Öko-Modell-Regionen

Gust Obermeier

Begabung findet ihren Weg

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Wenn Gust Obermeier von seiner Kindheit erzählt, dann wähnt man sich in einer längst vergessenen Zeit. „Ich durfte nicht länger zur Schule, als es Pflicht war. “Wenn Du zu gscheid wirst, dann magst Du nicht mehr arbeiten.” Das war die Begründung des Vaters. Während der Grundschule war die Mithilfe am Hof eine Selbstverständlichkeit. Ich wollte Landwirt werden.“

Die Ausbildungsberatung war anderer der Meinung. Gust fügt sich ein als junger Mensch. Er absolviert eine Lehre als Müller mit anschließender Gesellenzeit und Meisterprüfung. Sofort beginnt er eine weitere Lehre als Mühlenbauer. Und er lernt, saugt alles auf und bildet sich weiter: wird Mühlenbaumeister, Maschinenbaumeister, CAD-Fachkraft. Als Montageleiter einer Mühlenbaufirma sammelt er auf Baustellen im In – und Ausland viele Erfahrungen. Die erfinderische Begabung von Gust Obermeier setzt sich durch, trotz der etwas schwierigen Ausgangsbedingungen.

Eine schwere Verletzung an der Hand zwingt Gust Obermeier für einige Zeit zur Ruhe, und er beginnt, sich mit Ökolandbau zu befassen. Kurz darauf steht der elterliche Hof zur Übernahme an. Gust, der keine landwirtschaftliche Ausbildung hat, stellt 1983 direkt auf Ökolandbau um. Ohne Maschinen oder praktische Kenntnisse. Die Ernte bricht um mehr als 50 % ein, wie bei so manchen Ökobauern der ersten Stunde. Das Wissen war einfach nicht da. Die Verbindung seiner technischen Kreativität mit dem Ökolandbau bringt Gust Obermeier letztlich zu seiner Bestimmung: Er gründet einen Gewerbebetrieb, entwickelt und projektiert Anlagen für die Getreidereinigung, Silotechnik, Fördertechnik und anderes innovatives und maßgefertigtes Gerät für die Landwirtschaft und Industrie. Gust Obermeier und seine Frau Kathi, welche ihn kräftig unterstützt, beschäftigen mittlerweile zehn Mitarbeiter. Aufgrund der Abschlüsse darf er Müller, Maschinenbauer, Metallbauer, Einzelhandelskaufleute sowie Technische Zeichner ausbilden.

Die Tiere am Hof mussten weichen, eine Futter-Mist-Kooperation liefert seither den notwendigen tierischen Dung. Landwirtschaft zu betreiben beflügelt nach wie vor seine Kreativität und erhöht die Relevanz der Maschinen und Anlagen. Sein Sohn, selbst ein begnadeter Maschinenbauingenieur und Mühlenbautechniker, übernimmt den innovativen Betrieb. Energetisch ist der gesamte Betrieb dank Photovoltaik, Wasserkraft und Restbiomasse (Hackschnitzel) nahezu autark. Die anfallenden Beikräuter wie z. B. die Wicke etwa werden bei ihm aussortiert und kommen als Wertstoff zum Einsatz. Dabei ist die KW-Leistung der Wicke als Brennstoff in etwa doppelt so hoch wie die von Holz. So wird Beikraut zu einer willkommenen Ernte.

Gust Obermeier, der in seiner Freizeit sehr gerne singt, schaut zufrieden auf ein geglücktes, sinnerfülltes Leben zurück. Zumal die Nachfolge geregelt ist. Das führt Gust auf seine Lebensphilosophie zurück: „Alles was wir tun, muss aus dem Herzen kommen. Alles gleich gewissenhaft erledigt werden. Nicht vorrangig um des Geldes willen arbeiten. Das bringt kein Glück! Was wir tun, muss gut sein für den Menschen, die Tiere und die Umwelt! Fair sein zu den Kunden und gleichermaßen zu den Lieferanten. Der Maßstab ist das eigene Gewissen: sprich die christliche Erziehung welche ich erhalten und weitergegeben habe. Ich weiß, diese Aussagen gelten als nicht zeitgemäß. Für mich geht es aber nur so.“
Gust Obermeier engagiert sich weitreichend in den Ökomodellregionen und plante u. a. auch das Getreidelager der Ökomodellregion Neumarkt und viele weitere Anlagen zur Lagerung und Aufbereitung von Ökogetreide. Er stellt in Schwindegg unentgeltlich einen Blühstreifen zur Verfügung, damit die Kinder einen Bienenlehrpfad bekommen, sowie die Fläche für eine Magerwiese. Er vermehrt Ackerwildkräuter auf demselben Acker. Wo er etwas für die Gesellschaft tun kann, da ist er auch zur Stelle – mit gutem Willen und enormem Erfindergeist und Optimismus.