Öko-Modell-Regionen

D’Wirtin und da Bauer

Regional, ökologisch, handwerklich!

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In Gallenbach, da steht ein schönes Gasthaus. Auf den ersten Blick bemerkt man noch nicht, dass dieser Ort gerade eine ganz besondere Entwicklung durchlebt. Vor 15 Jahren da schien es noch so, als ob dem Hof samt Gastwirtschaft ein leider typisches Ende bevorsteht: Die Flächen werden an einen Biogasbetreiber mit hohem Flächenbedarf verpachtet. Die Wirtin betreibt die Dorfwirtschaft noch weiter mit einem kleinen Brotzeitangebot und Würscht für die Stammgäste. Immerhin, das Dorf – zu weit von München, um zur reinen Schlafstadt zu werden und zu weit von den Bergen und den Seen, um zu viele Zweitwohnsitze zu haben – lebt.

 

Claudia Maier-Häußler und Hilarius Häußler beobachten die Entwicklung an Claudias elterlichem Hof. Sie beschließen im Jahr 2011, ihn wieder selber zu bewirtschaften. Die meisten Maschinen waren noch da. Die meisten Felder zu diesem Zeitpunkt noch verpachtet. Also beginnt Hilarius mit dem Acker vorm Haus. Nach und nach kommen die anderen Flächen dazu und werden direkt auf Bio umgestellt. Seltene Urgetreide sind heute neben Kräutern seine Leidenschaft. Das trifft sich gut, denn Claudia liebt es zu backen und diese Leidenschaft mit anderen zu teilen.

 

Der gelernte Sozialpädagoge tauscht sich mit anderen Biobauern aus in Bezug auf die Fachkenntnisse. Er ist zufrieden mit der Ernte und der Entwicklung des Bodens sowie seiner Fähigkeiten. Und wie viele Ökobauern reizt ihn, dass das Lernen nicht aufhört. Die Wechselwirkung der Pflanzen mit dem Boden, das Potenzial im Ökolandbau, in Partnerschaft mit der Natur reiche Ernte einzufahren. Etwas zu meistern, bei dem alle gewinnen, wird ihn wohl nicht mehr loslassen. In der Wirtschaft sitzen viele konventionelle Kollegen und auch der Austausch mit ihnen macht ihm sichtlich Freude. Für die Kollegen wird Bio erlebbarer und greifbarer durch das beherzte Vorgehen des gelernten Pädagogen. Berührungsängste? Fehlanzeige. Für Claudia und Hilarius steht der Mensch im Vordergrund, das wird bei jedem Wort deutlich.

 

„Die Welt verändern wir nicht an einem Tag, schon gar nicht hier in Oberbayern“, sind sich beide bewusst. Die Geduld, mit der nach und nach die Fläche wieder zurückkommt, die haben sie auch bei der Wirtschaft. Einmal monatlich findet hier ein regionaler Biobrunch statt, der mittlerweile immer ausgebucht ist. Kochkurse und Veranstaltungen, bei denen traditionelle Gerichte mit biologischen Zutaten aus der Region gekocht werden, ergänzen das Angebot. „Wenn wir die Wirtschaft ganz auf Bio umgestellt hätten, das hätte nicht funktioniert.“, so Claudia. Mit Freude, Gelassenheit und einer unbeirrbaren Geduld werden in Gallenbach immer mehr Flächen und in der Wirtschaft immer mehr Tage so bewirtschaftet, wie die beiden sich das wünschen: ökologisch, handwerklich, regional.
 
http://www.maier-gallenbach.de/