Öko-Modell-Regionen

Georg Schlickenrieder

Der Archehof

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Archehof ist ein geschützter Begriff – drei vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen muss ein Hof halten und züchten, damit er sich „Archehof“ nennen darf. Meist sind Archehöfe Klein- und Kleinsthöfe. Wenn man den Hof der Schlickenrieders befährt, ist der Begriff klein fehl am Platz. Stattlich ist das Anwesen und stattlich ist auch die Erscheinung des Georg Schlickenrieder selbst, der Blick wach, schelmisch und kampflustig.

 

„Angefangen hat es mit der Entscheidung doch Bauer zu werden. Aber ohne mich so aufzuarbeiten, wie die Eltern es machten.“, schmunzelt er. Der elterliche Hof lag mitten im Dorf. Da hatte Georg Schlickenrieder die Idee einen Stall nah beim Feld zu bauen. Ein Offenstall sollte es sein. „Die anderen Landwirte und so mancher Bürger dachten zu der Zeit, die Tiere erfrieren, wenn sie nicht drin sind. Also hatte ich ständig Tierschützer und Veterinäre da. Die haben immer wieder festgestellt, dass meine Tiere gesund sind. Aber der Ruf, der war trotzdem ruiniert. Weil es nun nichts mehr zu verlieren gab, lag auch die Umstellung auf ‚bio‘ nahe“, so Georg Schlickenrieder schmunzelnd. Ein Biobetrieb mit Offenstallhaltung und Schafen – das war so ungefähr das letzte, was man sich unter einem ordentlichen Bauern vor 25 Jahren vorgestellt hat. Aber es war genau das, was sich Georg Schlickenrieder selbst ersonnen hat. Und er gehört zu jenen Menschen, die gut beobachten, lernen, achtsam Zusammenhänge verstehen und daraus ihren eigenen Weg entwickeln. Und ihn dann kompromisslos gehen. Egal, wie die anderen drauf reagieren. Und das Konzept geht voll auf.

 

Die Schafe etwa hatten viele Vorteile. Denn, dass es auf den Höfen immer irgendwas zu kaufen gibt, das wissen die Bürger. Schafe hatte nur Georg Schlickenrieder. Das war gut für die Vermarktung. Die Käufer für das Lammfleisch kamen von weit her. Später kauften sie auch die anderen Produkte: Kalbfleisch, Rindfleisch, heute auch Schweinefleisch.

 

Mit den seltenen Rassen kam die Liebe zu den Murnau-Werdenfelsern. Die Tiere leben wie im 5 Sterne Hotel mit freier Menüwahl aus Gras, Heu und Kops, sowie mehreren Liegemöglichkeiten.  Schafe leben unter den kleinen Bullenkälbern und Färsen und machen vor, wie Gras fressen geht. Die Schweine haben Buchten, Rückzugsräume und Toilettenbereiche. Sie sind sauber und – wie alle Tiere am Hof, zahm. Dazu gibt es noch Appenzeller Hühner – die picken vor allem alle Maden aus dem Mist und reduzieren so die Belastung durch Fliegen. Eine echte Plage auf Höfen ohne Hühner. „Die meisten Menschen haben vergessen, dass in einem geschlossenen Hofkreislauf wie dem unsrigen alle Tiere und jede Pflanze ihren besonderen Sinn haben und einem Beitrag leisten.“, so Georg Schlickenrieder.

 

Vieles am Hof hat sich parallel entwickelt. Alle zwei Jahre kam ein Gebäude und eine neue Idee dazu. Heute gibt es neben den Tieren noch viele weitere Geschäftszweige: 10 sind es mittlerweile an der Zahl, mindestens. Dazu gehört ein Hof Café, der Hof als Lernort für Schüler, Hochzeits- und Geburtstagsfeste mit Bioverpflegung und einer Hofführung der besonderen Art. Nicht zu vergessen die Destille, die sich der sinnvollen Verwendung von Obst verschreibt.

 

www.archehof-schlickenrieder.de