Öko-Modellregion Waginger See - Rupertiwinkel

Hans Posch

Landwirt Hans Posch verkörpert eine Mischung aus Familienmensch, Menschenfreund und praktischer Intelligenz, und er steht aus Überzeugung für Bio ein. Seine 30 Kühe grasen auf der großen Weide direkt hinter dem Hof, die Milch wird nach Andechs geliefert. Demeter-zertifiziert, richtet der Bauer aus Nußdorf, wenige Kilometer südwestlich der Ökomodellregion gelegen, sein Augenmerk auf den Aufbau der Bodenfruchtbarkeit auf dem Acker durch schonende Bearbeitungsmethoden und ausgeklügelte Fruchtfolgen. Dabei verfolgt er auch neue Ansätze wie z. B. pfluglose Bodenbearbeitungsmethoden mit der Fräse nach Hägler oder die Düngung nach McKinsey. Seit 2012 ist sein Betrieb auf Bio umgestellt, sein über Jahre erworbenes Wissen im Ökolandbau gibt er gern weiter und engagiert sich auch in der Nachwuchsförderung, etwa auf Felderbegehungen oder bei Besuchen von Landwirtschaftsschülern. „Es gibt keine Patent-Rezepte für den Ökolandbau, ich bin viel am Forschen, was zu meinen Anbaubedingungen am besten passt“, so Hans.

Um seinen Mastschweinebetrieb auf Bio umstellen zu können, verkleinerte er seinen Bestand von 300 auf 70 Tiere – ein betriebswirtschaftliches Risiko, das er nur durch die arbeitsintensive Direktvermarktung, gemeinsam mit seiner Frau Zenta, und die Zusammenarbeit mit den Herrmannsdorfer Landwerkstätten auffangen konnte. Durch einen großen Freilauf in zwei Gruppen ist für genügend Auslauf für die Tiere gesorgt, und die Familie kann einen Großteil des benötigten Futters auf eigenen Feldern erzeugen.

Auf 5-8 Hektar wachsen außerdem Besonderheiten wie Hanf und Ölsaaten, die Hans an die nahe gelegene Bio-Ölmühle von Johann Niedl und an die Gartinger Ölmühle in Schnaitsee liefert. Hans gilt hier als Pionier. Die schwierige Erntetechnik beim Hanf mit seinen zähen Fasern hatte ihn, wie andere Bauern vor ihm, schon fast zum Aufgeben dieser Frucht bewogen. Durch die Zusammenarbeit mit seinem jetzigen Lohnunternehmer und gemeinsames Tüfteln scheint seit kurzem der Durchbruch für eine Hanfernte ohne begleitende Maschinenschäden geschafft (Link zum Bericht in „Unser Land“ in der Mediathek des BR vom 27. September 2019 ), davon werden weitere Landwirte profitieren. Um den Hanf auch geschält vermarkten zu können, hat ihn die Ökomodellregion bei der Suche nach einer Schälmühle für Hanf unterstützt, sodass sich sein Schälhanf z.B. in der Biohanfschokolade der „Chiemgauer Genussmanufaktur“ oder bei so manchem Biobäcker findet. Außerdem baut Hans Biosenf an, für den ihn eine fünfjährige Kooperation mit dem Mühldorfer Feinkosthändler Byodo verbindet.

Auf Expansion legt Hans Posch es nicht unbedingt an, aber Chancen, die sich spontan ergeben haben, nutzt er gern. Als ein Onkel sein Gebäude am Hof aufgab, übernahm seine Familie es und betreibt seither den Hofladen „Bodenschatz“, wo Produkte vom eigenen Bio-Schweinefleisch, Biohanf- und -senföl und weitere Produkte angeboten werden. Als eine Bekannte sich als Floristin selbstständig machten wollte, fand auch sie im Hofladen ihren Platz – eine schöne Ergänzung für beide Seiten. Mit Holz aus dem eigenen Wald wird eine Hackschnitzelheizung betrieben, die neben dem eigenen Betrieb auch noch andere benachbarte Abnehmer mit Energie versorgt.

Wie schafft die Familie das alles? Hans und seine Frau Zenta, genauso zupackend wie ihr Mann, sind echte Familienmenschen, beide mit einem sehr ausgleichenden Wesen. Ihre fünf Kinder helfen auf ihre Weise schon im Betrieb mit, zum Beispiel im Hofladen. Überdies liegen dem Hans Kooperationen und das Netzwerken im Blut. Als Mitglied des Maschinenrings Traunstein vertritt er sehr aktiv den Gedanken einer gemeinsamen Nutzung teurer landwirtschaftlicher Maschinen, als Hilfe zur Selbsthilfe von Landwirtsfamilien, mit dem Nebeneffekt, dass eben dieser Maschinenring über seinem Hofladen seit 2018 die Geschäftsstelle mit schönem Versammlungs- und Seminarraum eingerichtet hat.

Hans Posch
Mögstetten 11
83365 Nußdorf
Telefon: 08669 – 6988
Mail: johann.posch@boden-schatz.net
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