Öko-Modell-Regionen

Eberhard Räder

Kreislaufwirtschaft 2.0

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Unser Wirtschaftsleben ist geprägt von linearem Denken. Ich nehme Ressourcen in Form von Materie und Energie, stelle daraus ein Produkt her, welches verkauft wird und irgendwann im Abfall landet. In der Landwirtschaft ist der lineare Ansatz immer schon schwierig. Nährstoffe, die dem Boden, entzogen werden, müssen wieder zugeführt werden. Das geschieht im Ökolandbau durch Gründüngung, Mist und verschiedene erlaubte Düngemittel. So entsteht ein gesunder Kreislauf.

 

Das Denken in Kreisläufen wird den Landwirten also quasi in die Wiege gelegt und gehört zu deren Tagesgeschäft. Grade im Ökolandbau zielt man darauf ab, so wenig wie möglich von außen zuzuführen. Das macht Sinn. Denn Kosten, die erst gar nicht entstehen wirken sich genauso positiv auf die Geschäftszahlen aus wie steigende Umsätze. Eine intelligente Fruchtfolge und Düngepraxis ist zentraler Bestandteil einer Kreislaufwirtschaft: Gründüngung und Tiermist halten den Boden fruchtbar. Dort, wo Ackerbau dominiert, gibt es viele Futter-Mist Kooperationen um natürliche Kreisläufe zu erhalten und an neue Betriebsgrößen und Spezialisierungsgrade anzupassen.

 

Eine Kreislaufwirtschaft der ganz anderen Art hat Eberhard Räder an seinem Hof entwickelt. Der Betrieb verfügt über rund 200 ha Ackerfläche, eine Schweinemast und eine Biogasanlage. Das Stroh und Kleegras der Flächen bildet zusammen mit dem Mist der Schweine das Substrat für die Biogasanlage. Der Gärrest wird während der Vegetation auf den Feldern ausgebracht. Die Schweine liegen in geräumigen Buchten mit Stroh. Mit der Abwärme des BHKW´s werden in der Gemeinde öffentliche Gebäude geheizt.

 

Damit wagt sich Eberhard Räder gleich an mehrere schwierige Themen und löst diese auf vorbildliche Art: die Biogasanlage wird mit Mist und Kleegras betrieben – steht also nicht in Konkurrenz zum Anbau von Lebensmitteln. Und die Schweinemast folgt einem durchdachten System – ohne Spaltenböden dafür mit Auslauf ins Freie. Jede Bucht hat einen Auslauf mit Stroh, innen ist der Liege- und Fressbereich. Dem Stall fehlt jeder unangenehme Geruch, den Tieren geht es sichtlich gut. Das Futter wird überwiegend am eigenen Hof produziert, der Mist landet über die Biogasanlage wieder als Gärrest auf den Feldern.

 

Es gibt auch ein neues Projekt: Muttersauen. Die Buchten für die Muttersauen sehen auch einen getrennten Fress- und Ruhebereich, sowie Ausenbereich mit Schweinetoilette vor. Die Ferkel haben einen eigenen beheizten Bereich. Erste Erfolge begeistern nicht nur Eberhard Räder, sondern auch seine Tochter. Damit entsteht ein neuer Betriebszweig und es gelingt die Einbindung der nächsten Generation.