Öko-Modellregion Ostallgäu

Georg Martin

Er ist ein Allgäuer Urgestein, der Georg Martin. Seine Braunvieh-Herde treibt er noch täglich selbst auf die Weide, aber die wahren Rindviecher, meint er, findet er nicht dort, sondern eher in Amtsstuben und in der Politik. Denn die machen Ökobauern wie ihm mit ihren bürokratischen Vorschriften das eigentlich schöne und sinnerfüllte Leben als Landwirt schwer. Weil eine seiner Weiden in zwei Gemeinden fällt und die eine als Blauzungengebiet registriert ist, die andere nicht, müsste er eigentlich den ganzen Tag bei seinen Kühen sein, um aufzuzeichnen, wann welches Jungtier das Gemeindegebiet wechselt, witzelt er.

Die Blauzungengeschichte ist nur ein Beispiel dafür, wie die Bauern gegängelt werden, findet Georg Martin, und mit Bedauern erzählt er, dass der Papierkram die eigentliche Ursache dafür ist, dass keines seiner fünf Kinder mal den Hof übernehmen will. Dafür haben sie alle studiert – und sich trotzdem auf dem Hof verewigt: eine Wand am Fahrsilo haben sie mit Graffiti verziert – und Georg Martin ist sichtlich stolz auf die Individualität, die diese Kunstwerke seinem Hof verleihen.

Wenn’s sein muss, nimmt er zwar kein Blatt vor den Mund. Ansonsten ist er aber ein umgänglicher Mensch, der viel und gerne lacht. Und engagiert ist er auch. Für die Grünen sitzt er im Stadtrat von Marktoberdorf und bringt als gestandener Landwirt die Sicht der Bauern in die Beratungen ein. „Wenn wir es nur den Bürokraten überlassen, kann es sich bald keiner mehr leisten, Bauer zu sein“, findet er.  „Nach dem Volksbegehren ist es Zeit für eine Flexibilisierung, für eine Ausrichtung von Vorgaben an den örtlichen Bedingungen“, meint er. Die Chancen dafür stehen eigentlich günstig, nur müsste es mehr Menschen wie Georg Martin geben, die ihre Stimme dafür erheben.