Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld

Claus Vorndran – Gasthaus Dickas

So beschrieb Claus Vorndran einmal selbst die Werdegeschichte der Rhöner Initiative Aus der Rhön – Für die Rhön. Denn als diese 1993 anfangen wollten, regionale Wertschöpfung zurück in die Mitte der Gesellschaft, nämlich die Gaststätten, zu bringen, wurden sie von Vielen nur belächelt. „Die spinnen die Rhöner“, hieß es da nicht selten von einigen Seiten, oder zu Vorndran selbst: „Du bist ja e Grönner“ – hochdeutsch: ein Grüner, also jemand, der sein Leben naturnah ausrichtet. Dass das Biosphärenreservat Rhön aber nun von einem unabhängigen Expertengremium als die Nummer 1 der UNESCO-Biosphärenreservate weltweit, und das sind immerhin 669, ernannt wurde, ist mindestens zu einem kleinen Teil dem Wirken von Claus Vorndran zuzuschreiben. Denn als 1. Vorstand der Rhöner Initiative sorgt er seit mehr als 25 Jahren für die Vernetzung und Mobilisierung von Kollegen und Kolleginnen aus der Region. Und genau diese intensive Beteiligung von Interessensgruppen sowie eine gute Zusammenarbeit innerhalb eines Biosphärenreservates zählten als wichtigstes Kriterium in der Beurteilung jener.

Gelernt hat Vorndran sein Handwerk im nahe Bischofsheim gelegenen Rhön-Park-Hotel. Nach der Lehre in diesem großen Hause, erfuhr er in der Schweiz, was gehobene, aber auch intensive Küche bedeutet. Nicht wenige seiner Kollegen kämpften mit Entzündungen an den Händen verursacht durch die mit chemischen Schutzmitteln behandelten und importierten Lachse. Daher beschloss er in die Heimat zurückzukehren und den Familienbetrieb auf eine ganz andere Art und Weise zu führen: natürlich und regional.

Die Gaststätte Dickas ist federführend, was die Kriterien der Initiative Aus der Rhön – Für die Rhön betrifft. Nach Vorndrans Einschätzung kann man bei vielen teilnehmenden Betrieben von einem sehr hohen regionalen Wareneinsatz ausgehen. Das reichte dem Familienbetrieb nun aber nicht mehr. Auch mit Blick auf seine heranwachsenden Kinder, denen eine lebenswerte Zukunft geboten werden soll, hieß der einzig logische und notwendige nächste Schritt nun: Bio-Zertifizierung. So nutzte er als erster Gastronomiebetrieb im Landkreis Rhön-Grabfeld, neben dem Landgasthaus Bärental in Sulzfeld, die Förderrichtlinie für Bio-Zertifizierung. Nicht nur ihm, sondern auch seiner Frau Brigitte liegt am Herzen, seine Kundschaft zu einem Umdenken zu bewegen, welches sie für den Erhalt unserer Umwelt als dringend notwendig erachten: Wertschöpfungsketten neu erkennen und verstehen, die Lebensmittel auf dem Teller wertschätzen, auch mal die eher unüblichen Teile vom Tier und keine von Fern importierten Waren verwenden. So kann es dann auch mal vorkommen, dass etwas aus ist, denn das Angebot ist in manchen Fällen eben endlich, wie bei Lamm oder Kalb.

Besonders durch den direkten Bezug aus der Region und die Wahl ökologischer Lebensmittel wird den Gästen nachhaltige Wertschöpfung nahegebracht: In der Speisekarte können alle Bezugsadressen des Gasthauses nachgelesen werden. All jene Zulieferer besucht der Chef außerdem persönlich, um die Qualität der Produkte sicherzustellen. Für den Bio-Wein muss man derzeit noch etwas außerhalb der nahen Region auf das Weingut am Stein nach Würzburg oder das Bioland Weingut Plewe nach Hammelburg. Hier ist also definitiv auch Bedarf für unsere Region. Bio-Vollbier gibt es dafür ganz aus der Nähe vom Pax-Bräu aus Oberelsbach, der gerade mitten im Prozess der Zertifizierung ist. Außerdem von Rother Bräu aus Hausen in der Rhön ein Apfelbiermischgetränk und ein Weizenbier sowie aus dem Hause Streck aus Ostheim vor der Rhön ein naturtrübes Pils, alle in Bio-Qualität. An Speisen stammen beispielsweise die Kartoffeln von Kolb’s Biohof aus Ginolfs und das Rindfleisch vom Biohof Schmitt aus Oberweißenbrunn. Nach und nach soll der Bio-Anteil ausgebaut werden. Vor allem für Kräuter und Gemüse hält meist der hauseigene Garten her, der sowieso biologisch bewirtschaftet wird. Im Winter findet man dann zum Beispiel frischen Pfefferminz- oder Wildkräutertee auf der Karte und ein jährliches Kräuterseminar führt Interessierte in den Kräuteranbau ein.

Wünschen würde sich Claus Vorndran auch eine Biozertifizierung seiner Familienbrennerei, in welcher  seit über 100 Jahren nun schon Schnaps hergestellt wird. Da er hierfür mit dem ganzen Biosphärenreservat jedoch ein relativ großes Einzugsgebiet hat, was eine aufwendige Zertifizierung nach sich ziehen wird, sieht er dies in einer möglichen Zukunft seiner zwei Kinder. Ansonsten nennt er einen weiteren ambitionierten Plan für die nächsten 20 bis 25 Jahre: Nicht nur im  besten Biosphärenreservat möchte er wohnen und arbeiten, sondern am liebsten im größten zusammenhängenden biozertifizierten Gebiet weltweit. Manche würden sagen, der spinnt doch, der Vorndran.