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Nürnberg, Nürnberger Land, Roth

Günter Sippel

Biogärtner der ersten Stunde

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Günter Sippels Bioland-Betrieb gehört zu den Urgesteinen der deutschen Biobranche. Bei Wetzendorf im Knoblauchsland und in Sachsen-Anhalt betreibt er eine Biogärtnerei auf insgesamt über 50 Hektar. 10 Hektar bewirtschaften die Sippels im Knoblauchsland, mehr als 40 Hektar sind in den vergangenen Jahren noch zusätzlich in Sachsen-Anhalt dazugekommen.

 
Als Günter Sippel den Biogedanken bei sich in der Gärtnerei umsetzte, war er weit und breit der Einzige. Es gab auch noch kein Label „Bio“. Günter Sippel schreibt selbst Biogeschichte. Mit Leidenschaft, Forschergeist und Ausdauer perfektioniert er in 45 Jahren den Biogartenbau.

 
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich die heimische Landwirtschaft im Umbruch. Das Ziel lautete: „Weg von der traditionellen hin zu einer intensiven chemisch-technischen, von der Industrie abhängigen Wirtschaftsweise“.  Der Schweizer Agrarpolitiker Hans Müller gründet eine Bauernheimatbewegung, mit der Unabhängigkeit von Zufuhrmitteln und eine unabhängige Vermarktung erreicht werden sollte. Geschlossene Betriebskreisläufe und die Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis sollten die Existenz der Bauern sichern. Aus dieser Idee heraus sind die Grundlagen des organisch-biologischen Landbaus entstanden, welche gemeinsam mit dem deutschen Arzt Hans Peter Rusch entwickelt wurden. Sehr bald wird Sippel auf die Bewegung aufmerksam. Da war die Landwirtschaft fast vollständig industrialisiert. Es ging nicht mehr um Partnerschaft mit der Natur, sondern um Effizienz und Ertragssteigerungen. Günter Sippel erkannte damals, dass eine Landwirtschaft, die nur auf Quantität und „Billig“ aufbaut, nicht der richtige Weg in die Zukunft sein kann. Die Partnerschaft besteht und Günter Sippel gehört zu den späteren Gründerfamilien des Biolandverbandes, welcher 1971 unter dem Namen „Bio-Gemüse“ gegründet wurde.

 
Seit 1964 wirtschaftet Sippel ohne synthetische Dünger und Pestizide. Zu Beginn wurden er und seine Familie, wie fast alle Pioniere, als Spinner abgetan. Das ist heute anders. Der Betrieb floriert und beherrscht den ökologischen Gemüsebau wie kaum ein anderer. Das Gemüse wird direkt ab Hofladen in der Alten Parlerstraße 3 und auf diversen Wochenmärkten verkauft, denn der Kontakt zu seinen Kunden ist Sippel immer wichtig geblieben. Darüber hinaus wird die Ware an den Naturkost-Fachhandel verkauft, etwa an ebl-Naturkost.
 
Mit seinen rund 80 Jahren sucht Günter Sippel nun nach einen Nachfolger. Einzige Bedingung: Ein Idealist muss es sein, wie er selbst!