ist.

Die Hitze im letzten Jahr hat den jungen Bäumen zugesetzt, sodass viel Pflege, Gießen und Umsicht nötig war. Jetzt werden bald die ersten Exemplare veredelt, und die gemeinsame Aufgabe, bei der man viel an Erfahrungswissen sammeln kann, schweißt die Gruppe zusammen. Man engagiert sich für die gute Sache und hat Spaß dabei. Ein glücklicher Umstand: Auch die Bauersfamilie nebenan ist begeistert vom Streuobstanbau und hat ihren direkt angrenzenden großen Anger erweitert und verjüngt.

Noch dauert es einige Jahre, bis die erste große Ernte ins Haus steht – aber wenn es so weit ist, dann wollen die Waginger Baumpaten neben Marmeladen und Säften auch Most oder gar edle Brände erzeugen. Schöne Aussichten für Ebing, das sich in seiner ruhigen Lage am Waldrand ganz nebenbei zu einem Lebensraum für viele heimische Tier- und Pflanzenarten entwickelt.