Öko-Modell-Regionen

Familie Schneid

Gemeinsam für das Wohl des Tieres

Foto: Daniel Delang

Es gibt Richtlinien für Tierwohl. Und es gibt die eigene Erfahrung der Landwirte. Vorgaben setzen wichtige und notwendige Standards und lassen dennoch Spielraum für die eigene, besondere Haltung und Beziehung zum Tier. Demeter-Landwirte bemühen sich darum, die Lebensbedingungen art- und wesensgerecht zu gestalten. Es ist ein neugierig-wachsames Forschen, ein geduldiges Hinspüren in Bezug auf das Wohlbefinden der Tiere.

 

Wie gestaltet sich die Tierhaltung auf einem Hof, der sich seit Jahren um diese Harmonie bemüht? Familie Schneid betreibt den Wannenhof nördlich von Kempten. Wunderschön gelegen auf einer Anhöhe versorgt die Familie Allgäuer Braunvieh und Nachzucht. 30 horntragende Milchkühe sind hier Zuhause. Die Anzahl der Tiere wird durch die Fläche begrenzt – denn die Tiere bekommen nur Heu und Gras von den Hofeigenen Wiesen und Weiden. Es wird ganz auf Silage und Kraftfutter verzichtet.

 

In dem Bemühen, Kreisläufe in Partnerschaft mit der Natur zu gestalten, entstehen im Ökolandbau immer wieder zahlreiche Innovationen. Die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht ist ein aktuelles Thema. Dabei dürfen die Kälber direkt an der Kuh trinken. Was einem Laien normal erscheinen mag, ist in der modernen Landwirtschaft eher exotisch. Nur wenige Betriebe experimentieren mit der ammengebundenen Kälberaufzucht. Erste Erfahrungen der Schneids sind gut. Seit zwei Jahren erproben sie diese Methode und lernen, wie das am besten klappt. Die Kälber trinken vor den Melkzeiten bei der Mutter oder Amme, anschließend wird die ganze Herde gemolken.. Durch die gemeinsame Zeit beginnen die Kälber sehr früh damit, auch Raufutter zu fressen. Weil das ja auch die Mütter tun. Nachahmeffekte sorgen also dafür, dass die Tiere schnell selbständig werden. Die Tiere wirken vital und verspielt. Und sie sind nicht scheu – sofort kommen sie zum Weidezaun und wollen wissen, wer sich da interessiert.

 

Im Fokus steht am Wannenhof das Tier.Die Wirtschaftlichkeit muss zwar in Summe gegeben sein, der Deckungsbeitrag gibt aber nicht vor, wie die Tiere aufwachsen. Klar, auch am Wannenhof braucht die Familie ihr Auskommen. Doch scheint zwischen einem sinnerfüllten Leben im Einklang mit der Natur und der Haltung, aus allem das Maximum an Effizienz herauszuholen, ein himmelweiter Unterschied. Hier am Wannenhof haben alle ein gutes Leben – und das hat seinen Wert und seinen Preis.

 

Die Milch wird über die Demeter Süd e.V., eine Vereinigung von regionalen Demeter Landwirten an verschiedene Molkereien vermarktet. Man sagt der Milch von horntragenden und grasfressenden Kühen nach, besser verträglich zu sein. Das Interesse des Verbrauchers an Themen der Landwirtschaft steigt kontinuierlich. Wissen, wo die Lebensmittel herkommen und wie die Tiere leben, ist für eine wachsende Gruppe von Menschen wichtig. Damit steigen die Chancen für den ökologischen Landbau, den Mehraufwand für besondere Maßnahmen auch bezahlt zu bekommen. Aus der ammengebundenen Kälberaufzucht verkauft der Hof nun auch Fleisch. Dieses wird direkt an den Endverbraucher vermarktet. Bereits im ersten Jahr konnten alle Kälber an bewusste Verbraucher vermarktet werden. Kunden vom Wannenhof sind bereit für gute Qualität und das Wohl der Tiere einen fairen Preis zu bezahlen. Und so haben Mensch und Tier auf dem Wannenhof ein sinnerfülltes Leben im Einklang mit der Natur.