Öko-Modellregion Waginger See - Rupertiwinkel

Hans Koch – „Sachl“-Bauer in Holzhausen

Die Kühe stehen mit ihrer Nachkommenschaft auf der Weide, fast in Sichtweite zum Gut Edermann. Es sind alles keine Hochleistungstiere und auch keine Reinrassigen, die da auf den Weiden genüsslich ihr Gras wiederkauen. Hans Koch definiert auch „Leistung“ auf seinem Kleinbauernhof anders: Es geht für ihn bei diesem Begriff vor allem um Tiergesundheit, Robustheit, gute Fruchtbarkeit und gute Mutterkuh-Eigenschaften – und um extensive Haltung. Ab Ende April sind seine Tiere draußen und bleiben dort, solange es die Witterung erlaubt, manchmal auch bis Mitte November. Extensiv bedeutet neben der Weidehaltung auch, dass nicht mehr Tiere auf der Fläche gehalten werden, als die Grasfläche an Tieren versorgen kann.

Eine extensive Bio-Weidehaltung gilt als die umweltschonendste und nachhaltigste Form der Rinderhaltung: Grundwasserprobleme, Überdüngung und auch das Artensterben werden in einer extensiven Bio-Weidehaltung vermieden. Es wuselt in den Fladen schon nach kurzer Zeit vor Klein- und Kleinstlebewesen und so sind die „Hinterlassenschaften“ seiner Kühe auch schon bald wieder zersetzt und dem Nährstoffkreislauf zugeführt. Das teilweise Aufbrechen der Grasnarbe durch vereinzelte Trittschäden schafft Raum für neues Keimen und tut ein weiteres, um die Pflanzenvielfalt auf der Weide zu fördern.

Hans Kochs Kälber leben bis zum 7. Monat bei der Mutterkuh. Schon früh fangen die Kälber auch an, es ihren ausgewachsenen Artgenossen beim Fressen nachzutun. Dadurch wird ihre Ernährung, neben der Muttermilch, schon bald um etwas Raufutter ergänzt. Das macht das Fleisch dann ein wenig dunkler, aber auch schmackhafter. Wer es einmal probiert hat, verzichtet gern auf die massenindustrielle Alternative.

Hans Koch hat mit dem „Söllnhuberhof“, der bis in die 90er-Jahre von seinen Schwiegereltern als konventioneller Milchviehbetrieb geführt wurde, im Nebenerwerb als erster im näheren Umkreis auf Bio und später dann auf  Kälbermast umgestellt und damit seine Nische für den Kleinbauernhof (Sölde = Viertelhof) gefunden. In den ersten Jahren hatte er noch zunächst Ochsen für die Herrmannsdorfer Landwerkstätten ausgemästet. Als Biobetrieb war es jedoch immer schwer, geeignete Bio-Kälber dafür zu bekommen. Als Lösung hat Hans Koch dann auf Mutterkuh-Haltung mit  Kälbermast umgestellt. Das bedeutet, die Tiere leben in einem Herdenverband auf der Weide, die Kälber dürfen bei ihren Müttern bleiben und diese werden auch nicht gemolken. Das funktioniert im Nebenerwerb ganz gut, wie viele andere Beispiele in den Öko-Modellregionen belegen. Die ausgemästeten Kälber verkauft Hans Koch beispielsweise an das nahe gelegene Gut Edermann. Sobald ein Kalb mit etwa 6-7 Monaten schlachtreif wird, ruft er bei Michi Stöberl und seinem Koch Ronnie Völkel oder einem der weiteren Chefköche als Kunden an. Dort wird dann das ganze Tier in den Küchen der regionalen Spitzengastronomie verwertet und die Speisenkarten entsprechend gestaltet. Ein Gewinn für beide Seiten – Hans Koch hat seine Abnehmer in unmittelbarer Nachbarschaft, der Preis stimmt – und die anderen Bedingungen auch. Das ist echte Partnerschaft auf Augenhöhe.

Hans Koch
Holzhausen 13
83317 Teisendorf
Telefon: 08666 – 1710
Mail: proprint-werbung@freenet.de